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01. August 2012

Übungsstunde mit einem Weltmeister

Stargast Christian Schwarzer trainiert mit 51 Jugendlichen beim dritten Handball-Camp der Regio-Hummeln in Wyhlen.

  1. Blackys Autogramme sind begehrt. Foto: Jochen Dippel

  2. Ex-Weltmeister Christian Schwarzer macht den Jugendlichen noch immer (selbst) etwas vor. Foto: Jochen Dippel

  3. Foto: Jochen Dippel

HANDBALL. Wann gibt es schon einmal die Möglichkeit, mit einem leibhaftigen ehemaligen Handball-Weltmeister einen Doppelpass zu spielen? Beim dritten Handball-Camp der Regio-Hummeln in der Hochrheinhalle in Wyhlen hatten 51 Jungen und Mädchen am Dienstagnachmittag diese überaus seltene Chance. Mit Christian Schwarzer, dem Weltmeister von 2007, der damit seinem Ex-Teamkollegen Oliver Roggisch folgte, der im Vorjahr zu Gast war.

Der mehr oder minder talentierte Nachwuchs genoss die rund zweistündigen Trainingsübungen, die der 319-malige deutsche Nationalspieler (965 Tore) am Nachmittag leitete. Zwar kam der gebürtige Hamburger ein wenig zu spät. "Aber ich bin noch nie hier in Grenzach-Wyhlen gewesen", entschuldigte sich Schwarzer bei den wartenden Jugendlichen. Noch im gleichen Atemzug stellte er den fortan herrschenden lockeren Umgangston klar: "Unter Handballern ist man per Du. Wenn ihr mich ansprecht, sagt Christian oder Blacky zu mir, aber auf keinen Fall Herr Schwarzer." Diese Einladung nahm Luca sofort wörtlich. "Wo wohnst Du denn?", fragte der Steppke den sechs Köpfe größeren Zwei-Meter-Riesen kess. "Im Saarland, 270 Kilometer von hier", entgegnete "Blacky", woraufhin Luca unter dem Gelächter seiner Camp-Freunde konterte: "Da wohnt auch meine Oma."

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Spätestens damit war das Eis endgültig gebrochen, wenn überhaupt eines da gewesen war. Obwohl die Jugendlichen bereits am Montag drei Trainingseinheiten und am Dienstagmorgen eine weitere hinter sich hatten (Campleiterin Antje Matschenz: "Viele klagten schon über Muskelkater, weil das für die meisten ungewohnt ist"), hingen die jungen Ballwerfer zunächst förmlich an den Lippen Schwarzers. Erst nach knapp einer Stunde benötigte der Jugendkoordinator des Deutschen Handball Bundes und Junioren-Bundestrainer, der künftig die frischgebackene Europameistermannschaft der Jahrgänge 1994/1995 mit den Lörracher Zwillingen Tom und Lars Spieß übernimmt ("Beide haben eine sehr gute Entwicklung genommen"), die Pfeife, um sich in der Halle Gehör zu verschaffen.

Dazwischen lagen zahlreiche Übungen für die 9 bis 14 Jahre alten jugendlichen Camp-Handballer. "Die kommen aus der ganzen Region", erläuterte Antje Matschenz, "von Kenzingen und Müllheim bis nach Titisee – eine bunte Mischung." Dies reichte vom einfachen Prellen mit dem Ball bis hin zu Spielformen von mehreren Angreifern in Überzahl gegen Abwehrspieler – zunächst zwei gegen eins, dann drei gegen zwei und schließlich fünf gegen vier. Auffällig war, wie der Olympiazweite von Athen 2004, der mit dem FC Barcelona im Jahr 2000 die Champions League gewann und 2009 seine Karriere nach 600 Bundesligaspielen bei den Rhein-Neckar-Löwen beendete, immer wieder lobte und ermunterte: "Jawohl, genauso, sehr gut", rief "Blacky". Doch gab er zwischendrin auch viele Tipps. "Beim Torwurf musst du den Arm immer lang machen" erklärte er. Oder auch: "Du darfst erst springen, wenn der Ball kommt." Und selbst leise Kritik verpackte der Bermudashortsträger sanft: "Beim Handball muss man laufen und sich bewegen – immer wieder", forderte von drei Jungen, die sich den Ball allzu gemächlich wie beim gemütlichen Sonntagsspaziergang zupassten.

Beschlossen wurde Schwarzers Stippvisite mit einer Autogrammstunde. Geduldig schrieb der zweimalige spanische Meister auf alles, was ihm hingehalten wurde: Trikots, Bälle, T-Shirts, Turnschuhe, die mitgebrachten Autogrammkarten und sogar einen Rucksack. "Das mache ich doch gerne", sagte er, nachdem er auch den letzten Wunsch freundlich lächelnd und mit einem "bitte sehr" zufrieden gestellt hatte. "Denn die Jugend ist unser Kapital von morgen."

Autor: Jochen Dippel