Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. April 2009

Mangelnde Courage und der tragische Abgang von Grzegorz Garbacz

NACHSPIEL: Die HR Ortenau feiert einen (letzten) Sieg / Fehlende Versicherung für die Spieler verhindert im Fall der Insolvenz weitere Einsätze

  1. Vorbild in Sachen Einsatz: Grzegorz Garbacz fällt verletzt aus. Foto: michael heuberger (a)

HANDBALL-2.BUNDESLIGA: HR Ortenau – HC Erlangen 34:33 (21:17). Die Zeichen sind eindeutig. Das Aus der Handballregion Ortenau steht unmittelbar bevor. In der Öffentlichkeit versuchen ehemalige Protagonisten und Geburtshelfer sich von einer Schuld freizusprechen, auf Distanz zu gehen. Der Volksmund sagt auch: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. "Der Ausspruch ist eine Umschreibung der Tatsache, dass Ratten an Bord eines Schiffes versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, wenn dieses – etwa aufgrund der Löcher, die sie selbst in den Rumpf genagt haben – unterzugehen droht. Der Sinn wird auf Menschen übertragen, die vor einer kniffligen oder gefährlichen Situation, die sie möglicherweise selbst verursacht haben, zu fliehen versuchen, wenn diese sich langsam abzeichnet." Dies schreibt die Enzyklopädie Wikipedia. Es fehlt vielleicht genau diesen Männern an Courage, endlich vor die Mannschaft und das Publikum zu treten und für jene Klarheit zu sorgen, die nur noch Illusionisten nicht wahr haben wollen. Die Spieler sicherten sich bereits nach dem Spiel in Münster ihre Erinnerungsstücke und nahmen die Trikots mit nach Hause. Sie sollen nicht in der Insolvenzmasse verschollen gehen. Vor jenem Spiel hatte der Trainer in der Kabine mit klaren Worten beim Bälle werfenden Personal für das Ende der letzten Hoffnungen gesorgt. Es gibt keine Zukunft mehr für den Leistungshandball in der Ortenau.

Werbung


Auch am Freitag rief Goran Suton dem nur noch spärlich erschienenen Publikum zu: "Genießt den Bundesligahandball solange es ihn noch gibt." Der Trainer beherrscht von Gefühlen zwischen Stolz und Traurigkeit war nach Spielschluss emotional gefangen. "Was die Mannschaft leistet ist unglaublich, aber leider zahlen wir für dieses Engagement einen unheimlich hohen Preis. Das haben wir nicht verdient."

Den höchsten Preis zahlte Grzegorz Garbacz. Er riss sich in der 55. Minuten das Innenband des rechten Knies. Besonders bitter für den Polen, da er zu den wenigen Spielern gehört, deren sportliche Zukunft noch nicht geklärt ist. Bei allem Pech, hatte er noch Glück im Unglück. Er wurde in den letzen Minuten verletzt, für die noch ein Versicherungsschutz bestand. So ist zumindest seine Regeneration abgesichert.

Im Fall der bevorstehenden Insolvenz – das Insolvenzverfahren soll wohl heute empfohlen werden – seien die Spieler nicht versichert, würden auf eigenes Risiko spielen. "Je kleiner der Kader ist, umso größer ist die Belastung und damit die Verletzungsgefahr", erläuterte Torhüter Daniel Sdunek warum die Grenze der Zumutbarkeit überschritten sein könnte. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz wird das Team nicht mehr spielen. Geld hin oder her.

Die Musik, die nach dem Spiel Spieler und Fans begleitete, erinnert stark an Fado, jenen portugiesischen Musikstil, der meist von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen, vergangenen Zeiten oder der Sehnsucht nach besseren Zeiten handelt. Eine passende Untermalung für einen tragischen Abgang. Gregorz Garbacz humpelte auf dem Weg ins Krankenhaus aus der Halle und rief Daniel Sdunek zu: "Bis Montag – beim Fußball" – "Ist in Ordnung, aber du spielst nur im Tor."

HR Ortenau: Sdunek (n.e.), Ritschel (31.-60.), Henne (1.-30.); Hafner 3, Garbacz 6, Bitterlich 4, Stock 1, Geppert 2, Catak 10/6, Gerber 1, Valo 7. HC Erlangen: Bayerschmidt, Zapf (37.-60.); Müller (n.e.), Schwandner 2, G.Münch 2, Kirchner 1/1, H. Münch 1, Krämer 5/1, Wannenmacher 2, Nienhaus 6, Auer 5, Stumpf 9. Schiedsrichter: Knapp, Puchinger (Birkenau, Fürth); Zuschauer: 400; Zeitstrafen: 10:8 Minuten; Siebenmeter: 7/6:6/2 (Ritschel hält gegen H.Münch und Stumpf, Henne hält gegen Stumpf, Kirchner trifft die Latte, Catak scheitert an Bayerschmidt); Spiel-Film: 3:3 (7.), 6:3 (8.), 9:6, 15:10 (23.), 21:17 – 25:20 (40.), 30:23 (48.), 30:29 (54.), 31:29, 31:31, 32:32 (58.), 34:32, 34:33.

Autor: Wolfram Köhli


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.