Der gefühlte Neuzugang

Sandra Hennig

Von Sandra Hennig

Fr, 14. Oktober 2016

Handball 3. Liga

Nach einigen Verletzungsausfällen ist Anna Gempp endlich bei der HSG Freiburg angekommen.

HANDBALL. Wenn die Handballerinnen von HSG-Coach Ralf Wiggenhauser am Samstag, 20 Uhr, in der heimischen Gerhard-Graf-Halle gegen Tabellenführer TV Möglingen um die nächsten zwei Punkte in der Dritten Liga kämpfen, wird eine mit von der Partie sein, die froh ist, überhaupt wieder auf dem Feld zu stehen. Und das aus gutem Grund: Anna Gempp ist in ihre dritte Saison bei der HSG gestartet und zählt trotzdem als Neuzugang – weil hinter ihr ein Jahr voller Verletzungspech liegt.

Anna Gempp und die HSG. Man könnte sagen, es war eine schwere Geburt. Mit einem Zweitspielrecht kam sie in der Saison 2014/15 erstmals nach Freiburg. "Ich habe zu dieser Zeit noch in Lahr in der Juniorinnen-Oberliga gespielt", erinnert sich die in Weil am Rhein aufgewachsene Gempp, "das stand für mich damals noch an erster Stelle". Dennoch kam sie zweimal in der Woche nach Freiburg, um mitzutrainieren. "Das Zweitspielrecht hat es für mich allerdings schwierig gemacht, wirklich anzukommen", berichtet die 18-Jährige, die erst am vergangenen Wochenende ihre Volljährigkeit feiern konnte.

Im Sommer 2015 sollte Schluss sein mit dem Hin und Her, denn Gempp entschied sich dazu, ganz nach Freiburg zu wechseln. Die kürzere Anfahrt vom Dreiländereck war im Hinblick auf das anstehende Abitur ein großer Vorteil, und in der Dritten Liga zu spielen, war reizvoll. Doch es sollte anders kommen: In der Vorbereitung zog sich Gempp einen Muskelfaserriss zu. "Der ließ mich die ganze Vorrunde aussetzen", erzählt sie.

Erst im Januar diesen Jahres war sie wieder fit und dachte, sie hätte ihre Leidenszeit hinter sich gebracht. Doch zum Rückrundenauftakt folgte gleich der nächste Schock: Außenbandriss – wieder pausieren. Aufhören sei für die 18-Jährige jedoch nie eine Option gewesen: "Allein weil ich im Sommer mein Abitur in Sport ablegen wollte, musste ich so schnell wie möglich wieder Sport machen."

Das Abitur liegt inzwischen hinter ihr, die Vorbereitung lief reibungslos, ihre Einsätze bisher: ein voller Erfolg. Das findet auch ihr Trainer Ralf Wiggenhauser: "Sie hat bisher einen super Job auf dem Feld gemacht und das obwohl sie ein gefühlter Neuzugang ist." Anna Gempp ist endlich angekommen in Freiburg, und sie fühlt sich wohl: "Vor allem die älteren Spielerinnen waren sehr bemüht, die Neulinge gut zu integrieren", erzählt die Weilerin. "Antje Matschenz zum Beispiel hat immer einen guten Tipp auf Lager." Gempp schätzt noch etwas anderes an der HSG: "Wir haben nicht diese eine Spielerin, von der unser ganzes System abhängt", so die 18-Jährige, "bisher wurde in jeder Partie jede Spielerin eingesetzt, das macht uns für mich besonders."

Nach dem vergangenen Seuchenjahr steht für die Weilerin, die übrigens aus einer waschechten Handballer-Familie stammt – Bruder Patrick ist Jugendnationalspieler und auch die Eltern Petra und Jürgen waren jahrelang aktiv – eine Sache an oberster Stelle: Sie möchte verletzungsfrei bleiben. Der zweite Punkt auf ihrer Wunschliste ist die handballerische Weiterentwicklung: "Es gibt so viel, was ich noch lernen kann", sagt Gempp, "vor allem im Angriff." Denn bislang sieht sie ihre Stärke in der Abwehr, da fühle sie sich deutlich wohler.

Ihre Defensivarbeit lobt auch ihr Trainer. Als Wiggenhauser sie zum ersten Mal spielen sah, "habe ich mich gefragt, ob ich in diesem Alter schon mal so ein Abwehrtalent gesehen habe". So kam Gempp direkt mit ihrem 16. Geburtstag in den HSG-Kader. Die Spielerin ist in den Augen ihres Trainers ein richtiges Arbeitstier: "Anna ist so ehrgeizig und trainingsfleißig, dass es für sie, glaube ich, doppelt bitter war, in der letzten Saison fast ausschließlich zuzuschauen", so Wiggenhauser. "Deshalb wünsche ich ihr auch in erster Linie, dass sie gesund bleibt."

Kompakt: Die Gäste aus Möglingen haben mit ihrem Sieg in Allensbach, wo die HSG am vergangenen Wochenende verlor, ein Ausrufezeichen gesetzt: "Möglingen ist super gestartet", weiß auch Wiggenhauser, "und mit Franziska Ramirez haben sie eine Topverstärkung in ihren Reihen". Trotz der ersten Saisonniederlage stimme ihn der letzte Spieltag positiv: "Das war ein ganz starker Auftritt, auf dem wir aufbauen können."