304 Spiele der Altersklassen 40 bis 85

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Mi, 29. August 2018

Tennis

Weltklasse-Tennis beim Internationalen Seniorenturnier im Hochschwarzwald / Turnierdirektor Wolfram Schmidle gewinnt AK 70.

TENNIS. Das Beste kam zum Schluss: Bei den Finalspielen der Altersklassen 40 bis 50 haben die Zuschauer auf der Anlage Neuwelt in Hinterzarten Weltklasse-Tennis zu sehen bekommen. Hobbyspieler bestaunten die druckvollen und variantenreichen Ballwechsel der Spitzenleute aus den nationalen und internationalen Ranglisten. Ein Marathonmatch lieferten sich der Spanier Carlos Galan und Jens Schmitt (Kaiserslautern) im Finale der Männer 45. Der Iberer lag meist vorne, am Schluss siegte aber der Pfälzer im Tiebreak des dritten Satzes mit 7:4. Mit einer Dauer von 3:45 Stunden war es das längste der 304 Spiele beim 32. Internationalen Tennis-Seniorenturnier.

Der Linkshänder aus Sevilla gewann den ersten Satz, Jens Schmitt glich im zweiten Durchgang aus. Im dritten Satz führte der Advokat aus Andalusien bereits mit 4:1 und 5:2. Doch Schmitt gab sich nicht verloren. Ganz nach dem Motto "aufgegeben werden Briefe bei der Post" machte er Punkt um Punkt gut und drehte die Partie letztendlich. Turnierleiter Wolfram Schmidle und Oberschiedsrichter Olaf Wells gratulierten den beiden Cracks mit "Felicitatión" und "Glückwunsch" zu dem beeindruckenden Kampf voller Emotionen.

Gratuliert wurde an diesem Schlusswochenende des acht Tage dauernden Turniers nicht nur auf Spanisch und Deutsch, sondern auch in Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Polnisch. Insgesamt hatten 250 Spielerinnen und Spieler aus zwölf Nationen gemeldet – unter ihnen zahlreiche Akteure aus dem Hochschwarzwald, von der Baar und aus der Freiburger Region.

Besonders stark vertreten war der TC Grün-Weiß Neustadt in der Altersklasse 75 der Männer. Den größten Erfolg feierte Winfried Koslik. Seinen ersten Gegner, Alfred Denzer vom TC Wolterdingen, fegte der 76-jährige mit einer sogenannten "Brille" (6:0/6:0) vom Platz. Ein deutlich anderes Kaliber wartete im Viertelfinale auf Koslik. Der an Nummer zwei gesetzte Bernd Gutsche (TC Johannesberg) steht in der aktuellen deutschen Rangliste auf Platz drei, im World Ranking auf Platz 17. Koslik begann sehr stark, gewann den ersten Satz 6:0. Im zweiten Durchgang verlor er seine Linie und unterlag 2:6. Doch im entscheidenden dritten Satz fand er zu seinem Spiel zurück und siegte mit 6:2. Im Halbfinale feierte Koslik mit 6:2, 6:3 einen Zweisatz-Sieg gegen Peter Stölker (Ettenheim).

Mit Heinz Wagner (Bad Ems) – er hatte im Viertelfinale den an Nummer eins gesetzten Ernst-Günther Ehmke aus Harburg mit 6:4, 6:3 aus dem Rennen geworfen – und Koslik standen sich im Endspiel zwei durchtrainierte Tennissenioren gegenüber. Der einstige rheinland-pfälzische Landesmeister über 100 Meter mit einer Bestzeit von 10,3 Sekunden war flink auf den Beinen unterwegs. Kurze Reaktionszeiten sowie ein blitzschneller Antritt ließen ihn fast jeden Ball erlaufen. Und er düpierte Koslik immer wieder mit gefährlichen Stopps, die kurz hinter das Netz fielen. Im ersten Satz hatten beide Akteure zunächst Probleme, ihren Aufschlag durchzubringen. Beim Stand von 5:5 verlor Koslik sein Aufschlagsspiel. Wagner nutzte die Chance und gewann mit 7:5. Koslik: "Ich wusste von Anfang an, dass er läuferisch und konditionell stärker ist." Der Hochschwarzwälder änderte seine Strategie. Um die Ballwechsel abzukürzen, setzte Koslik auf mehr Risiko. Er ging mit 1:0 in Führung und hatte Spielball zum 2:0. Doch Wagner ließ sich nicht beirren, glich aus und siegte letztendlich klar mit 6:1.

Mit einem 2:6, 7:6 und 6:0 startete Adolf Lang am Morgen in den Wettbewerb der AK 75. Schon am Nachmittag stand sein zweites Einzel auf dem Turnierplan. Doch die große Hitze machte dem Neustädter zu schaffen. Nach einem 1:6/0:3-Rückstand gegen Stölker gab Lang auf. Einen Erstrundensieg landete auch sein Clubkamerad Walter Holzer. Er schlug seinen Kontrahenten aus Lohmar mit 3:6, 6:3 und 6:1. In Runde zwei unterlag Holzer dem späteren Turniersieger Wagner mit 0:6 und 0:6. Rolf Wehrle (Lenzkirch) gab nach einem 2:6/1:2-Rückstand verletzungsbedingt auf.

"Es ist mir immer eine Freude, bei dem Turnier in meiner alten Heimat anzutreten", sagte Turnierdirektor Wolfram Schmidle. 25 Jahre hatte er in Hinterzarten, Titisee-Neustadt und Schluchsee gelebt und gearbeitet. Das ITF-Turnier leitet er seit zehn Jahren. Der frisch gekürte Deutsche Meister im Einzel und Vizemeister im Doppel gab in den ersten Runden keinen Satz ab. 7:5, 6:1 gewann Schmidle gegen Erwin Wolfrum und 6:2, 7:6 gegen Gerd Heinzelmann (beide BW Villingen). Auch im Viertelfinale gegen Marc Tichanne (Müllheim) überzeugte der Tennis- und Sportlehrer beim 6:1, 6:2.

Schmidle siegt im Duell der Deutschen Meister

Gegen den an Nummer eins gesetzten 64-fachen deutschen Meister Horst-Dieter Van De Loo aus Krefeld war Schmidle erstmals voll gefordert. Nach einem traumhaften ersten Satz (6:1), in dem ihm alles gelang und Van De Loo schon wie der klare Verlierer aussah, drehte sich das Blatt. Schmidle lag zwar zunächst 3:2 vorne, verpasste es aber, die Führung auszubauen. Nach dem 3:3-Ausgleich gewann sein Gegner weitere drei Spiele in Folge und glich mit 6:3 aus. Im Finalsatz stand es 3:3. Das berühmte siebte Spiel entschied Schmidle nach 40:0-Zwischenstand für sich. Mit seinem nun etwas aggressiveren Spiel baute er die Führung auf 5:3 aus. Van de Loo kam nochmal auf 4:5 heran. Beim Stand von 40:15 gelang Schmidle ein gekonnter Lob zum 6:4. "Gegen ihn tue ich mich immer schwer. Die Nummer eins in Deutschland und sieben der Weltrangliste zu schlagen, ist ein Highlight," sagte Schmidle freudestrahlend nach dem Erfolg. Im Finale musste Schmidle noch einmal alles geben, um gegen Roman Mrozek zu bestehen. In dem fast dreistündigen Match, in dem der Pole einige knappe Bälle "aus" gab, setzte sich Schmidle letztendlich mit 6:7, 6:4 und 7:5 in der Alterskasse 70 durch. Der an Nummer zwei gesetzte Mrozek hatte zuvor Josef Langmajer (BW Villingen) mit 6:1, 6:1 bezwungen.

Im Männer-Doppel 70 besiegte Wolfram Schmidle zusammen mit Laurent Barbey aus Lausanne – der Schweizer spielte in seiner Jugend für die eidgenössische Nachwuchs-Nationalmannschaft – das Neustädter Duo Koslik/Holzer mit 6:1, 6:0. Das Finale gewann die Paarung Van De Loo/Klein mit 6:2, 6:4 gegen Schmidle/Barbey.

Bei den Männern 65 führte Christoph Busse (Neustadt) mit 6:1, 3:0, als sein Gegner aufgab. Gegen den an Position zwei gesetzten Wolfgang Petry (Erlangen) zog Busse mit 1:6, 2:6 den Kürzeren. In der Altersklasse 80 gewann Ewald Hoff (Neustadt) in der ersten Runde mit 3:6, 6:3 und 10:4, ehe er dem späteren Sieger Dieter Trapka mit 3:6, 4:6 unterlag. Zu den ältesten Teilnehmern gehörten die 1932 geborenen Ashley Wilson aus Neuseeland und Ewald Przewloka aus Euskirchen. Der Rheinländer gewann das entscheidende Match gegen Ashley mit 6:4, 6:4 und sicherte sich damit den Sieg in der AK 85 vor Ashley, der die mit Abstand weiteste Anreise hatte.

Im Mixed 60 unterlag die Kombination Brigitte Kuhn/Alfred Denzer (Salem/Wolterdingen) dem Ehepaar Yvette und Rene Nötzli aus der Schweiz knapp im Match-Tiebreak mit 3:6, 7:6 und 6:10. Bei den Frauen 40 gewann Nicole Schmidle ein Match, zweimal ging sie als Verliererin vom Platz. In der Frauen-AK 70 siegte Rotraut Sprieß (TC Freiburg).