Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Juli 2012

Tom und Lars Spieß

Brombacher Handball-Zwillinge sind Europameister

Tom und Lars Spieß feiern U-18-Titel mit Sieg gegen Schweden.

  1. Freude über EM-Titel: Handballer Tom (li.) und Lars Spieß Foto: Heuberger

HANDBALL. Eigentlich wollte Andrea Spieß am Montag an ihrem Arbeitsplatz in Lörrach mit einer Deutschlandfahne auf der Wange erscheinen. Wie zehn Tage lang im österreichischen Hardt, wo sie zusammen mit Ehemann Wolfgang, beide Handball-Urgesteine des TV Brombach, ihre Söhne Tom und Lars bei der U-18-Europameisterschaft auf der Tribüne lautstark unterstützte. Gehüllt ins deutsche Trikot, geschminkt in den Nationalfarben und dazu die Landesflagge eifrig schwenkend, feierte sie dort am Sonntag (wie berichtet) den Titelgewinn der Auswahl des Deutschen Handball Bundes (DHB).

Trotz aller Euphorie verwarf Andrea Spieß den spontanen Gedanken an eine Gesichtsbemalung bald wieder, aus Gründen der Seriosität. "Aber dafür laufe ich heute wohl den ganzen Tag lang mit einem Dauergrinsen im Gesicht durch die Bank", versichert die Angestellte lachend. Und Wolfgang Spieß ging es in seiner Firma im schweizerischen Aargau sicher ähnlich. Schließlich feiert man nicht jeden Tag eine Europameisterschaft mit seinen erfolgreichen Zwillingen.

Werbung

"Wir sind ganz, ganz stolz auf Tom und Lars", gesteht Andrea Spieß nur wenige Stunden nach dem überraschenden 30:29 (26:26, 14:13)-Triumph nach Verlängerung der DHB-Nachwuchsauswahl der Jahrgänge 1994/1995. "Diesen Riesenerfolg kann ihnen keiner mehr nehmen." Einen Triumph, den sie mit rund 50 eigens angereisten TVB-Handballfans am Abend zuvor "in einem starken deutschen Block" ausgekostet hatten. "Das Finale war nichts für schwache Nerven, zumal wir mit einem deutschen Sieg nicht wirklich gerechnet hatten." Auch Wolfgang Spieß konnte es kaum fassen. "Das ist eine Sensation, eine Sensation, eine Sensation", stammelte der TVB-Sportwart noch lange nach der Übergabe von EM-Pokal und Goldmedaillen. Dazu waren die Schweden im Turnier zu dominant aufgetreten, hatten sämtliche Spiele deutlich gewonnen.

Auch bei ihrem 29:20-Erfolg in der Vorrunde ließen sie der DHB-Auswahl nicht den Hauch einer Chance. Doch erinnerte der frühere Kieler Klaus-Dieter Petersen, der zusammen mit dem Ex-Schutterwälder Christof Armbruster die DHB-Talente trainierte, die Seinen im Vorfeld an die Bibelgeschichte von David, der sich im Duell mit dem übermächtig erscheinenden Goliath durchsetzte. Selbst Männer-Bundestrainer Martin Heuberger hatte dem deutschen Team keine Siegchance zugetraut. "Alle Gegner, die ich bei der EM beobachtet habe, können den Schweden nicht das Wasser reichen. Die sind so ausgebufft und können sich selber schlagen."

Doch überraschte Deutschland die Schweden im Gegensatz zur Vorrunde, in der man mit der offensiven 3:2:1-Abwehr Schiffbruch erlitt, von Beginn an mit einer aggressiven 6:0-Deckung. Damit bekam das Team um Lars Spieß im Mittelblock und Tom Spieß auf Außen den torgefährlichen Rückraum der Skandinavier ebenso in den Griff wie dessen bulligen Kreisläufer Viktor Rhodin. "Die Mannschaft war super eingestellt; die überragende Abwehr und der enorme Wille waren die Schlüssel zum Sieg", bilanziert Andrea Spieß. Was dennoch durchkam, entschärfte der herausragende Torhüter Jonas Maier (SG Kronau-Östringen), der die Siegerehrung mit den Spieß-Zwillingen mit der gelb-roten badischen Fahne garnierte.

Die DHB-Auswahl führte fast während der ganzen Spielzeit und setzte damit die Schweden enorm unter Druck. Der hohe Favorit lag aber 30 Sekunden vor dem Ende mit 26:24 vorn. Die Partie schien gelaufen. Doch mit offener Deckung gelang nicht nur der Anschlusstreffer, sondern drei Sekunden vor Ultimo sogar der 26:26-Ausgleich – durch Tom Spieß. Dabei tappten die Schweden in die aufgestellte Wurffalle. Deren Rechtsaußen scheiterte per Dreher an Keeper Maier, und zwei schnelle Pässe später stand Tom Spieß völlig frei und verwandelte den Ball eiskalt zum umjubelten Remis. "Lang und tief hat er geworfen", freut sich Andrea Spieß. Dabei hoffte Tom insgeheim, wie er seiner Mutter später gestand, nicht angespielt zu werden. Doch dann war der Ball schon da, und der 18-Jährige netzte nervenstark ein. Heute sitzen Tom und Andrea Spieß bereits wieder im Großwallstädter Handballinternat Noch eine Woche. Dann beginnen auch für sie die Sommerferien und der Urlaub in Lörrach.

Autor: Jochen Dippel


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Handball Allgemein