Auf sicherem Fundament

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Sa, 18. August 2018

Reitsport

Die Zukunft des internationalen Reitturniers in Donaueschingen scheint gesichert zu sein / Zwei attraktive Geländespringen.

DONAUESCHINGEN. Tiefdunkle Gewitterwolken haben sich am Freitag beim 62. Donaueschinger CHI drohend über dem Springstadion aufgetürmt, ehe sie sich später krachend entluden. Der guten Stimmung vermochten die Regenschauer nichts anhaben. Dazu trugen die hochsommerlichen Temperaturen ebenso bei wie der um vier Wochen vorgezogene Termin der Traditionsveranstaltung, der abends erstmals zwei attraktive Geländespringen in der Vielseitigkeit ermöglichte.

Dabei absolvierten Reiter und ihre zumeist jungen Pferde einen eigens im Springstadion angelegten Parcours mit festen Hindernissen, der Gräben und Wälle sowie sogar einen transportablen, künstlichen Wasserteich beinhaltete. Während sich Europameisterin Ingrid Klimke die Zwei-Phasen-Prüfung mit der schnellsten Runde sicherte, musste sich Olympiasieger Michael Jung aus Horb am Neckar in einer Stilprüfung für Geländepferde, bei der die Besucher per App mit abstimmen und einen Publikumsliebling küren konnten, lediglich Kai Ruggaber (RV Bronweiler) knapp geschlagen geben. Da sich diese Form bewährt hat, Donaueschingen sogar bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, soll die Vielseitigkeit als weitere Disziplin weiterhin im Programm bleiben.

Ohnehin scheint die Zukunft des Turniers mittlerweile (wieder) auf sicherem Fundament zu stehen. Grundlage dafür bildet ein neuer, langfristiger Vertrag, auf den sich das Fürstenhaus, das den alten aus dem Jahre 1978 im Frühjahr nach zweijährigen, ergebnislosen Verhandlungen überraschend gekündigt hatte, mit der Stadt erst vor wenigen Wochen geeinigt hat. Nun ist die Nutzung des Schlossparks mit den Fürstenbergischen Flächen als Veranstaltungsort bis 2033 gesichert. "Es gab ja einige Aufregung und schwierige Verhandlungen", erklärte Oberbürgermeister Erik Pauly. Doch seien sich beide Seiten im Grundsatz einig gewesen, das Reitturnier nicht in Frage zu stellen. Die Traditionsveranstaltung stehe, betont Pauly, vor einer "goldenen Zukunft".

Für Turnierchef Kaspar Funke, dessen Agentur Escon Marketing seit 2006 als Veranstalter verantwortlich zeichnet, gab es ohnehin "keine Fragezeichen" um das Turnier. Schließlich habe er schnell ausgelotet, dass es "lauter lösbare Probleme" gab. Seinen eigenen Vertrag mit der Stadt hatte er erst vor zwei Jahren bis 2025 verlängert.

Der erste Schritt soll sportlich die Europameisterschaft der Vierspänner 2019 werden. "Wirtschaftlich schreiben wir schwarze Zahlen", versichert Funke. Der Boden dafür sei zwar "optimiert" worden. Doch gelte es, vor allem den Vorbereitungsplatz weiter zu verbessern. Die rund 30 Jahre alte Geländestrecke für die Marathonfahrt habe man im Laufe der Zeit komplett erneuert. Jetzt fehle noch die Neugestaltung von "zwei bis drei neuen, festen Hindernissen".

Michael Jung zeigt auch im Springsattel seine ganze Klasse

"Für die EM müssen wir eine kräftige Schippe drauflegen", fordert Fahrsportleiter Rudolf Temporini. Die Generalprobe im Schlosspark verlief allerdings nicht nach Wunsch. An der deutschen Meisterschaft beteiligen sich dieses Jahr nur acht Viererzüge bei den Pferden und sieben bei den Ponys. Zudem fehlen in Mareike Harm und Christoph Sandmann zwei WM-Kutscher, weil ihre Pferde bereits diese Woche für die lange Reise nach Tryon (USA) verladen wurden. Auch das internationale Feld nimmt sich äußerst mager aus. Im Gegensatz zur Dressur, die mit Isabell Werth, Sven Rothenberger, Jessica von Bredow-Werndl und Dorothee Schneider hochkarätig besetzt ist. Schneider, Team-Olympiasiegerin von Rio, gewann am Freitag auf Pathetique die Einlaufprüfung für den Louisdor-Preis. Auch in dieser Sparte hofft Funke auf eine Europameisterschaft: "Der Wunschtermin wäre 2023, aber wir könnten das auch schon 2021 stemmen." Die deutsche FN habe eine Bewerbung "grundsätzlich befürwortet", doch sei "noch keine Entscheidung gefallen". Austragungsort wäre ein großes Dressurviereck im Springstadion. Entfallen würden auf der Baar dann aber Springen und Fahren.

Am Freitag zeigte Michael Jung auch im Springsattel seine ganze Klasse. Der Vielseitigkeits-Olympiasieger ergatterte in Donaueschingen gleich zwei Siegerschleifen in der kleinen (mit Daily Impressed) und mittleren Tour (auf Sportsman S). Die erste Qualifikation der großen Tour entschied im Stechen Felix Hassmann (Lienen) auf Cayenne fehlerfrei vor Timo Beck aus Kehl-Bodersweier mit Cento du Rouet für sich. Der Eimeldinger Hans-Dieter Dreher wurde auf Tiopepe Des Champs Siebter.