Handball-EM

Deutschlands EM-Traum ist zu Ende

dpa

Von dpa

Mi, 24. Januar 2018 um 23:15 Uhr

Nationalmannschaft

EM-Aus für die verunsichert auftretende deutsche Handball-Nationalmannschaft nach einer deutlichen Niederlage gegen Spanien.

Die Medaillen-Mission der deutschen Handballer bei der Europameisterschaft ist krachend gescheitert. Der entthronte Titelverteidiger enttäuscht im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Spanien und fliegt nach einer 27:31-Niederlage vorzeitig nach Hause.

Bundestrainer Christian Prokop starrte fassungslos auf das ernüchternde Ergebnis an der Anzeigetafel, seine gescheiterten Schützlinge schlichen mit hängenden Köpfen vom Parkett. Deutschlands Handballer haben nach einer desolaten Vorstellung den Einzug ins EM-Halbfinale verpasst und kehren nach einer bitteren 27:31 (13:14)-Pleite gegen Spanien ohne die erhoffte Medaille von der Endrunde in Kroatien zurück. "Ich bin absolut schockiert. Wir haben uns teilweise aufgegeben und insgesamt eine enttäuschende EM gespielt", kritisierte Torwart Andreas Wolff.

Nach der Niederlage in der Neuauflage des EM-Endspiels von 2016 belegt die DHB-Auswahl in der Hauptrundengruppe II nur den fünften Platz und ist nach dem vorzeitigen WM-Aus im Vorjahr am Tiefpunkt angelangt. "Es ist schwer, so kurz nach dem Spiel eine Erklärung zu finden. Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben vom Halbfinale geträumt, das ist leider nicht aufgegangen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Und Prokop räumte ein: "Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Im gesamten Turnier sind zu viele Dinge nicht am Optimum gelaufen."

Vor rund 2000 Zuschauern am Mittwoch in Varazdin war Kai Häfner mit fünf Toren bester Werfer für die Mannschaft von Bundestrainer Prokop, der bei seinem ersten Großturnier nicht die erhofften Akzente setzen konnte und den Untergang seiner Mannschaft im zweiten Durchgang hilflos an der Seitenlinie mitverfolgte.

Wie in den zurückliegenden Spielen auch, fand die deutsche Mannschaft nie ihren Rhythmus. Die ersten drei Angriffe gingen alle ins Leere, erst mit dem vierten Wurfversuch landete Julius Kühn den ersten Treffer. Defensiv stand die DHB-Auswahl gegen sehr bewegliche Spanier in der ersten Halbzeit noch stabil. Doch vorne wurde zu viel liegen gelassen. Kapitän Uwe Gensheimer bot auf Linksaußen erneut eine schwache Vorstellung. Im rechten Rückraum taute Häfner erst auf, als es zu spät war.

Zwar blieb die deutsche Mannschaft trotz einiger Hänger bis zur Pause auf Tuchfühlung, doch nach dem Wechsel kam der Einbruch. Sieben leichte Fehler brachten die DHB-Auswahl vorentscheidend mit sieben Toren ins Hintertreffen. Diesem Rückstand lief der Olympia-Dritte, der nur noch ein Schatten besserer Tage ist, vergeblich hinterher. "Was wir in diesen zehn Minuten gemacht haben, war nicht würdig, um ins Halbfinale einzuziehen", sagte Hanning.

Die Gründe für das Scheitern sind vielschichtig. Anders als beim EM-Triumphzug vor zwei Jahren präsentierte sich die DHB-Auswahl in Kroatien selten als geschlossene Einheit. Das Zusammenspiel zwischen dem als Nachfolger von Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson verpflichteten Prokop und der Mannschaft funktionierte nicht immer so, wie sich das die Verantwortlichen im Deutschen Handballbund eigentlich vorgestellt hatten. Der Coach musste zwei umstrittene Nominierungen korrigieren und stieß mit einigen taktischen Vorgaben auf wenig Gegenliebe seiner verunsichert wirkenden Schützlinge.

Immer wieder taten sich neue Baustellen auf, weil Leistungsträger wie Gensheimer ihr Niveau nicht abrufen konnten. Nur gegen Olympiasieger Dänemark überzeugten die Bad Boys - und verloren trotzdem. Das war am Ende zu wenig.
Statistik: Deutschland - Spanien 27:31 (13:14)
Deutschland: Wolff (Kiel), Heinevetter (Berlin) - Häfner (Hannover/5), Reichmann (Melsungen/4), Weber (Leipzig/4), Kühn (Melsungen/4), Groetzki (Rhein-Neckar Löwen/2), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen/2), Wiencek (Kiel/2), Kohlbacher (Wetzlar/2), Gensheimer (Paris/2/1), Weinhold (Kiel), Dahmke (Kiel), Fäth (Berlin), Janke (Leipzig), Lemke (Melsungen)
Spanien: Perez de Vargas, Corrales - Balaguer (6), Duschebajew (5), Sole (5/5), Aguinagalde (4), Gurbindo (4), Entrerrios (4), Sarmiento (2), Arino (1), Figueras, Rivera, Canellas, Guardiola, Goni Leoz, Morros.
Schiedsrichter: Pichon/Reveret (Frankreich)
Zeitstrafen: 2:1
Siebenmeter: 2/1:6/5
Zuschauer in Varazdin: 2000