Der "Handball Guru" hört auf

pau

Von pau

Mi, 27. Dezember 2017

Bezirksklasse Ortenau

Schiedsrichter Roland Muser wird nach geschätzten 1500 geleiteten Spielen in Ichenheim verabschiedet.

HANDBALL (pau). Roland "Handball Guru" – unter diesem Stichwort sind bei Gerhard Kempf dem Vorsitzenden des Handballbezirks Offenburg/ Schwarzwald die Kontaktdaten von Roland Muser abgespeichert. Zwei Worte nur, die aber zu hundert Prozent ausdrücken, mit welcher Intensität er seine Leidenschaft, den Handball, lebt und gelebt hat. Am Freitag sagte der langjährige Bundesligaschiedsrichter nach 35 Jahren endgültig der aktiven Schiedsrichterei Adieu.

Gerhard Kempf genauso wie Jochen Lehmann, Schiedsrichterchef des Handballbezirks Offenburg/Schwarzwald, oder Jürgen Rieber, früherer Bundesligaschiri, heute Schiedsrichterlehrwart beim Deutschen Handballbund, zeichneten das Bild eines positiv Handballverrückten. Wer dreieinhalb Jahrzehnte als Handballschiedsrichter rund 350 000 Kilometer durch die Sporthallen in Deutschland tingelte, rund 1500 Spiele leitete, muss ein ganz eigenes Verständnis zu dieser Freizeitbetätigung und viel Liebe zu seinem Sport aufbringen.

Anlässlich der Weihnachtsfeier der Handball Schiedsrichter des Bezirks Offenburg/Schwarzwald am Freitag in der Riedhalle in Ichenheim wurde kollektiv festgestellt: Roland Muser hat Spuren hinterlassen nicht nur bei den Handballern in der Region auch in ganz Deutschland. Rund 150 Schiedsrichter, so Jochen Lehmann, habe Muser ausgebildet. Die Videobotschaften von Jutta Ehrmann-Wolf, Rolf Brack, Kai Wandschneider, Michael Roth und Martin Schwalb verdeutlichten, dass neben seiner persönlichen und fachlichen Kompetenz vor allem seine spezielle Art des Auftretens in Erinnerung geblieben ist.

Ein paar Anekdoten. Laut Jürgen Rieber erzählte Eva Brack, ihr Ehemann Rolf war damals Trainer beim TSV Scharnhausen, sie habe während eines Spiels mehrfach lautstark Zeit, Zeit gerufen. Da sie ihren Platz direkt am Spielfeldrand hatte, war sie leicht als Ruferin herauszufiltern. Schiri Roland Muser lief dicht bei ihr vorbei, zeigte auf die Hallenuhr und meinte, es ist genau 20.40 Uhr.

Den Trainer Martin Schwalb hielt es nur schwerlich innerhalb des Auswechselraums. Coaching Zone war damals noch ein Fremdwort. Vielmehr war er ständig zwischen Bank und Torauslinie unterwegs. Ohne die Partie zu unterbrechen, nahm Torschiedsrichter Muser beim nächsten Gegenangriff "Schwalbe" am Arm und brachte ihn zu seinem Platz auf der Bank.

Vielleicht denkt man in Minden noch an jenen Abend, als zwei Ortenauer, die vorher beim Bundesligaspiel als Schiris gewirkt hatten, weit nach dem Spiel als Fasnachter kostümiert, zur Polonaise animierten. Roland Muser war auch leidenschaftlicher Fasnachter und daheim in Marlen war Prunksitzung.

Geschenke gab es natürlich auch. Eine Goldene Pfeife vom Schiedsrichter Ausschuss, vom Handballbezirk ein Modellauto, aus gefalteten Geldscheinen und für Ehefrau Christine einen Blumenstrauß. Ganz besonders freute sich Roland, dass seine Ex-Schiedsrichterkollegen Holger Fleisch und Jürgen Rieber zu seinem Abschied nach Ichenheim gekommen waren und seine früheren Schützlinge Fabian Baumgart und Sascha Wildt inzwischen zu den absoluten Spitzengespannen in der Bundesliga zählen und auch international gefragt sind.

Roland Muser pfiff 1982 sein erstes Spiel; 2002 schied er aus Altersgründen aus dem Bundesligakader nach 350 Einsätzen aus. Höhepunkte waren das Pokalfinale der Frauen in Riesa und der Einsatz beim Final Four in Hamburg. Roland Muser pfiff nach 2002 auf Verbandsebene weiter. Partner sind Manfred Prause, Manfred Fritz, Wolfgang Kramer, Gerd Ziegler und Gerhard Flammer.