Aus der Traum

dpa

Von dpa

Mo, 23. April 2018

Tennis

Die deutschen Tennis-Frauen scheitern im Fedcup-Halbfinale an der tschechischen Mannschaft.

STUTTGART (sid/dpa). Angelique Kerber winkte noch einmal zaghaft ins Publikum und schlurfte dann mit hängenden Schultern Richtung Kabine. Durch die zweite Niederlage der früheren Weltranglistenersten war der deutsche Traum vom Einzug ins Fedcup-Endspiel am Sonntag in Stuttgart endgültig geplatzt. Beim 1:4 im Halbfinale gegen Seriensieger Tschechien war die DTB-Auswahl am Ende chancenlos.

"Es wird wohl ein bisschen dauern, darüber hinwegzukommen", sagte die spürbar geknickte Kerber nach dem 2:6, 2:6 gegen die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova: "Wir wissen alle, dass das eine große Möglichkeit für uns war."

Nach einem verkorksten ersten Tag hatte die deutsche Nummer eins Julia Görges durch ein furioses 6:4, 6:2 gegen Karolina Pliskova noch einmal kurzzeitig die Hoffnung auf die Wende genährt. Kerbers deutliche Pleite besiegelte dann jedoch das vorzeitige Aus. Damit verpasste es die deutsche Mannschaft nach 2014 erneut, das Finale im prestigeträchtigen Nationenwettbewerb zu erreichen, das erstmals seit 1992 sogar vor eigenem Publikum stattgefunden hätte. Stattdessen treffen nun die Tschechinnen, die in den vergangenen sieben Jahren fünfmal den Titel gewonnen haben, auf die USA, die sich auch ohne die Schwestern Serena und Venus Williams beim Gastspiel in Frankreich behaupteten. Am Sonntag setzte sich US-Open-Siegerin Sloane Stephens in Aix-en-Provence gegen Kristina Mladenovic klar mit 6:2, 6:0 durch. Madison Keys holte dann mit dem 7:6 (7:4), 6:4 gegen Pauline Parmentier den entscheidenden dritten Punkt für den Titelverteidiger. Im Finale hat Tschechien am 10. und 11. November Heimrecht.

Zum Verhängnis wurde der deutschen Mannschaft letztlich der Samstag, als ihre Doppelspitze gegen entfesselte Gäste kräftig unter die Räder gekommen war. So verlor die Weltranglistenelfte Görges in nur 63 Minuten 3:6, 2:6 gegen Petra Kvitova. Danach war auch die zweimalige Grand-Slam-Gewinnerin Kerber beim 5:7, 3:6 gegen Pliskova nahezu chancenlos. Die Partie war damit quasi vorentschieden, auch wenn sich Teamchef Jens Gerlach noch einmal kämpferisch gab: "Jetzt heißt es aufstehen, Krone richten, weitermachen", kündigte er an. Am Abend saß die Mannschaft zusammen und sprach sich gegenseitig Mut zu. "Ich habe den Mädels gesagt, dass ich rausgehen werde, um zu gewinnen", berichtete Görges von dem Treffen. Und tatsächlich präsentierte sich zumindest Görges am Sonntag wie ausgewechselt. Nur 27 Minuten benötigte die 29-Jährige zum Gewinn des ersten Satzes, nutzte im zweiten Durchgang ihre ersten beiden Breakchancen eiskalt und beendete das Match stilecht mit einem Ass. Auch die 4500 Zuschauer in der erneut ausverkauften Porsche-Arena witterten Morgenluft und machten sich nun lautstark bemerkbar. Hatten am Vortag noch die rund 400 mitgereisten tschechischen Anhänger akustisch dominiert, herrschte jetzt eine feurige Atmosphäre. "Es war eine unglaubliche Stimmung", sagte Görges: "Nur so geht es, dass man die Leute mitnimmt und sich auf dieser Wolke tragen lässt."

Doch auch die Unterstützung von den Rängen nutzte Kerber wenig später gegen die extrem dominante Kvitova nichts. Die Kielerin konnte ihrer Gegnerin kaum einmal längere Ballwechsel aufzwingen, die aufschlagstarke Tschechin machte am Ende kurzen Prozess. Anders als Görges erreichte Kerber bei weitem nicht ihre Topform. Auch bei ihrem Lieblingsturnier in Stuttgart in dieser Woche droht ihr ein frühes Aus: Schon in der ersten Runde wartet auf die Stuttgart-Siegerin von 2015 und 2016 erneut Kvitova. In der Verfassung vom Sonntag eine fast aussichtslose Aufgabe.

Im letztlich unbedeutenden Doppel gegen Barbora Strycova/Katerina Siniakova musste Görges gemeinsam mit Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) aufgrund einer Verletzung vorzeitig aufgeben – beim Stand von 5:7 nach dem ersten Satz.