Schnelle Konter ebnen den Weg

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 12. März 2018

Handball 3. Liga

Nach holprigem Beginn bezwingen die Drittliga-Handballerinnen der HSG Freiburg den Vorletzten SG OBK am Ende souverän.

HANDBALL. Dritte Liga Frauen: HSG Freiburg – SG OBK 30:19 (16:9). Ralf Wiggenhauser liebt Überraschungen. Dies gilt nicht nur für manche Übungen im Training. Auch den Ablauf seines langjährigen Engagements als Trainer hat er den (seinerzeit konsternierten) Drittliga-Handballerinnen HSG Freiburg schon mal am Saisonende verkündet –, um wenig später davon wieder Abstand zu nehmen. Vor dem Heimspiel gegen die SG OBK verkündete der Coach nun erneut Unerwartetes, als er Nachwuchstalent Alina Majcen erstmals in der Start-Sieben aufbot.

Die gerade 17 Lenze junge A-Jugendliche aus Herbolzheim, die bislang lediglich Schnuppereinsätze absolviert hatte, zeigte sich total perplex. Zumal sie auch noch in der Rückraummitte als Spielmacherin agieren sollte. "Ich habe sie bewusst ins kalte Wasser geworfen, denn nur da lernt man das Schwimmen", begründete Wiggenhauser seine Entscheidung. "Auch so junge Spielerinnen sollen einfach mal spüren, wie es ist, schon am Anfang dabei zu sein." Alina Majcen war denn auch überaus nervös und fand wenig Bindung zu ihren Mitspielerinnen. Zumal Ottersheim-Bellheim-Kuhardt-Zeiskam (OBK!) in der Abwehr unorthodox mit einer vorgezogenen Spielerin auf der rechten Halbposition agierte. Dies störte den Spielfluss der klar favorisierten Einheimischen zunächst erheblich. "Aber die jungen Spielerinnen dürfen Fehler machen, nur daraus können sie lernen", zeigte sich Pädagoge Wiggenhauser nachsichtig.

Denn nicht nur das HSG-Küken war nervös. Ihre erfahrenen Teamkolleginnen waren in der Anfangsviertelstunde sogar völlig von der Rolle. Erst im fünften Angriff sorgte Leonie Hartl mit dem 1:2-Anschlusstreffer erstmals für Freiburger Torjubel. Doch die Zahl der technischen Patzer, Fehlpässe und schlechten Würfe des Tabellenvierten hielt an, so dass schon ein von Nadine Czok verwandelter Siebenmeter herhalten musste, um im elften Angriff nachzulegen. Zu diesem Zeitpunkt war der Vorletzte bereits auf 5:1 davon geeilt. "Wir haben OBK zu Beginn vielleicht doch unbewusst etwas unterschätzt", gestand Czok, die beste Schützin der Liga, später und lobte zugleich die eigenen Torhüterinnen, "die uns enorm den Rücken gestärkt haben". Dies galt für Debora D’Arca (zehn Paraden in Halbzeit eins) ebenso wie später für Zoe Ludwig, die beide einen guten Tag erwischten.

Rebecca Dürr verleiht dem HSG-Spiel Struktur

Erst mit der Einwechselung von Rebecca Dürr in Minute 14 erfuhr das Freiburger Spiel Stück für Stück die gewohnte Struktur. Schon mit ihrer ersten Aktion blies die Spielmacherin zur Aufholjagd, holte einen Strafwurf nebst Zeitstrafe heraus. Fortan war der HSG-Express nicht mehr aufzuhalten. Angriff auf Angriff rollte auf das Gehäuse der überforderten, nur mit neun Feldspielerinnen angereisten Südpfälzerinnen zu, so dass Freiburg mit sieben Treffern in Folge bis zur Pause vorentscheidend auf 16:9 davon zog.

Im zweiten Durchgang baute die HSG, nun voll auf Betriebstemperatur, den Vorsprung aus. Weiterhin vor allem mit Kontern per erster und zweiter Welle. Sehenswert war etwa ein Treffer von Selina Margull, als die pfeilschnelle U-17-Europameisterin förmlich einen Turbo zündete und per Heber vollendete. Spätestens nach dem 26:12 (45.) versah Wiggenhauser ("Wenn nicht jetzt, wann dann?") neben Margull auch alle anderen Teamkolleginnen mit längeren Einsatzzeiten. Und dies auf verschiedenen Positionen, wobei Margull ebenso überzeugte wie etwa Leonie Hartl, Anna Gempp, Alica Burgert, Marie Lipps oder Johanna Chaumet. "Die Variabilität ist unsere Stärke, das macht uns aus", sagten unisono Gempp und Angelika Makelko, die trotz Grippe eine starke Partie spielte. "Gewonnen, zwei Punkte, Ziel erfüllt", bilanzierte Czok trocken.

Tore HSG: Czok 8/6, Hartl 5, Makelko 4, Dürr 3, Burgert 3/1, Gempp 2, Margull 2, Spinner 2, Lipps 1. Spielfilm: 0:2, 1:2, 1:5 (8.), 3:6 (12.), 7:6 (18.), 8:8 (22.), 15:8 (29.), 16:9. – 20:9 (35.), 26:12 (45.), 26:16, 30:19.