Handball

Champions League steht vor tief greifenden Änderungen

sid

Von sid

Sa, 16. September 2017 um 00:01 Uhr

Sonstige Sportarten

Die viel kritisierte Handball-Champions-League erhält ein neues Gesicht. Spätestens von 2019 an sollen die europäischen Top-Teams wohl in einer klar strukturierten Europaliga gegeneinander antreten.

Kommt es zu einer Einigung zwischen Spitzenklubs und europäischem Dachverband EHF, wird der Sieger nach einer regulären Saison mit Hin- und Rückspiel in Play-off-Spielen ermittelt.

Die EHF wollte das Thema auf Anfrage zunächst nicht kommentieren, lud aber zu einem Pressetermin am kommenden Sonntag. Unmittelbar vor dem diesjährigen Champions-League-Auftakt des THW Kiel gegen den Top-Favoriten Paris St. Germain (17.15 Uhr/Sky) solle über die Pläne für die neue Saison informiert werden. Zuletzt hatte es immer wieder heftige Kritik am aktuellen Modus der Königsklasse gegeben. Die Übereinkunft von EHF und Spitzenklubs zur derzeitigen Champions League läuft noch bis 2018.

Das neue Konzept sieht eine eingleisige Staffel mit zwölf Teams vor, für die sich grundsätzlich die Meister der internationalen Top-Ligen qualifizieren. Aus der verhältnismäßig starken Bundesliga wird wohl auch der Vizemeister startberechtigt sein. Am Ende der regulären Saison spielen dann die besten acht Teams im K.o.-System den Titel aus – dem Viertelfinale folgt das Final Four in Köln, das in seiner jetzigen Form unangetastet bleibt.

"Will man den Handball in Europa nicht langsam sterben lassen, geht es nur in einem attraktiveren Modus", sagte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. Eine Elite-Liga, "eine Art NBA des Handballs", hatte zuletzt bereits Kiels Coach Alfred Gislason vorgeschlagen. "Die europäischen Topspieler wünschen sich das alle. Wir werden eine ganzjährige europäische Liga in den nächsten Jahren sehen", sagte Storm.

Um die sechs zusätzlichen Partien für die ohnehin schon auf dem Zahnfleisch gehenden Spieler zu kompensieren, soll das Pensum der Nationalmannschaften in der Qualifikation für große Turniere heruntergefahren werden. Zudem gibt es Gedankenspiele zu einer erneuten Reform des DHB-Pokals, deutsche Königsklassen-Starter könnten dort möglicherweise aussetzen.

Zwar bräuchten die Bundesligisten die Einführung solch einer Europaliga am wenigsten, sagt Storm. Doch andere internationale Top-Klubs seien aufgrund ihrer schwachen nationalen Ligen auf diesen Wettbewerb angewiesen. "Ansonsten könnte es passieren, dass sich ein Weltklub wie Barcelona irgendwann abmeldet", so Storm. Eine Gesamtentwicklung "unseres Sports" könne "nicht außerhalb Frankreichs und Deutschlands aufhören".

Die jetzige Form des Wettbewerbs, da sind sich zumindest die deutschen Klubs seit der Reform 2015 einig, hat keine Zukunft mehr. Zum einen sorgen der komplizierte Modus mit zwei Vorrundengruppen à acht Teams und zwei à sechs Teams sowie die verzwickten Qualifikationskriterien für das Achtelfinale für Unmut. Zum anderen hat die Terminhatz aufgrund des neuen TV-Vertrags in Deutschland mit festen Spieltagen donnerstags und sonntags eine neue Qualität erreicht.