Volleyball

1844 Freiburg zwingt Fast-Meister Eltmann in die Knie

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

So, 09. April 2017 um 00:55 Uhr

Volleyball

Bewegende Momente: Zum Abschied von Wolfgang Beck als Trainer des Zweitligisten 1844 Freiburg schaukeln sich seine Spieler zu einer ungeahnten Energieleistung hoch und besiegen den Tabellenersten VC Eltmann mit 3:2-Sätzen.

Am Ende hielt es auch die distinguierten Analytiker des Volleyballspiels unter den 600 Zuschauern (Saisonrekord!) nicht mehr auf ihren Rängen: Mit beeindruckendem Kampfgeist, nie versiegendem Siegeswillen, waghalsigen Abwehraktionen und Spielern in Trance-Zustand bogen die Gastgeber von 1844 Freiburg am Samstagabend nach 1:2-Satzrückstand ein fast schon verlorenes Heimspiel um und vertagten damit die Meisterfeier für den VC Oshino Volleys Eltmann.

Die Gäste aus Unterfranken mussten sich das erste Mal nach acht Siegen in Folge wieder geschlagen geben, sollten indes die zwei noch fehlenden Punkte zum Titel an diesem Sonntag bei den VolleyYoungstars Friedrichshafen einfahren. Für 1844, aktuell auf Platz fünf, endet die Saison am 22. April mit einem Auswärtsspiel in Leipzig.

Volleyball-Freiburg erlebte mal wieder "einen denkwürdigen Abend", wie es die Person ausdrückte, die im letzten Saisonheimspiel von 1844 im Mittelpunkt stehen sollte: Wolfgang Beck verabschiedete sich nach elf Jahren als (Spieler-)Trainer in seiner Funktion als Hauptverantwortlicher des Freiburger Zweitligakaders. Neben einem Gutschein für ein Bayern-Spiel hatten sich seine Spieler ein ganz besonderes Geschenk einfallen lassen: eine Vielzahl spektakulärer Ballwechsel und den besten Saisonauftritt, der in ein Herzschlagfinale mündete, das schon die Zahlen der fünf Sätze beschreiben: 18:25, 25:19, 16:25, 30:28, 17:15. 140 Minuten auf absolutem Zweitliga-Topniveau.

Als sich der vierte Satz dem Ende zuneigte und den Freiburgern eine zwischenzeitliche 14:9- und 18:13-Führung aus den Händen rann, "da habe ich gedacht, es läuft wie immer", bekannte Beck später. Freiburg hält gut mit, knöpft dem Favoriten einen Satz ab, verliert aber mit 1:3 und stört damit nicht groß die Meisterfeier von Eltmann. Es lief aber nicht wie immer. 1844 gab sich nicht geschlagen, wehrte zwei Matchbälle ab, kratzte in der Abwehr fast unmögliche Bälle aus dem Feld und hatte bei seinem dritten Satzball den Gegner endgültig genervt: Ein Eltmanner Zuspielbagger landete an der Deckenleuchte. Satzausgleich zum 2:2.Tiebreak.

Erneut schaukelte sich das Match hoch zu einem furiosen Finale: Freiburg führte zwar mit 6:4, bei 7:9 hatten aber die Gäste erstmals mit zwei Punkten die Nase vorn. David Strobel, der Freiburg verlässt und in seinem letzten Heimspiel verdientermaßen als wertvollster Spieler seines Teams ausgezeichnet wurde, gelang jedoch bei 10:10 wieder der Ausgleich. Dann rammte Diagonalangreifer Oliver Hein zwei Bälle vehement ins gegnerische Feld zum 12:12 und 13:13, Strobel wehrte den insgesamt dritten Eltmanner Matchball zum 14:14 ab, ehe die große Zeit von Peter Schnabel anbrach: Erst holte er den gegnerischen Schnellangriff im Einerblock herunter, dann schlug der Mittelangreifer beim zweiten Freiburger Matchball ein Aufschlagass. 16:14. Der Tabellenfünfte hatte tatsächlich dieses Spiel gegen einen zunächst übermächtig erscheinenden Gegner noch gedreht.

"Ich habe mich schon vorher unabhängig vom Ausgang dieses Spiels auf den Abend gefreut", sagte Wolfgang Beck, auf den vor und nach Spielschluss jede Menge Applaus und anerkennende Worte prasselten (auch von 1844-Geschäftsführer Walter Hasper). "So aber ist dieser Abend natürlich noch schöner."