Handballerinnen des TV Lahr

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Di, 12. Dezember 2017

Südbadenliga

NACHSPIEL: Die Lahrer Handballerinnen gehen als Tabellenletzte in die Weihnachtspause / Es bleiben noch 14 Partien, um die Lage entscheidend zu verbessern.

HANDBALL Südbadenliga Frauen. Mit der 26:33-Niederlage bei der SG Hornberg/Lauterbach/Triberg beschlossen die Handballerinnen des TV Lahr am Sonntag für dieses Jahr eine bisher ausgesprochen unerfreuliche Runde. Nach acht Spielen stehen sie mit 2:14 Punkten gemeinsam mit dem ASV Ottenhöfen auf dem elften und letzten Platz. Zeichen einer sportlichen Krise, die nicht von ungefähr kommt.

"Wir brauchen einen langen Atem. Ich fürchte, es gibt keine kurzfristigen Verbesserungen", sagt Stefan Junker nüchtern. Der 65-jährige Schutterwälder ist seit Anfang November Trainer des TV Lahr (TVL). Nach rund fünf Wochen zieht er ein erstes Fazit: "Wir befinden uns in einer sehr kritischen Situation. Auch ich habe es nicht geschafft, der Mannschaft etwas mehr Leben einzuhauchen und eine Reaktion herbeizuführen."

"Die Spielerinnen haben sehr große körperliche Defizite."

Stefan Junker
Junker sagt, er habe das Team schon vor seinem Amtsantritt beobachtet. Aus seiner Sicht gibt es eine verblüffend einfache Erklärung für die schwache Zwischenbilanz: "Die Spielerinnen haben sehr große körperliche Defizite. Doch das will ich in keinster Weise meinen Vorgängern anlasten. Es liegt am sehr schlechten Trainingsbesuch." Ein häufiges Muster: Der TVL liegt früh mit fünf, sechs Toren zurück, macht den Rückstand fast wieder wett, doch in der entscheidenden Spielphase fehlen die Körner.

"Das ist eine Entwicklung, die nicht erst seit dieser Saison erkennbar ist", stellt Junker fest. Er darf nicht nur als profunder Kenner des regionalen Handballs im Allgemeinen, sondern im Besonderen des Frauenhandballs beim TVL gelten. Zweimal schon hatte er das Lahrer Frauenteam trainiert: Zum ersten Mal zwischen 2007 und 2009. Und er war im Januar 2013 helfend eingesprungen, nachdem Trainer Bernd Eßlinger sein Amt beim damaligen Oberliga-Tabellendritten abgegeben hatte. Bis vor zwei Jahren coachte Junker zudem die Reserve des TVL in der Frauen-Landesliga.

Zudem gibt es Personalien, die im Gesamtbild eine Rolle spielen. Derzeit fehlen die schwangeren Theresa Beathalter, Tatjana Möller, Katrin Kern und Sarah Huser. Lena Kaufmann fällt mit einem Kreuzbandriss aus. Ein erheblicher Substanzverlust. Dass mit Junker schon der dritte Trainer – die Saisonvorbereitung eingerechnet – in dieser Runde auf der Bank Platz nimmt, trägt gewiss nicht zur sportlichen Kontinuität bei. Junker trat im November die Nachfolge von Damir Hasanovic an, der seine Tätigkeit nach nur zwei Monaten – in beiderseitigem Einvernehmen mit dem TVL – beendet hatte. Noch vor dem ersten Saisonspiel hatte der Verein dessen Vorgänger Gregor Roll von seiner Aufgabe entbunden.

Die jüngste Niederlage in Hornberg drückt beim TVL auf die Stimmung. Dies war eine wichtige Begegnung mit einem Team, das ebenfalls im unteren Tabellenbereich zu finden ist. Umso größer war die Enttäuschung, ohne Punkte und positive Emotionen nach Hause zu reisen. "Wir spielen gar nicht so schlecht. Aber zur Zeit fehlt uns auch das Glück", hat Waltraud Niecholat, die Handball-Abteilungsleiterin im TVL, beobachtet.

"Wir haben Phasen, wo wir für mich akzeptabel spielen. Aber die Spielerinnen, auch die erfahrenen, leisten sich individuelle Fehler, die sich summieren. Dann bekommt man keine Sicherheit", sagt der Coach. Er hat weitere Defizite ausgemacht: "Wir zeigen weder nach Innen noch nach Außen: Dieses Spiel wollen wir unbedingt gewinnen."

Wo gibt es Ansätze für eine positive Entwicklung? "Nach dem Spiel vom Sonntag habe ich den Glauben daran verloren, dass es besser wird, jetzt bleibt nur noch die Hoffnung", sagt Junker. "Es fehlt das Gefühl, wieder mal ein Spiel zu gewinnen. Das können wir nicht herbeireden, sondern müssen es uns erarbeiten." Immerhin erkennt er einen positiven Trend: Die Trainingsbeteiligung sei derzeit sehr zufriedenstellend. Gleichwohl ist Junker unzufrieden mit der Gesamtsituation. Deswegen stellt er Fragen, die durchaus provozieren sollen: "Möchten die Spielerinnen nicht, oder können sie nicht? Ist es einigen egal, wie die Mannschaft steht?"

"Die Sache ist noch

lange nicht gegessen."

Waltraud Niecholat
Die gute Nachricht: Es stehen noch 14 Partien auf dem Spielplan. Schon am 13. Januar im Heimspiel gegen die Brombacher Reserve kann der TVL sich auf die Aufholjagd begeben. Das Team trainiert bis Weihnachten durch, gönnt sich nur eine einwöchige Pause, und will dann wieder angreifen und körperliche Defizite aufarbeiten. Dass die Lahrerinnen tatsächlich absteigen könnten, will sich beim TVL niemand vorstellen. Waltraud Niecholat sagt: "Ich baue auf die Rückrunde. Die Sache ist noch lange nicht gegessen." Routinier Junker aber weiß: "Es muss in allen Bereichen ein Ruck durch die Mannschaft gehen."

TV Lahr: Jäkel, Schmalz; Bendrich, Karl 5, Riemer 1, Tontsch 1, Schirmaier, Wansidler 4, Frank, Weide, Steinmetz 10/3, Ernst 3, Wurth 2. Spiel-Film: 3:0 (7.), 6:2 (11.), 11:5 (19.), 11:9 (22.), 15:13 – 20:17 (39.), 22:18 (40.), 25:18 (45.), 29:21 (52.), 33:26.