Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. August 2017

Ringen

Hochrheinringer starten bei der Weltmeisterschaft in Paris

Die Südbadener Manuel Wolfer, Alexander Semisorow, Oliver Hassler und Florian Neumaier starten bei der WM in Paris.

  1. Überzeugt lieber auf der Matte als mit Worten: der Hausen-Zeller Manuel Wolfer (oben, im Zweitligakampf gegen Matthias Eckert vom SC Anger), der in der Bundesliga für die RKG Freiburg kämpft. Foto: Patrick Seeger

RINGEN. In Manuel Wolfer, Alexander Semisorow, Oliver Hassler und Florian Neumaier nehmen vier Ringer aus Südbaden, die unter anderem am Olympiastützpunkt (OSP) Freiburg trainieren, an der Weltmeisterschaft in Paris teil, die am Montag beginnt. Unterschiedlicher könnten die Griffkünstler dabei kaum sein. Vier Athleten, vier Charaktere, ein Ziel: ohne Druck zum Erfolg.

Der Rastlose
Alexander Semisorow kommt nicht zur Ruhe. Nicht einmal in der Mittagspause. Schließlich wollen im Trainingslager in Polen die Sparringspartner wohl ausgewählt sein. "Ich pick’ mir da die Besten raus. Nur so kann ich nach vorne kommen." Der 24-Jährige hat ein anstrengendes Jahr hinter sich. Erst die EM in Serbien, danach eine kurze Pause, dann jagte ein Trainingslager das nächste. "So geht das jetzt bis nächsten April, erst dann kann ich mal Pause machen." Nächsten Dienstag geht’s nach Paris. In der Klasse bis 65 Kilo bestreitet Semisorow seine erste WM bei den Aktiven. "Unter die ersten Zehn zu kommen wäre top. Das ist der nächste Schritt in der Entwicklung", findet der Griffkünstler, der sich als Sportsoldat aufs Ringen konzentriert. Mit Erfolg. Bei der U-23-EM 2016 holte er Bronze.

Werbung


Nach einem turbulenten Jahr, als ihn Verletzungen und Probleme mit der Ausbildungsstätte aus der Bahn geworfen hatten, steht Semisorow nun voll im Saft. Er pendelt zwischen der Heimat Haltingen, dem Stützpunkt Schifferstadt und seinem Bundesligaverein Adelhausen. Deutscher Einzelmeister ist er 2017 auch schon geworden. Pausenlos arbeiten fürs große Ziel. So wird es noch eine Weile weitergehen, mindestens drei Jahre. "2020 will ich bei Olympia dabei sein." Solange wird er weiter ein Getriebener blieben, ein Rastloser, der am großen Traum schraubt.

Der Unbekümmerte
Auch Manuel Wolfer schwitzt derzeit im Trainingslager in Polen mit der Nationalmannschaft für den großen Durchbruch. Für den 24-Jährigen ist es die zweite WM im Männerbereich. Bei seinem Debüt auf der Weltmeisterschaftsbühne, 2016 in Budapest, scheiterte er im Achtelfinale. Wie für Semisorow war die diesjährige EM für Wolfer keine Erfolgsgeschichte. Nach zwei Kämpfen war Schluss.

Wolfer ist kein Mann großer Worte, er überzeugt lieber auf der Matte. Seit seiner Zeit als Nachwuchsringer im Kadettenbereich hat er sich jedes Jahr für eine WM oder EM qualifiziert. Er ist international erfahren, der große Durchbruch blieb ihm bis dato aber verwehrt. Nebenher arbeitet Wolfer in Zell als Industriemechaniker. International startet er für seinen Heimatverein RG Hausen-Zell. In der Bundesliga tritt er für die RKG Freiburg an. Sein WM-Ziel: "Ich will von Kampf zu Kampf denken, habe keine großen Ziele."

Bleibt der große Traum Olympia? "Das ist für mich schwieriger, meine Gewichtsklasse ist derzeit nicht olympisch." Wolfer tritt in der 61-Kilo-Klasse an. Seit dem letzten Olympiazyklus gehört diese nicht mehr zum Olympia-Programm. Wolfer, der Unbekümmerte, bleibt dennoch gelassen. "Die Diskussionen laufen weiter. Mal schauen, was da noch rauskommt."

Der Highlight-Ringer
Das Trainingslager hat Oliver Hassler bereits hinter sich. "Jetzt müssen nur noch die restlichen fünf Kilo runter, und dann geht es am Wochenende nach Paris", sagt der 29-Jährige. Einen Test-Turnier-Marathon wie Semisorow und Wolfer hat er aber nicht hinter sich. "Wir Greco-Halbschwergewichtler ringen nicht so viele Testturniere", erklärt Hassler, "das liegt mir, ich bin eher ein Highlight-Ringer und arbeite gerne auf Höhepunkte zu." Und das äußerst erfolgreich: Die EM lief vielversprechend. Er war auf den Punkt fit, wurde Fünfter. WM-erfahren ist er auch: 2013 wurde er Vizeweltmeister. Mit welchen Zielen geht ein solcher Hochkaräter ins Turnier? "Ich versuche das locker anzugehen", so Hassler, "denn jedes Mal, wenn ich mir bis jetzt etwas vorgenommen habe, ist es schiefgegangen."

Der Kämpfer
Florian Neumaier kommt aus Mühlenbach im Kinzigtal und trainiert am OSP Freiburg. Er mag das Joggen weit mehr als die Sauna. Von 83 auf 75 Kilo muss er "abkochen", um am Montag, am ersten WM-Tag, starten zu dürfen. Am Donnerstag fehlten dem Maschinenbautechniker, der am 1. September zur Sportfördergruppe nach Bruchsal wechselt, noch drei Kilo. "Das schaff’ ich, ich jogge einfach und schwitze. Bei den Temperaturen ist das ja leicht möglich", sagt er. Für den 26-Jährigen, der vom ASV Nendingen zum Regionalligisten Tennenbronn wechselte, ist es bereits die vierte WM-Teilnahme. Bisher schied er immer in Runde eins aus. Dennoch ist Neumaier der große Kämpfer im Team. Seine konditionellen und physischen Werten sind oft die besten im Nationalteam der Griechisch-Römisch-Ringer. Bei der WM will der "Herzblut-Ringer", der Kraft schon in frühen Jahren bei der Wald- und Forstarbeit im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern erwarb, vor allem eins: "Ich möchte nicht schon wieder in Runde eins ausscheiden."

Ebenfalls nominiert wurden die am Olympiastützpunkt Freiburg trainierenden Ringerinnen Aline Focken und Luisa Niemesch.

Autor: Jakob Schönhagen und Georg Gulde