TB Kenzingen - TSV March

Faustschlag beim Handballspiel: Zwischen Abwehrhaltung und Schock

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 25. März 2018

March

Der Sonntag Nach einem Faustschlag bei einem Kreisligaspiel wollen der TB Kenzingen und der TSV March zur Normalität zurück finden.

Schock und dann Schweigen. Wie berichtet man über einen Vorfall, über den keiner reden will? Die Nachrichten schlugen hoch. Die Kommentare im Netz spiegelten den Ausschlag der Emotionen wider. Vergangenen Samstag kam es bei einem Handball-Kreisligaspiel kurz vor Spielschluss nach einer Rangelei zwischen mehreren Spielern zu einer Tätlichkeit. Ein Zuschauer in Kenzingen soll dabei mit einem Faustschlag einen Marcher Spieler niedergestreckt haben. Berichten von Anwesenden zufolge verschluckte dieser seine Zunge. Da die gegenwärtigen Personen rasch reagierten, war eine Lebensgefahr aber schnell gebannt.

Zwei Tage später berichtete die Badische Zeitung : "Ein Foul und zwei Meinungen." Die Darstellungen über Ursache und Ablauf der vorausgegangenen Rudelbildung nach einer Tätlichkeit eines Kenzinger Spielers unterschieden sich nun erheblich. Während der Kenzinger Abteilungsleiter und der Schiedsrichterbericht behaupten, dass der niedergestreckte Marcher Spieler in die Rangelei verstrickt gewesen sei, verneint dies der TSV March: "Der Spieler saß zum Spielzeitpunkt auf der Bank und das können mehrere Zeugen belegen."

Über die Verurteilung des im Anschluss ausgeübten Faustschlages sind sich indes beide Seiten einig. Fest steht auch, der Täter ist Spieler der ersten Kenzinger Herrenmannschaft und hatte dem Spiel der Reserve als Zuschauer beigewohnt. Mehr Licht in die vage Dunkelheit der differierenden Erinnerungen wollten und konnten die Vereine indes auch unter der Woche nicht bringen.

TB-Abteilungsleiter Jürgen Müller teilte am Mittwoch per Nachricht mit, dass sich der Verein nicht mehr öffentlich zum Vorfall äußern werde. Per Mail erklärte der Verein später, dass man die Situation verurteile und der betroffene Spieler vom Spiel- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen worden sei. Am Sonntagnachmittag, beim Südbadenligaspiel der ersten Herrenmannschaft, hatte der 21-jährige Angreifer noch auf der Bank der Kenzinger gesessen, war aber nicht zum Einsatz gekommen. Der Verband berät momentan über etwaige Konsequenzen.

Auch der betroffene Verein versucht zur Tagesordnung überzugehen. Wie aber umgehen mit einer derartigen Ausnahmesituation? Schließlich passiert jahrelang nichts. Werfen ein paar Sekunden alles über den Haufen? Zwischen Schrecken und Tagesordnung. "Wir stehen natürlich noch unter dem Einfluss des Geschehenen, aber die Mannschaft versucht, diesen tragischen Einzelfall auszublenden und den Fokus auf den Sport zu legen", berichtete Marchs Abteilungsleiter Agron Priesner am Mittwoch. In den kommenden Wochen wolle der Club nach dem Vorfall ein Auge darauf haben, ob Veränderungen spürbar würden. "Ob aber die Spieler Probleme haben werden, kann nur die Zukunft zeigen", prognostizierte Priesner.

Zum Vorfall selbst will der Verein ebenfalls nichts mehr sagen: "Die Tat steht für sich." So viel dann aber doch: "Wir sind nun alle in der Verantwortung die unsichtbare Grenze, die im Handball seit jeher Bestand hat, gemeinsam wieder zu schärfen." Dem am Samstagabend ins Krankenhaus eingelieferten Spieler gehe es den Umständen entsprechend. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an.

So wurde der Sport am Sonnabend geradezu zur Nebensache. Da der Schiedsrichter trotz des Vorfalls das Spiel weiterlaufen ließ – es waren noch zwei Sekunden zu spielen – stand am Ende der knappe 29:28-Sieg für March zu Buche. Ein schwacher Trost an einem derart tumultartigen Nachmittag.

Jakob Schönhagen