"Es ist Fakt, dass wir gut spielen"

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Fr, 27. April 2018

Landesliga Süd

BZ-INTERVIEW:Igor Bojic von der HSG Dreiland zum Saisonfinale der Handball-Landesliga mit zwei Nerven-Duellen gegen den Abstieg.

HANDBALL Landesliga: HSG Dreiland – TV Pfullendorf, Samstag, 20 Uhr. Ist diese Mannschaft zu gut für den Abstieg? Igor Bojic schwört auf das Potenzial seiner Landesliga-Handballer, die vor zwei entscheidenden Matches stehen. Uwe Rogowski sprach mit dem Trainer der HSG Dreiland über Wurfquoten und das Nervenkostüm.

BZ: Herr Bojic, schon nervös?
Bojic: Nicht wirklich, ich spüre eher eine Art Mobilisierung bei uns. Wir wissen wie wichtig die nächsten zwei Spiele sind, vor allem erst einmal das kommende gegen Pfullendorf. Vielleicht stellt sich noch etwas Nervosität ein, und das sollte auch so sein, damit wir mit diesem gewissen Gefühl ins Spiel gehen.
BZ: Es dürfte auch auf die Nerven ankommen. Halten Sie Ihre Mannschaft für nervenstark?
Bojic: Gute Frage. Das kommt wohl drauf an. Wir sind meist eine ziemlich junge Mannschaft auf dem Feld, und junge Spieler oszillieren. Das ist normal, und die jungen Spieler haben mein volles Vertrauen. Wenn alle Erfahrenen auflaufen, hilft das aber natürlich und man spürt es in Sachen Nerven. Am Samstag gegen Pfullendorf sind wohl alle dabei, wohl nur Julian Ruland fehlt, und ich hoffe, dass die jungen Spieler Schutz und Rückendeckung durch die älteren Spieler haben werden.
BZ: Es ist ein erstes von vielleicht zwei Endspielen.
Bojic: Ich erwarte Vollgas von uns. Wir wollen unser gutes Gesicht zeigen und die Zuschauer mitnehmen. Wir haben größten Respekt vor Pfullendorf. Sie stehen eigentlich zu schlecht da, dafür, wie sie spielen. Ich weiß nicht warum. Sie haben eben auch zwei Gesichter. Ich werde meinen Spielern nochmal einige Videosequenzen zeigen, damit sie nicht überrascht werden.
BZ: Die HSG schien schon durch, jetzt ist es noch ein Punkt zum Relegationsplatz. Es ist eine Binsenweisheit, aber wahr: Den berühmten Hebel nochmal auf Abstiegskampf umlegen, ist schwer.
Bojic: Das kann sein. Aber ich war immer realistisch, wir waren weit vorn, weil wir früh die nominell schwächeren Teams als Gegner hatten. Und: Es ist Fakt, dass wir insbesondere zuletzt gut gespielt haben, aber eine schlechte Wurfquote hatten. Das hat die Analyse gezeigt. Mit 44 Prozent Wurfquote kannst du kein Spiel gewinnen.
BZ: Die fehlende Effizienz kann es aber nicht allein sein.
Bojic: Ich habe alle unsere Spiele auf Video nachverfolgt: Wir spielen de facto besser als es unser Tabellenplatz ist, die Spieler bekommen von mir regelmäßig gute Noten. Meine Herausforderung ist es, diese sehr talentierte Mannschaft weiterzubringen, zu fördern. Als Ganzes.
BZ: Inwieweit spielt die Mannschaft schon so, wie Sie sich das vorstellen?
Bojic: Ich bin nicht unzufrieden, aber natürlich ist erkennbar, dass wir im ersten Jahr als HSG sind und uns noch immer finden müssen. Viele Spieler, mehr als bei einem gewöhnlichen Prozess, spielen erst kurz zusammen, es braucht Zeit, eine Saison genügt nicht, um die Abläufe wirklich zu verinnerlichen, die ich mir vorstelle. Wie wir uns in der Abwehr verhalten sollten, wie wir die zweiten Bälle angehen. Die taktischen Details können noch nicht passen.
BZ: Tobias Ludwig ist mit Abstand bester Torjäger der Liga. Er ist aber der einzige HSG-Schütze unter den besten 40. Das ist eine ungewöhnliche Konzentrierung. Ist das HSG-Spiel zu statisch, zu ausrechenbar?
Bojic: Nein, das glaube ich nicht. Richtig ist, dass es beim Chancen kreieren manchmal etwas schwierig ist mit unseren Rechtshändern von halbrechts im Zusammenspiel mit Ludwig, der als Rechtshänder halblinks spielt. Aber wir machen es im Grunde so, wie man es machen muss. Wir machen in fast jedem Spiel mehr als der Gegner. Uns fehlt es an Timing im Zusammenspiel. Und an Erfahrung. Die meisten Mannschaften dieser Liga sehe ich bei 80, 90 Prozent ihres Potenzials. Uns fehlen noch 30 bis 40.
BZ: Sie bleiben in jedem Fall über die Saison hinaus Trainer der HSG?
Bojic: Darüber sollte man erst später sprechen. Ich hoffe, dass wir unser Ziel erreichen und die Klasse halten. Dann wäre die Saison okay.
BZ: Ob es in der jetzigen Konstellation weitergeht, hängt auch vom Klassenerhalt ab?
Bojic: Natürlich.