DOSB

Der Druck auf Alfons Hörmann wächst

sid

Von sid

Di, 29. November 2016 um 00:00 Uhr

Sportpolitik

Erst verdrehte Fakten in Berlin, dann ein Protestbrief, den es angeblich gar nicht gab: Präsident Alfons Hörmann gerät vor der Mitgliederversammlung des DOSB immer stärker unter Druck.

Beim Verbandstag in Magdeburg am kommenden Samstag dürfte das fragwürdige Gebaren des obersten deutschen Sportfunktionärs mittlerweile wohl ähnlich viel Raum einnehmen wie der wichtigste Tagesordnungspunkt: die heftig umstrittene Leistungssportreform.

Die Diskussionen über Hörmanns Äußerungen während der Vorstellung der Spitzensportreform in Berlin war noch im vollem Gange, da wurde am Montag ein pikanter Protestbrief an den DOSB-Boss öffentlich und sorgte für weitere Unruhe. In dem Schreiben an den DOSB-Boss zur Auseinandersetzung zwischen Hörmann und Thomas Weikert, dem Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins der DOSB-Trainerakademie, distanzierte sich die Sprechergruppe der Spitzensportverbände ausdrücklich und deutlich von Hörmann. Sie bezeichnete dessen Vorgehen als "befremdlich" sowie als "diskriminierend" und "unpassend" gegenüber Weikert.

In dem Fall steht noch immer Aussage gegen Aussage. Hörmann hatte Weikert schriftlich zum Amtsverzicht aufgefordert, nach Darstellung des Chefs der Trainerakademie, der auch Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF ist, stillos und ohne vorherige persönliche Absprache. Hörmann, dem Weikert schlechten Stil vorwirft, bestreitet das. Der Präsident beharrt auf der Darstellung, dass der DOSB "seit Juli mit Thomas Weikert in Gesprächen über strukturelle Veränderungen bei der Trainerakademie" sei und es "das Einvernehmen" gebe, dass "sich die Trainerakademie neu aufstellt". Dies wiederum bestreitet Thomas Weikert noch immer vehement. In dem von Ruder-Präsident und Verbände-Sprecher Siegfried Kaidel unterzeichneten Brief heißt es, dass "ungeachtet der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und dessen Führung" nicht mit Weikert gesprochen worden sei, "betrachten wir als befremdlich und distanzieren uns als Sprechergruppe hiervon".

Auf Unverständnis treffen auch weitere Äußerungen Hörmanns. Auf der großen Bühne der Bundespressekonferenz in Berlin hatte er am Freitag blumig die breite Unterstützung der Athleten für die Spitzensportreform betont – die es in der von Hörmann beschriebenen Form aber gar nicht gab. Hörmann zitierte aus einem angeblichen "Manifest" von Sportlern, die der Reform "zu 95 Prozent" zustimmten. Eine Befragung mit konkretem Bezug auf die Spitzensportreform hat es aber nie gegeben.