Abschied eines Handball-Dinos

Quirin Laun

Von Quirin Laun

Fr, 04. Mai 2018

Handball 3. Liga

VIER GRÜNDE für den Abstieg der SG Köndringen-Teningen aus der Dritten Liga / Letztes Saisonspiel gegen Heilbronn.

HANDBALL. Ein letztes Mal dürfen die Spieler der SG Köndringen-Teningen Drittliga-Luft schnuppern, bevor der bittere Gang in die Oberliga Baden-Württemberg ansteht. Am Samstag empfängt die Spielgemeinschaft um 19 Uhr den Tabellenzweiten TSB Heilbronn-Horkheim in der Ludwig-Jahn-Halle. Der Abstieg steht bereits seit einigen Wochen fest, zwölf Spiele in Folge gelang den Gelb-Schwarzen kein Punktgewinn. Die Ursachen für den Abstieg des vermeintlichen Drittliga-Dinos sind vielfältig.

Der Abgang von Bührer und Co.
Nach der vergangenen Saison wechselte Pascal Bührer (22) zum frisch aufgestiegenen Erstligisten nach Friesenheim/Ludwigshafen. Der Rückraumspieler war Torschützenkönig der Dritten Liga Süd und trotz seines jungen Alters absoluter Führungsspieler, an dem sich die Teamkollegen orientieren konnten. Den Verlust des Spielmachers konnte die junge Mannschaft von Trainer Ole Andersen auf und neben dem Platz nicht kompensieren.

Reinhold Kopfmann, sportlicher Leiter der Teninger, räumt bei der Kaderplanung eigene Fehler ein: "Wir dachten, dass die jungen Spieler, die neben Bührer bereits dazugelernt hatten, ohne ihn ähnlich agieren könnten. Doch das ist und war nicht zumutbar. Ein Spieler seiner Klasse, den es bei uns alle zehn Jahre gibt, nimmt die anderen mit und entscheidet eben auch mal Partien im Alleingang."

Neben Bührers Abgang war für Kopfmann der Verlust von sieben Spielern nach der Saison 2015/16 entscheidend: "Fast eine gesamte Mannschaft hat uns damals verlassen. Hätte Bührer in der darauffolgenden Spielzeit nicht so groß aufgespielt, wären wir womöglich damals schon abgestiegen. Einen solch großen Aderlass zu kompensieren, ist mit unseren Mitteln unmöglich."

Fehlende Erfahrung
Eng in Verbindung mit diesem Aderlass steht die mangelnde Erfahrung des Teams. Die Spielgemeinschaft stellt wohl die jüngste Mannschaft der Dritten Liga Süd, was sich negativ auf konkrete Spielsituationen auswirkte. So gelang zwar offensiv meist eine ordentliche Torausbeute, defensiv fällt die Bilanz aber dürftig aus: Mit 876 Gegentoren steht das Tabellenschlusslicht in dieser Kategorie auf dem dazu passenden Platz. Für Kopfmann nicht überraschend: "Spieler wie Alexander Velz könnten noch A-Jugend spielen und haben ihre Sache trotzdem gut gemacht. Die erfahrenen gegnerischen Spieler wissen aber natürlich um die Jugendlichkeit auf unserer Seite. Besonders in der Defensive gilt Erfahrung als entscheidende Komponente."

Mangelnde Qualität
Bei einer Trainerumfrage vor der Saison tippte ein Großteil der Übungsleiter auf die SG Köndringen-Teningen als möglichen Absteiger. Nicht überraschend. Wussten die Trainerkollegen von Andersen doch um den herben Verlust von Bührer – und um die Folgen. Mangelnde Erfahrung, fehlende Physis und Verletzungen wie die von Kapitän Felix Zipf, der mit einem Handbruch lange ausfiel, bedeuteten schlichtweg einen Mangel an Qualität. Unter diesen Umständen wirken die Leistungen der Hinrunde äußerst positiv, doch nach dem Heimsieg am 20. Januar gegen den TSV Neuhausen/Filder kam kein Erfolgserlebnis mehr zustande.

Wintertransfers schlagen nicht ein
Die Winterneuzugänge Nemanja Skrobic (Rückraum) und Adrian Birkenheuer (Torhüter) konnten zu keiner Zeit den erhofften Impuls geben. Selbstverständlich benötigen neue Spieler Eingewöhnungszeit, und doch hatten sich wohl alle Beteiligten mehr von den beiden Neuen erhofft. Trainer Ole Andersen findet lobende Worte für ihren Charakter: "Das sind super Jungs, die gut trainiert haben." Birkenheuer wird es nach der Saison wieder in seine baskische Heimat ziehen, ein neuer Torhüter wurde im 35-jährigen Polen Sebastian Kicki bereits verpflichtet. Nicht zuletzt auf dieser Position war die fehlende Qualität klar erkennbar: "Wir haben im Laufe der Saison neun Torhüter eingesetzt, das sagt schon alles", so die Einschätzung Andersens.

Eine solche Fülle an negativen Begleitumständen ließ wohl kein anderes Szenario als den Abstieg zu. Die Spielgemeinschaft schaut der kommenden Saison trotzdem positiv entgegen, wie Kopfmann betont: "Wir freuen uns auf die Oberliga und auf eine junge Mannschaft mit Spielern, die richtig Lust auf Handball haben." Es wird spannend sein zu beobachten, in welche Richtung das Pendel dieser jungen Crew dann ausschlagen wird.

Kompakt: Jonathan Fischer wird in der nächsten Saison ausschließlich für die SG BBM Bietigheim auflaufen. Der 20-Jährige hatte aufgrund eines Doppelspielrechts bereits seit der Rückrunde die Möglichkeit, dort in der zweiten Liga zu spielen. Nun winkt sogar die erste Liga, da die Bietigheimer fünf Spieltage vor Schluss mit großem Abstand den zweiten Tabellenplatz einnehmen. Fischer ist in der laufenden Saison erfolgreichster Torschütze der SG Köndringen-Teningen.