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31. Juli 2008

Karrieresprung in die zweite Liga

BZ-Interview mit dem Handball-Schiedsrichter Dirk Baustert, der mit Sebastian Häußer aufgestiegen ist.

HANDBALL. Sie stehen vor der größten Herausforderung ihres Lebens – zumindest als Schiedsrichter: Dirk Baustert (32) und Sebastian Häußer (29) sind in die zweite Bundesliga aufgestiegen. Als zweitbestes Gespann unter 27, die in Süddeutschland bis zur Regionalliga pfeifen. Lars Bargmann hat sich mit dem für Alemannia Zähringen pfeifenden Unparteiischen Baustert unterhalten, der ihm auch Grüße aus dem im Urlaub befindlichen Häußer mitbrachte.

BZ: Sie spielen selber aktiv Handball für den TV St. Georgen in Freiburg. Wie schwer ist es, sich auf dem Spielfeld Kritik an Schiedsrichtern zu verkneifen, die Sie als südbadischer Lehrwart ja selber ausbilden?
Baustert: Auf dem Spielfeld kann ich etwaigen Ärger gut verbergen, nachher rede ich aber dann mit den Kollegen, wenn die Fehlerquote zu hoch war.
BZ: Worauf kommt es beim Pfeifen an?
Baustert: In erster Linie darauf, richtige Entscheidungen zu treffen, aber auch falsche gut zu verkaufen. Und: Die Schiedsrichter sollten nie im Mittelpunkt stehen.

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BZ: Wie hat sich das Erfolgsgespann Baustert/Häußer gefunden?
Baustert: Wir haben uns zufällig bei einem Lehrgang getroffen und aus dem Stand ein Lehrspiel gepfiffen. Roland Brodbeck (Schiedsrichterwart im Bezirk Freiburg, Anm. d. Red.) wollte mal sehen, wie wir harmonieren.
BZ: Offenbar gut. Wissen Sie schon, wann Sie Ihr erstes Zweitligaspiel pfeifen?
Baustert: Nein, die Pläne sind noch nicht fertig. Derzeit pfeifen wir Vorbereitungsspiele. Vom 8. bis zum 10. August haben wir dann den Zweitliga-Lehrgang in Saarbrücken.
BZ: Aber Sie schauen sich im Internet schon mal die Zweitligisten an.
Baustert: Das gehört dazu, vor jedem Spiel machen wir zudem eine Videoanalyse und erstellen einige Spielerprofile. Dann wissen wir, was auf uns zukommt.
BZ: Ist die erste Liga das nächste Ziel?
Baustert: Aus den vergangenen Jahren wissen wir, dass sehr viele Gespanne nach dem Aufstieg direkt wieder abgestiegen sind. In der zweiten Liga weht schon ein anderer Wind. Unser Ziel ist, uns erst einmal zu etablieren und den Klassenerhalt zu schaffen. Wenn es aber so kommt, dass wir erste Liga pfeifen dürften, würden wir das sicher machen. Als Sportler will man immer die höchste Liga erreichen.
BZ: Wie viel Zeit investieren Sie in ein Spiel?
Baustert: Bevor wir losfahren, schätze ich jeder 90 Minuten. Auf den langen Fahrten bereden wir alles Wichtige. Wie sprechen natürlich vorher auch mit Kollegen, um uns Informationen zu besorgen. Für ein Zweitligaspiel kann locker ein Arbeitstag draufgehen.
BZ: Wie lässt sich das Pfeifen mit dem Privatleben vereinbaren?
Baustert: Ich glaube, dass wir jetzt sogar eher weniger Aufwand haben. Wenn wir für ein Sonntagsspiele in der zweiten Liga eingeteilt sind, dürfen wir nicht am Samstag noch Regionalliga und am Freitag noch Südbadenliga pfeifen. Allerdings müssen wir in der zweiten Liga zwei Stunden vor Anpfiff in der Halle sein.
BZ: Regiert jetzt mehr die Freude oder der Respekt vor der Premiere in Liga zwei?
Baustert: Die Freude. Man muss Spaß haben, auch wenn wir in der Landesliga pfeifen. Wir müssen in den Hallen viel aushalten, das geht ohne Spaß nicht.