US Open

Debatte um Gleichberechtigung im Sport geht weiter – mit Williams’ Tennis-Outfit

dpa

Von dpa

Fr, 31. August 2018 um 14:09 Uhr

Tennis

Bei den US Open entspinnt sich eine Diskussion über die Kleiderordnung bei Grand-Slam-Turnieren. Grund dafür sind unter anderem die Tennis-Outfits der langjährigen Nummer eins Serena Williams.

Ihre kuriose Verwarnung hakte die Französin Alizé Cornet schnell als Fehler eines überforderten Schiedsrichters ab. Ihrem Verbandspräsidenten hatte die französische Tennisspielerin in New York allerdings noch etwas Grundsätzliches mitzuteilen. Cornets kurzer Auftritt im Sport-BH bei den US Open hat eine neue Debatte um Gleichberechtigung im Sport nach sich gezogen.

Schauplatz New York: Dort zog sich Cornet am Dienstag während ihrer Erstrunden-Niederlage nach dem zweiten Satz um und bemerkte erst auf dem Platz, dass sie ihr frisches Tennis-Shirt falsch herum trug. Also zog sie es schnell aus und an, stand laut Süddeutscher Zeitung für ganze neun Sekunden im Sport-BH auf dem Platz und kassierte zu ihrem Erstaunen dafür eine Verwarnung. Der US-Tennis-Verband bedauerte dies am Mittwoch. Alle Profis – männlich wie weiblich – dürften sich auf ihrem Stuhl umziehen.

Da hatte es schon reichlich Entrüstung und viel Solidarität für Cornet durch ehemalige und aktive Spielerinnen gegeben. "Das war ziemlich verrückt", berichtete sie überrascht vom großen Echo auf das, was sie als Fehler eines Einzelnen sieht. "Alle Spielerinnen haben mich unterstützt und gesagt, wenn ich eine Strafe bekomme, werden wir gemeinsam zur WTA gehen und eine Revolution machen." Sie habe alle beruhigt: "Lasst uns erst die Informationen abwarten und schauen, ob wir einen Aufstand machen oder nicht."

Ärger um Serena Williams im Catsuit

Die Frauen-Profiorganisation WTA teilte mit, sie sehe sich als Vorkämpfer für die Gleichberechtigung. US-Tennis-Ikonen wie Billie Jean King und Tracy Austin schimpften über veraltete Regeln, der US-Verband räumte den Fehler ein und war froh, dass es keine weitere Strafe gab. Damit war der Fall an sich erledigt.

Schauplatz Paris: Bei der Rückkehr zu den French Open nach ihrer Schwangerschaft trat Serena Williams Ende Mai in einem schwarzen Catsuit an. Der Ganzkörperanzug unterstütze die Durchblutung, erklärte die langjährige Nummer eins.

Allerdings fügte die für ungewöhnliche Tennis-Kleidung bekannte 36-Jährige auch hinzu, sie fühle sich in dem Anzug ein bisschen wie eine Superheldin. Der französische Verbandspräsident Bernard Giudicelli will nun aus Respekt vor dem Spiel strengere Kleidervorschriften einführen. "Manchmal sind wir zu weit gegangen", sagte Giudicelli in der vorigen Woche. "So ein Anzug wird künftig nicht mehr akzeptiert, man muss Spiel und Spielort respektieren."

Serena Williams hat nach eigenen Worten am vergangenen Freitag mit ihm gesprochen und nahm das Ganze sehr gelassen. In New York zeigte sie sich ohnehin lieber in Tenniskleidung, die an Tutus erinnern, zunächst in Schwarz und im Spiel gegen die Deutsche Carina Witthöft in zartem Flieder.

Nicht alle darauf angesprochenen Spielerinnen durften sich zu dem Thema äußern

Cornet reagierte auf die Auslassungen des französischen Verbandschefs deutlich weniger gelassen als Williams: "Was Bernard Giudicelli über den Catsuit von Serena Williams gesagt hat, war zehntausendmal schlimmer als das, was mir auf dem Platz passiert ist", stellte die 28-Jährige fest. Die frühere Nummer eins Victoria Asarenka pflichtete bei. Sie habe keine Ahnung, was respektlos daran sei, Tennis in einem Catsuit zu spielen.

Auch die 29 Jahre alte Weißrussin – eine der Mütter auf der Tour – sah die Verwarnung für die Weltranglisten-31. Cornet sehr wohl als grundsätzliches gesellschaftliches Problem.

Auch Cornet fand, Frauen würden grundsätzlich etwas anders behandelt, im Tennis gebe es indes viel Gleichberechtigung. Dem stimmte auch Asarenka zu. So schütten alle vier Grand-Slam-Turniere gleiches Preisgeld für Damen und Herren aus. Das war aber lange Zeit anders.

Nicht alle auf das Thema angesprochenen Spielerinnen wollten oder durften sich indes äußern. Tatjana Maria aus Bad Saulgau etwa erklärte nach ihrem Aus, sie sei angewiesen worden, dazu nichts zu sagen.


Angelique Kerber

hat es mit einem knappen Sieg als erster deutscher Tennisprofi in die dritte Runde der US Open geschafft. Die Wimbledonsiegerin gewann 6:2, 5:7, 6:4 gegen die Schwedin Johanna Larsson. Kerber konnte zunächst im zweiten Satz bei einer 5:3-Führung zwei Matchbälle nicht nutzen, setzte sich dann aber durch. Nächste Kontrahentin Kerbers ist an diesem Samstag die Slowakin Dominika Cibulkova. Alle anderen deutschen Spielerinnen sind bereits ausgeschieden. Im Mittelpunkt steht am fünften Turniertag das 30. Duell zwischen Serena und Venus Williams. Vorjahressiegerin Sloane Stephens aus den USA muss gegen die zweimalige Finalistin Victoria Asarenka aus Weißrussland antreten. Titelverteidiger Rafael Nadal aus Spanien will mit einem Sieg gegen den Russen Karen Chatschanow ins Achtelfinale einziehen.