Auf der Suche nach dem Spaßfaktor

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 20. April 2018

Oberliga BaWü

Christian Weber soll bei den Brombacher Handballerinnen den Neuanfang initiieren / Sonntag letztes Heimspiel gegen Wolfschlugen.

HANDBALL Oberliga Frauen: TV Brombach – TSV Wolfschlugen, Sonntag, 14.30 Uhr. Am Sonntag bestreiten die Handballerinnen des TV Brombach gegen den drittplatzierten TSV Wolfschlugen ihr vorerst letztes Oberliga-Heimspiel. Christian Weber soll beim bereits feststehenden Absteiger den Neuanfang in der Südbadenliga initiieren. Aufräumarbeiten nach einer verkorksten Saison der TVB-Handballerinnen.

Man stelle sich das einmal vor: Ein Trainer spielt mit seinem Team eine tolle Saison, steht trotz personeller Engpässe kurz vor der Meisterschaft und dem Aufstieg in die höhere Liga. Und plötzlich zerrinnt der Erfolg wie Sand zwischen den Händen. Was gestern gesichert schien, ist morgen schon vergessen.

Christian Weber hat das jüngst miterlebt. Mit dem Brombacher Reserveteam lag er in der Südbadenliga auf Meisterschafts-Kurs. Vor gut einem Monat aber musste er als Interimscoach für die kriselnde erste Mannschaft in der Oberliga einspringen. "Das war für mich gar keine Diskussion", sagt der 38-Jährige, "sonst hätten wir abmelden müssen." Seitdem hat seine Reserve in der Südbadenliga vier Spiele in Folge verloren, die Meisterschaft ist passé. Die erste Mannschaft steht dagegen längst seit Wochen als Absteiger fest – in die Südbadenliga. So hätte die zweite Mannschaft auch im Falle des Titelgewinns absteigen müssen.

Die Weber-Story trifft den Kern des Brombacher Handball-Dramas der vergangenen Jahre. Vor zwei Jahren in die dritte Liga aufgestiegen, befinden sich die TVB-Frauen seitdem im freien Fall. 2017: Abstieg in die Oberliga. 2018: Abstieg in die Südbadenliga. Schlimmer noch aber wiegt der akute Spielerinnen-Mangel. Trainiert wird mit einer Handvoll Handballerinnen, zuletzt traten beide Brombacher Teams nur in dünner Besetzung an, Weber verfügte kaum über ausreichende Wechseloptionen – wie schon seine Vorgänger. Zwei Trainer hat die schwache Oberliga-Saison verschlissen. Erst warf im November Gundolf Trefzer das Handtuch, im März sein Nachfolger Andreas Blackall.

Und nun also die Lösung Weber. Der gelernte Glaser ist auserkoren, den freien Fall zu bremsen und einen Neuanfang in der Südbadenliga zu initiieren. Wie seit einem Jahr bei den Männern setzen sie in Brombach ab Sommer ebenfalls auf die Kooperation mit dem ESV Weil. Unter dem Dach der HSG Dreiland soll der Reset gelingen.

Blauäugig geht der neue Coach nicht an seine Aufgabe. "Die Probleme könnten wiederkehren", warnt Weber, relativiert aber auch: "Falls wir nächstes Jahr in die Verlegenheit eines Aufstiegs kommen sollten, werden wir uns intensiv mit der Situation befassen." Mit Weber setzen die Verantwortlichen auf einen echten Kenner. Einen aus dem eigenen Stall. Seit den Minis spielt er am Hochrhein, hütete einst in der ersten Mannschaft das Landesliga-Tor. Nach einem Fußbruch wechselte er auf den Trainerposten und rettete 2014 die Frauenreserve vor dem Abstieg aus der Landesliga. Auch damals hatte er während der Runde als Interimscoach übernommen. Vielleicht ein gutes Omen. Zumal ein Jahr später die Meisterschaft samt Aufstieg in die Südbadenliga stand.

Vorerst liegt Webers Hauptaugenmerk auf den mentalen Faktoren. "Wir müssen den Spaß am Sport wiederfinden." Dazu hat er einen klaren Ansatz: "Wir wollen über eine kompakte Abwehr schnelle und einfache Tore erzielen", umfasst er seine Philosophie. Eine einfache Formel also, die sich Weber ausgedacht hat, um in Brombach wieder an erfolgreichere Zeiten anzuknüpfen. Den Gegner überrennen, um sich vom psychischen Ballast zu befreien. Manchmal klingt’s ganz leicht.