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Lionel Messi schießt Argentinien zur WM 2018 in Russland

dpa/sid

Von dpa & sid

Do, 12. Oktober 2017

Fussball International

Der argentinische Ausnahmefußballer sichert seinem Land die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Robben und Vidal hören auf, Panama überrascht.

Das Teilnehmerfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland nimmt langsam Konturen an. In vielen Kontinentalverbänden standen die letzten Qualifikationsrunden an. Dabei gab es neben Triumphen und Enttäuschungen auch einige Kuriositäten zu beobachten. Lionel Messi wurde einmal mehr zu gefeierten Helden. Arjen Robben und Arturo Vidal beenden nach schmerzlichen Misserfolgen ihre Nationalmannschaftskarrieren. Dafür darf Michael Skibbe – deutscher Trainer der Griechen – weiterhin hoffen, in Russland dabei zu sein.

Messi, Messi, Messi

Mit nacktem Oberkörper stimmte Lionel Messi die argentinischen Freudengesänge an und gab auch bei der spontanen Kabinenparty in fast 3000 Metern Höhe eine gute Figur ab. Wenige Minuten zuvor war der Genius mit der Nummer zehn von seinen Teamkollegen fast erdrückt worden, nachdem er den zweimaligen Weltmeister mit einem Dreierpack zur Fußball-WM nach Russland katapultiert hatte. Riesengroß war die Erleichterung im fußballverrückten Land. "Messi war allmächtig", schrieb das Sportblatt Olé, und Argentiniens Coach Jorge Sampaoli schwärmte nach dem 3:1 in Ecuador: "Messi ist der beste Spieler der Geschichte." Am letzten Spieltag der Südamerika-Qualifikation hat es Argentinien dank Messi noch herumgerissen und den vorzeitigen WM-K.-o. abgewendet. "Es wäre verrückt gewesen, wenn dieses Argentinien nicht zur WM gefahren wäre", sagte Messi nach seinem Geniestreich und ergänzte: "Es ist uns einiges durch den Kopf gegangen. Die Angst war da, auszuscheiden."

Als Sechster war Argentinien in das letzte Gruppenspiel gegangen. Und als Romario Ibarra schon nach 37 Sekunden – zugleich das schnellste Gegentor für Argentinien in 116 Jahren – die Gastgeber in Führung gebracht hatte, drohte das erstmalige Verpassen einer WM seit 1970 mehr denn je. In Buenos Aires herrschte lähmendes Entsetzen, ebenso im Estadio Único in der Stadt La Plata, wo die irische Rockband U 2 ihr Konzert extra nach hinten verlegt hatte, damit die Musikfans zunächst auf vier riesigen Leinwänden das Spiel gegen Ecuador sehen konnten.

Was folgte war ein magisches Spiel von Messi, wie die größte Zeitung Clarin festhielt. "Die Seele ist in die Körper zurückgekehrt. Ein übergroßer Messi lässt Argentinien zur WM fahren." Mit drei Toren in der 12., 20. und 61. Minute drehte der Spieler des FC Barcelona das Spiel und versetzte den argentinischen Kommentator geradezu in Ekstase. "Lang lebe Fußball, lang lebe Messi", schrie er ins Mikrofon. U 2-Sänger Bono meinte nur: "Danke Lionel Messi. Gott existiert."

Blöder Protest

Dumm gelaufen: Nicht nur das abschließende 0:3 in Brasilien, sondern auch ein Sieg vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) hat Südamerikameister Chile um die Teilnahme an der Endrunde der Fußball-WM 2018 gebracht. Ohne den erfolgreichen Einspruch vor Monaten in Lausanne wäre "La Roja" Tabellenfünfter der Eliminatorias und könnte noch den Umweg über die Play-offs gegen Ozeaniensieger Neuseeland nach Russland nehmen. Chiles Verband (ANFP) hatte am 6. September 2016 gegen das 0:0 gegen Bolivien wegen des Einsatzes von Nelson Cabrera beim Weltverband (Fifa) Einspruch eingelegt, weil der gebürtige Paraguayer laut Fifa-Statuten noch nicht für sein neues Land spielberechtigt war. Der Fall landete vor dem CAS, der Chile zwei Punkte mehr zusprach – aber Peru bekam auch drei Punkte am grünen Tisch. Fünf Tage zuvor hatte Cabrera bei Boliviens 2:0-Sieg gegen Peru ebenfalls mitgespielt.

Peru zog am Dienstag mit dem 1:1 gegen Kolumbien nach Punkten mit Chile gleich und sicherte sich dank der besseren Torbilanz Rang fünf vor dem Confed-Cup-Finalisten. Ohne CAS-Urteil hätte Chile heute einen Zähler mehr als Peru auf dem Konto und die Chance, sich noch über die Hintertür für die WM zu qualifizieren.

Bayern-München-Profi Arturo Vidal steht nun vor einem Rücktritt aus der chilenischen Fußball-Nationalmannschaft. "Vielen Dank Männer, für alles!! Für die ganzen gemeinsamen Jahre, in denen ihr in jedem Spiel alles gegeben habt. Dafür, dass ihr mir und unserem Land gezeigt habt, dass im Leben mit viel Anstrengung und Arbeit alles möglich ist!", schrieb der 30-Jährige bei Twitter.

Phantomtor sei Dank

Das Dekret über den nationalen Feiertag am Mittwoch unterzeichnete Juan Carlos Varela noch in der Nacht – dabei trug der Staatspräsident Panamas den Trainingsanzug der Fußball-Nationalmannschaft. "Zelebriert diesen historischen Tag! Das ist Euer Tag! Es lebe die Mannschaft! Es lebe Panama!", twitterte Varela an seine vier Millionen Landsleute, die zu diesem Zeitpunkt schon längst die erste WM-Teilnahme kollektiv feierten.

Varela ließ keinen Zweifel daran, dass das 2:1 (0:1) im letzten Qualifikationsspiel gegen Costa Rica eines der größten Ereignisse in der Historie des mittelamerikanischen Landes ist. "Danke an die Mannschaft. Sie hat Geschichte geschrieben und den Traum von mehr als vier Millionen Panamaern wahr werden lassen", schrieb der Regierungschef, der insgesamt neun Tweets absetzte: "Die Stimme des Volkes wurde gehört – auf nach Russland."

Die Reise zur Endrunde könnte auch den Rest der Menschheit begeistern, denn das Motto des Landes lautet "Für das Wohl der Welt". Und mit dem Wohl kennen sich die Panamaer aus. Dank der Einnahmen durch den Panamakanal gehört das Land, das 1903 vom Nachbarn Kolumbien unabhängig wurde, zu den reichsten in Lateinamerika. Auch deshalb zählen die Einwohner der Republik Panama, die sich Diktator Manuel Noriega 1989 mit Hilfe der USA vom Hals schafften, zu den glücklichsten Menschen weltweit.

Es besteht allerdings die Gefahr, dass sich Varela und seine Landsleute zu früh gefreut haben. Schließlich landete Panama nicht nur wegen des Patzers der USA (1:2 bei Trinidad & Tobago) auf dem dritten Platz der Qualifikation in Nord- und Mittelamerika. Panama profitierte von einem Phantomtor, das stark an den irregulären Treffer von Thomas Helmer aus dem Jahr 1994 im Trikot von Bayern München erinnerte. Der Ball von "Torschütze" Gabriel Torres wurde klar vor der Linie geklärt, anschließend stocherte Blas Perez den Ball deutlich am Pfosten vorbei. Trotzdem entschied Schiedsrichter Walter Lopez (Guatemala) auf Tor, es war das zwischenzeitliche 1:1. Ein Protest der USA und/oder von Honduras, das als Viertplatzierter in die Play-offs müsste, erscheint wahrscheinlich. Am Ende muss sich wohl der Kontinentalverband (CONCACAF) oder sogar die Fifa mit dem Fall beschäftigen. Von einer Entscheidung am grünen Tisch will beim 60. der Fifa-Weltrangliste allerdings (noch) niemand etwas wissen. "Panama ist bei der WM", steht in großen Lettern auf der Internetseite des nationalen Verbands (FPF). Sollte es dabei bleiben, dürfte die Fußballwelt demnächst mehr über die Mannschaft des kolumbianischen Trainers Hernan Dario Gomez Jaramillo erfahren.

Zappenduster

Ein letztes Mal warf Arjen Robben den Fans auf seiner Ehrenrunde Handküsse zu, dann verabschiedete er sich aus dem niederländischen Nationalteam. "Ich bin jetzt 33 Jahre alt. Ich werde mich jetzt voll auf meinen Verein konzentrieren. Das ist ein guter Moment, um Abschied zu nehmen", sagte der Mittelfeldspieler von Bayern München. Nur zu gerne hätte Robben seine Oranje-Laufbahn erst nach der Fußball-WM 2018 beendet, doch die Niederländer scheiterten schon in der Qualifikation kläglich. Bereits vor dem letzten Gruppenspiel war die Chance der Elftal auf das WM-Ticket nur noch theoretisch. Trotzdem gab Robben in Amsterdam noch einmal alles und überragte beim 2:0 gegen Schweden nicht nur wegen seiner beiden Tore (16./Handelfmeter/21.)

"Einmal mehr war Robben eine Rose in der Wüste. Einer der besten Fußballer, die es jemals in den Niederlanden gab", lobte die Tageszeitung De Volkskrant. Und das NRC Handelsblad sagte Oranje ohne den Mittelfeldstrategen, der als Letzter aus der "Goldenen Generation" ging, eine schwere Zukunft voraus: "Wenn Robben das Licht ausmacht, wird es sehr dunkel."

Selbst getäuscht?

Ein Punkt hätte für die Mannschaft der Schweiz in Lissabon gereicht, dennoch gelang die direkte WM-Quali nicht. Nach einem Eigentor des ehemaligen HSV-Innenverteidiger Johan Djourou sowie eines Treffers von Andre Silva stehen für die Elf von Coach Vladimir Petkovic nun zwei Playoff-Spiele an. Portugal zog mit seinem Kapitän Cristiano Ronaldo dagegen direkt in die Endrunde in Russland im kommenden Sommer ein. Die Iberer kommen mit dem 2:0 nun ebenso auf neun Siege wie die Eidgenossen, haben jedoch das bessere Torverhältnis.

Ernüchterung zeigte sich teilweise in der Schweizer Presse: Die Neue Zürcher Zeitung sprach vom "Ende der Selbsttäuschung", die Schweiz sei in den besonderen Spielen nicht gut genug und gehöre noch nicht zu den Allerbesten Europas. Optimistischer berichtet dagegen die Basler Zeitung, die "Nati" könne bei den anstehenden Playoff-Spielen mit breiter Brust auftreten.

Wie einst Otto

Von der Lachnummer zum WM-Kandiaten: 13 Jahre nach dem EM-Triumph unter Otto Rehhagel sorgt erneut ein deutscher Trainer in Griechenland für Furore. Michael Skibbe hat es geschafft, aus dem wilden Haufen eine verschworene Truppe zu machen. Die Griechen haben sich als einer der besten Gruppenzweiten für die Playoffs der Fußball-WM 2018 in Russland qualifiziert. Und dort soll nicht Endstation sein. "Wir werden die Endrunde in Russland erreichen", sagte Skibbe nach dem Pflichtsieg gegen Fußballzwerg Gibraltar (4:0) in Piräus im griechischen Fernsehen. Sein Team war die einzige Mannschaft in der WM-Qualifikationsgruppe H, die den überragenden Belgiern zwei Punkte, darunter ein Remis in Brüssel, abnehmen konnte.

Als Skibbe im Oktober 2015 sein Amt übernahm, herrschte Chaos. Lustlosigkeit, Streit und miserable Ergebnisse – darunter zwei peinliche Niederlagen gegen die Färöer während der Qualifikation für die EM 2016 – prägten die Stimmung. Die einst robuste griechische Abwehr wirkte wie gelähmt. Doch der 52 Jahre alte deutsche Trainer hat die Wende geschafft. Es gab aber noch Schwankungen und Schwächen. Das Spiel machen, auf Angriff spielen, das können die Griechen noch nicht.

Skibbe orientierte sich an seinem großen Vorgänger – und die Rehhagel-Methode wirkte wieder: minimalistischer Fußball mit Kontern und eine starke Abwehr. Um acht Legionäre, darunter Sokratis (Dortmund), Kyriakos Papadopoulos (Hamburg) und Kostas Manolas von AS Rom, bildete Skibbe eine Gruppe von 13 bis 15 Stammspielern. Danach holte er auch Jüngere, die in Griechenland spielen, ins Team. "Wer keine Lust hat und keinen Teamgeist zeigt, der wird rausgeschmissen – fertig", sagte Skibbe wenige Tage nach seiner Verpflichtung.

"Rezept Rehhagel", kommentierte die griechische Sportpresse. Skibbe habe seinen Spielern gesagt: Wer Erfolg mit der Nationalmannschaft hat, wird international bekannt und kann von renommierten Vereinen verpflichtet werden. Wer keinen Erfolg hat, könne in der griechischen Superliga spielen, die wegen der schweren Finanzkrise in Griechenland langsam den Berg runtergeht.