Das Spiel in der eigenen Hand

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 15. Januar 2018

Volleyball

NACHSPIEL: Die Zuspielerin Alexandra Bura belegt beachtenswerte Allroundqualitäten / VC Printus Offenburg mit achtem Erfolg.

VOLLEYBALL 2. Bundesliga Frauen: VC Printus Offenburg – Allianz MTV Stuttgart II 3:0 (25:12, 25:11, 25:15). Nach nur 70 Minuten war alles vorbei. Die Akteurinnen aus Offenburg belegten ihre Entwicklung. Der Gegner, der ihnen im Pokal zum Rundenstart noch echte Probleme bereitet hatte, wurde am Samstag fast aus der Halle gefegt. Ein lockerer Auftakt ins neue Jahr, mehr nicht.

Wie es der Zufall so will. Ausgerechnet dieses Spiel gegen die ehemaligen Mitspielerinnen wurde für Alexandra Bura zu einem ganz besonderen Spiel in sportlicher Sicht. Das hätte es auch emotional sein können. Auf der anderen Seite des Feldes erblickte sie mehr Freundinnen, als das normal ist. "Das ist schon komisch", sagte die 24-Jährige im Offenburger Dress. Dies hatte sie vor Rundenbeginn erst übergestreift, nachdem sie zuvor das ABC des Volleyballs in Stuttgart gepaukt hatte. Mit MTV-Kapitänin Martha Deckers begann sie einst mit der Sportart in Baden-Württembergs Hauptstadt. Da verbindet einem vieles, was temporär durch das Netz getrennt wurde. "Es ist nur ein Spiel und hernach ist alles wie gewohnt", sagte Bura.

Wie gewohnt war es für die 1,78 Meter große Zuspielerin am Samstag aber nicht. Durch den Ausfall von den kranken oder verletzten Akteurinnen Nele Iwohn und Lisa Solleder sah sie sich einer ungewohnten Aufgabe gegenüber. Dem Einsatz als Diagonalangreiferin. Zu ungewohnt sei das alles für sie nicht gewesen, berichtete sie. Erst vor sechs Jahren habe sie für sich entschieden, das Zuspiel zu ihrer Sache zu machen. "Ich finde das Zuspiel cool, da hast du das Spiel in den eigenen Händen und kannst es lenken." Wie das gehen kann, zeigte Positionskollegin Richarda Zorn am Samstag. Sie verteilte die Bälle geschickt, nahm immer wieder die Hauptangreiferinnen Pia Leweling und Molly Karagyaurov aus dem Hinterfeld mit ins Spiel. "Richarda hat schlau gespielt", lobte der Trainer Florian Völker, die Umsetzung der erzwungenen veränderten Spielstruktur.

Auch Alexandra Bura bekam ihren Anteil an Offensivaktionen. 15 Bälle waren es, deren fünf sie zu direkten Punkten verwandelte. "Ich wusste, dass sie es gut machen kann", sah sich Völker von deren Allroundqualität bestätigt. Bura selbst urteilte, die Aufgabe sei für sie nicht so schwierig gewesen, zumal sie sich seit Donnerstag etwas darauf einstellen konnte. "Das hat man einfach so drin", sagte sie angesprochen auf ihre variablen Angriffsschläge, die auch von den ehemaligen Kolleginnen anerkannt wurden. Die kannten ihre kleine Macke: Die eh schon kurzen Ärmelchen des Trikots streift sie sich immer noch oben. Fast über die Schulter. Sie lacht ob der Beobachtung und sagt: "Mich stören Ärmel irgendwie schon immer."

"Das hat man
einfach so drin."

Alexandra Bura
Rein menschlich ist die Schwäbin in Offenburg gut aufgehoben. Ihre WG ist nun ganz in schwäbischer Hand. Das fördert das Wohlfühlen. Ansonsten läuft es bei ihr "richtig gut". Das Praktikum bei Mediclin in Sachen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ist inhaltlich anspruchsvoll. Die Studentin der Wirtschaftswissenschaften möchte nun ihre Bachelorarbeit in Angriff nehmen. Und in Offenburg weiter spielen? Noch sei alles offen, sagt sie, es werde ja bald Gespräche mit dem Verein geben.