Bach verteidigt Russland-Sanktionen

sid

Von sid

Di, 02. Januar 2018

Olympische Spiele

IOC-Chef lehnt Rücktrittsforderung ab / Athletenvertreter zeigen sich bei Konferenz einverstanden.

KÖLN (sid). Jim Walden, Anwalt des Informanten Grigorij Rodtschenkow, hat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im Fall des russischen Staatsdopings ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und den Rücktritt von Thomas Bach gefordert. Der deutsche Präsident jedoch verteidigte die Entscheidungen des IOC mit Vehemenz.

Bach bezeichnete die Machenschaften Russlands speziell 2014 in Sotschi zwar als "schwerste Attacke auf die Integrität der Olympischen Spiele, die wir je erlebt haben", das IOC aber habe bei seinen Entscheidungen vor allem die nicht in den Skandal verwickelten russischen Athleten im Blick gehabt.

Das IOC hatte Russland wegen systematischen Dopings von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ausgeschlossen und den russischen Vize-Premierminister Witali Mutko lebenslang für alle olympischen Funktionen gesperrt. Nachweislich sauberen Athleten des Landes wird gestattet, unter gewissen Bedingungen als "Olympic Athlete from Russia" (OAR) teilzunehmen. Es ist sogar möglich, dass die Sportler bei der Schlussfeier in Südkorea wieder hinter der russischen Flagge einlaufen dürfen.

"Wenn es sauberen Athleten ermöglicht wird, nachzuweisen, dass sie sauber sind, wenn man ihnen Gerechtigkeit widerfahren lässt – inwiefern ist das dann unethisch?", fragte Thomas Bach im Gespräch mit der Welt am Sonntag.

Den Vorwurf, das IOC habe Russland nicht härter bestraft, um Präsident Wladimir Putin nicht zu verärgern, ließ Bach nicht stehen: "Diese haltlose Theorie wird vornehmlich in Deutschland vertreten." Das Wichtigste bei der Beurteilung seien für ihn die Stimmen der Athleten.

"So haben wir beispielsweise unmittelbar nach der Entscheidung eine Telefonkonferenz gemacht, an der sich 68 Vertreter von Athletenkommissionen aus aller Welt beteiligten", führte Bach aus, "kein einziger hat gegen die Entscheidung interveniert. Auch eine ganze Reihe deutscher Wintersportler hat diese Entscheidung ausdrücklich begrüßt."
Für Jim Walden ist das Urteil dagegen eine Bankrotterklärung des IOC. Bach und das IOC hätten, so der New Yorker Anwalt, die olympischen Ideale beerdigt.