"Das ist mein größter internationaler Erfolg"

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Mi, 08. August 2018

Leichtathletik

Carl Dohmann aus Freiburg wird in Berlin beim Hitze-Gehen über 50 Kilometer Fünfter / Sein Trainingskollege Nathaniel Seiler überrascht bei der EM mit Rang acht.

BERLIN/FREIBURG. Carl Dohmann (28), in Freiburg lebender Geher, hat für das beste Ergebnis eines deutschen Athleten über 50 Kilometer bei einer Leichtathletik-EM seit der Wiedervereinigung gesorgt. Im ersten Wettbewerb der Europameisterschaft in Berlin wurde er am Dienstagmittag starker Fünfter. Sein ebenfalls in Freiburg lebender Trainingskollege Nathaniel Seiler (22) überraschte mit Rang acht.

Das Rennen, das um 8.35 Uhr zusammen mit dem erstmals ausgetragen Frauen-Wettbewerb über 50 Kilometer gestartet wurde, verlief nach dem Geschmack des VWL-Studenten Dohmann. Er ging den sogenannten langen Kanten nicht in der Spitzengruppe an. Auf Rang 13 war er zu Beginn – und dann ging es in Sachen Platzierung nur noch vorwärts. Neunter war er zur Halbzeit nach 25 Kilometern bei dem Wettkampf durch die Berliner Innenstadt. Und da er auch keine frühen Verwarnungen kassierte, konnte der Ausdauerspezialist immer weiter nach vorne kommen. In den Kampf um die Medaillen griff er zwar nicht mehr ein, aber Platz fünf in persönlicher Jahresbestzeit von 3:50:27 Stunden machte ihn glücklich. Kurz vor dem Ziel winkte er in die Zuschauermenge, lächelte, verteilte Kusshände.

"Die Temperaturen sind gegen 11 Uhr noch einmal gestiegen. Es ist sehr viel heißer geworden. Ich habe Eiswürfel in meine Kappe machen lassen und mir Eis über den Kopf gegossen", sagte der WM-Zehnte vom vergangenen Jahr. Dohmann, der für den SC Heel Baden-Baden startet, ergänzte: "Taktisch bin ich das Rennen defensiv angegangen, was absolut richtig war. Zum Schluss habe ich etwas zu früh versucht, noch einmal zuzulegen. Die letzten drei, vier Runden auf dem Zwei-Kilometer-Rundkurs durch die Berliner City waren dann sehr hart. Vielleicht wäre mit etwas mehr taktischem Geschick noch ein Platz mehr möglich gewesen. Aber der fünfte Platz ist mein größter internationaler Erfolg."

Vergangene Woche war der 28-Jährige wie alle anderen deutschen EM-Starter ins Vorbereitungstrainingslager nach Kienbaum gereist. Hinter ihm lagen zu diesem Zeitpunkt bereits 7000 Kilometer Training – unter anderem mit seinem Zimmer-Kollegen und Trainingspartner Nathaniel Seiler. "Die vergangenen Wochen liefen sehr gut, ich war wie in den vergangenen vier Jahren auch dieses Jahr für vier Wochen im Trainingslager auf dem Belmeken im bulgarischen Rila-Gebirge, auf 2000 Metern Höhe", hatte Dohmann der BZ schon im Vorfeld des Wettkampfes mitgeteilt. Während es in Bulgarien zu Beginn sehr kalt (teilweise unter zehn Grad), windig und regnerisch war, herrschten in Berlin Temperaturen von rund 30 Grad. Zwar noch nicht zu Beginn des Wettkampfes – aber in der Mittagshitze. Dohmann und Seiler kämpften sich durch. Schließlich ist man im Breisgau solche Temperaturen gewohnt.

Auch der erst 22-jährige Seiler steigerte sich kontinuierlich und profitierte am Schluss zudem von Disqualifikationen einiger Konkurrenten. In persönlicher Bestzeit von 3:54:08 Stunden erreichte der Sportsoldat, der für den TV Bühlertal startet, das Ziel und belegte damit einen nie und nimmer erwarteten achten Rang. Da konnte es Seiler auch verschmerzen, dass er die voraussichtliche WM-Norm von 3:53 Stunden verpasste. Seiler fasste die Eindrücke seiner EM-Premiere so zusammen: "Die ersten 30 Kilometer fand ich noch erträglich. Nach 30 Kilometern wurde es wieder wärmer. Ich bin gut zurechtgekommen und habe mehr getrunken als sonst. Die Stimmung war bombe. So etwas bin ich nicht gewohnt. Klar, wir haben eine Heim-EM. Da ist das Publikum auf unserer Seite und es wird noch einmal laut, wenn die Zuschauer einen Deutschen sehen. Mit dem Ergebnis bin ich super zufrieden."

Gold sicherte sich der Ukrainer Marjan Sakalnyzki (3:46:32) – vor Matej Toth (Slowakei/3:47:27), Dmitri Dsjubin (Weißrussland/3:47:59) und Havard Haukenes (Norwegen/3:48:35). Den erstmals vergebenen Frauentitel gewann Ines Henriques (Portugal/4:09:21).