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07. August 2012 00:06 Uhr

Teilnehmer aus Todtnau

BMX-Racer Brethauer: "Du brauchst eine gewisse Coolness"

Erstmals starten zwei deutsche BMX-Fahrer bei Olympischen Spielen. Luis Brethauer ist einer von ihnen. Der Sportsoldat in Todtnau ist der jüngste Mann im deutschen Olympiateam.

  1. 40 Sekunden dauert ein BMX-Rennen. Jeweils acht Fahrer treten gegeneinander an, so wie hier bei der olympischen Premiere in Peking. Foto: AFP/dapd

  2. Sportsoldat aus Überzeugung: Luis Brethauer Foto: dapd

LONDON. "Klar, du musst etwas riskieren in unserem Sport", sagt Luis Brethauer. "Wir sind vom Start weg in zwei Sekunden von Null auf 60 und springen dann bis zu 15 Meter weit." BMX, so der 19-Jährige, sei aber am Ende nicht gefährlicher als Skifahren. "Wir tragen Protektoren bis hin zum Genickschutz." Gebrochen habe er sich noch nicht viel. "Nur mal den Mittelhandknochen und was am Fuß." Brethauer ist einer von zwei Startern, die es erstmals in der Geschichte des Radsports in Deutschland geschafft haben, sich für Olympische Spiele zu qualifizieren. Am Mittwoch beginnen die Vorkämpfe.

Die BMX-Racer starten mitten auf dem Gelände des Olympiaparks von Stratford auf einem künstlich angelegten Gelände von einem acht Meter hohen Berg aus. Sie beschleunigen so schnell wie ein Rennwagen, "und nach zweieinhalb Sekunden machen wir dann unseren ersten Sprung". 40 Sekunden dauert so ein Rennen, jeweils acht Starter stürzen sich zeitgleich vom Berg, und schon die erste Kurve kann über Sieg und Niederlage entscheiden. Wer sie als Erster erreicht, ist so leicht nicht mehr zu überholen. Schnell muss so ein BMX-Racer sein, sehr schnell, vor allem beim Start, wenn man vollgepumpt sei mit Adrenalin, wie Brethauer sagt. Schnell und abgebrüht. "Du brauchst schon eine gewisse Coolness", erklärt Bundestrainer Simon Schirle. "Du darfst dich nicht ablenken lassen, von nichts und niemand, und schon gar nicht jetzt bei Olympia."

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Schirle ist 26 Jahre alt, "damit dürfte ich wohl der jüngste Bundestrainer sein". Er betreut Brethauer sowie Maik Baier, den zweiten deutschen Olympiastarter des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Auch seine beiden Fahrer sind jung, 19 der eine und 23 der andere. Brethauer ist sogar der jüngste männliche Athlet überhaupt im deutschen Olympiateam. Im vergangenen Jahr hat er sein Abitur in Reutlingen gemacht, und dann ging er zur Bundeswehr und wurde Sportsoldat. Aus Überzeugung, wie er sagt – und das nicht nur deshalb, weil in diesem Augenblick während der Pressekonferenz am Montag im Deutschen Haus von London Thomas de Maizière gleich neben ihm sitzt, der Bundesverteidigungsminister.

Gemeinsam erklären die beiden, wie wichtig es sei, dass der Staat Athleten in Deutschland fördere. De Maizière spricht von der Symbolkraft des Sports für das Land und davon, wie wichtig er den Menschen in Deutschland sei. Brethauer spricht von sich selbst und davon, dass die Bundeswehr ihm eine super Möglichkeit biete, seine große Leidenschaft auszuüben. Stationiert ist der BMX-Racer seit dem vergangenen Herbst bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Todtnau-Fahl. Athletik und Ausdauer trainiert er am Olympiastützpunkt in Stuttgart, das Radfahren selbst aber meistens im Ausland. "Die Trainingsmöglichkeiten für uns BMX-Racer in Deutschland sind grottenschlecht", sagt er. "Es gibt keine einzige weltcup-taugliche Strecke."

Dabei war es früher einmal groß in Mode, das BMX. Kleiner Rahmen mit 20-Zoll-Laufrädern, hoher Lenker, ein Gang, eine Hinterradbremse – und fertig ist das Bicycle Moto Cross, wie es ausgeschrieben heißt. Schon in den 1970er Jahren machte es als leicht modifiziertes Bonanzarad auch in Deutschland Karriere. BMX-Strecken entstanden – und verfielen dann wieder, als die Begeisterung für den Trendsport abebbte. "BMX ist heute in Deutschland so gut wie tot", sagt Brethauer. "Es gibt vielleicht 500 lizenzierte Fahrer – und das, obwohl BMX schon seit 2008 in Peking olympisch ist." Frankreich, so der 19-Jährige, habe damals ganz anders auf die Entscheidung reagiert, BMX zu einer olympischen Disziplin zu machen. "Dort wurden viele neue Strecken gebaut, und die Zahl der lizenzierten Fahrer dürfte 20-mal höher sein als bei uns." Auch der Bund deutscher Radfahrer (BDR) verschlief die Entwicklung. Aufgeschreckt war er erst, als kein deutscher Fahrer sich für Peking qualifizieren konnte. "Da wurde dann eine Stelle als Bundestrainer ausgeschrieben", berichtet Schirle. Auch bei den Sportverbänden habe man mittlerweile gemerkt, dass BMX-Fahren nicht nur Kasperletheater sei.

Schirle kämpft in Stuttgart dafür, dass eine moderne BMX-Strecke in der Region gebaut wird. "Die Strecke selbst ist nicht das Problem, eine halbe Million Euro würde sie kosten." Die Schwierigkeit bestehe vielmehr darin, im Großraum Stuttgart ein bezahlbares und geeignetes Grundstück zu finden. Natürlich ist Schirle stolz, gleich zwei seiner BMX-Racer zu den Spielen nach London gebracht zu haben, und er glaubt, dass ihre Medienpräsenz nun bei Olympia auch den Prozess in Stuttgart beschleunigen könnte. "Eigentlich bin ich da sogar ganz zuversichtlich", erklärt er.

Von Mittwoch bis Freitag absolvieren die BMX-Fahrer ihre Rennen, zunächst ein Zeitfahren, das Schirle zufolge über die Startplatzierung entscheidet. Dann die Viertelfinals mit jeweils acht Startern, die Halbfinals mit jeweils acht Startern – und am Freitagabend schließlich das Finale. "Wir geben natürlich alles", verspricht Brethauer. "Aber wir sind keine festen Medaillenkandidaten." Er selbst steht in der Weltrangliste im Augenblick auf Rang 19. "Unsere Renndistanz ist sehr kurz, du kannst schnell einen Fehler machen." Dies gelte allerdings auch für die Favoriten, fügt der Sportsoldat aus Todtnau-Fahl hinzu. "

Der 19-Jährige wünscht sich, dass sein Auftritt bei Olympia auch seiner Sportart selbst in Deutschland einen Schub geben wird. Vor allem müssten dazu neue Strecken gebaut werden. "Es gibt bestimmt viele Kids, die Bock hätten, BMX zu fahren."

Autor: Andreas Strepenick


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