Der Stolz über Ehrung eint

Karin Reimold

Von Karin Reimold

Do, 28. Dezember 2017

Offenburg

NACHGEFRAGT: Quentin Seigel muss aufhören und Heinz Falk darf weitermachen.

SPORTLEREHRUNG. Noch vor Weihnachten wurden in Offenburg die Sportler des Jahres und Menschen, die sich um den Sport in der Stadt verdient gemacht haben, geehrt. Wir berichteten. Bei zwei Personen haben wir nachgefragt: bei Quentin Seigel und Heinz Falk.

Das hätte Quentin Seigel nicht gedacht. bei der Sportler-Gala am Donnerstagabend konnte nicht der Olympiasieger Johannes Vetter den Titel "Sportler des Jahres" mit nach Hause nehmen, sondern er. "Dass ich noch vor unserem Weltmeister bin, ist eine schöne Überraschung. Obwohl ich natürlich weiß, dass die Wahl nach Beliebtheit ging", sagt der gebürtige Offenburger. Für den 400 Meter Hürden Läufer, der seine aktive Karriere dieses Jahr beendete, trotzdem ein tolles Abschiedsgeschenk von seiner Heimatstadt.

Längst ist der angehende Gymnasiallehrer nach Lörrach umgezogen, wo er im Januar als Sport- und Deutschlehrer einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Als jemand, der seine Grenzen kennt, bezeichnete OB Edith Schreiner den Athleten. Denn alle Hürden konnte der Athlet in seiner Karriere nicht meistern. "Ich hatte vier, fünf Jahre lang eine Achillessehnenentzündung", sagt Seigel. "Heute habe ich keine Schmerzen mehr, aber Hürdenlaufen oder Sprints mache ich nicht mehr." Es ist der Preis, den der LGO’ ler für seine Erfolge zahlen musste.

Wie geht es ihm heute ohne Sport? "Die Umstellung ist schon hart. Wenn man abends im Bett liegt und das Ausmaß an Bewegung plötzlich fehlt", sagt er. Aber natürlich macht der 29-Jährige noch Sport, geht zwei, drei Mal in der Woche laufen. "Ich bin ja auch Sportlehrer und Trainer – da muss ich fit sein", erzählt er und lächelt zufrieden. Denn Sport, sagt er, sei schon wie eine positive Sucht. Ein Leben ohne ihn gibt es für den siebenfachen Deutschen Junioren-, Jugend- und Schülermeister nicht. Die täglichen Treffen mit seiner Offenburger Trainingsgruppe und seinem Vater, sein Trainer, vermisse er schon.

Stolz auf die Arbeit mit jungen Menschen

Sein Name ist aus der Vereinsgeschichte des Offenburger FV nicht wegzudenken: Heinz Falk. Der 77-Jährige bekam die Ehrennadel überreicht. Seit fast 20 Jahren ist Heinz Falk nun im Ehrenamt für den Offenburger FV tätig. "Die Arbeit ist schon enorm. Deshalb habe ich mich sehr über die Anerkennung gefreut", sagt Falk. Als Teammanager ist er für die erste Mannschaft verantwortlich, kümmert sich um die Spieler, Verträge und Einkäufe. "Das sind täglich mehrere Stunden Aufwand". OB Edith Schreiner nannte ihn einen "Seelentröster und Problemlöser, ein Urgestein im Fußballverein." Doch wie sieht Falk, der für viele als Synonym des OFVs steht, eigentlich seine Rolle? "Wenn man für die Spieler verantwortlich ist, ist das eine schöne Aufgabe. Ich kümmere mich ja zum Beispiel auch um verletzte Spieler, betreue sie, mache Arzttermine für sie aus."

Schreiner betitelte den Teammanager als "langen Aspiranten auf diese Ehrung." Ist die jüngste Anerkennung eine verspätete? "Nein. Ich habe ja schon mehrere Ehrungen und ich bin stolz auf meine Arbeit mit den jungen Menschen", meint Falk. Seine eigene Karriere begann beim FC Zell-Weierbach, bevor er 1968 zum OFV wechselte. Und da blieb er, nicht nur als Spieler, er trainierte etliche Mannschaften, war im Verwaltungsrat, ist heute Teammanager der ersten Mannschaft. "Es ist ein Hobby von mir und die Arbeit ist sehr gut für mich. Sie hält jung", sagt Falk. Mit seinen 77 Jahren müsse er schon langsam ans Aufhören denken. "Mein Wunsch ist es, mein Amt an einen jüngeren Mann, vielleicht ein ehemaliger Spieler, zu übergeben."

Gute Leute, die sich für den OFV interessieren, gebe es zwar, doch das Problem sei der zeitliche Aufwand, den das Ehrenamt neben dem Beruf eben mitbringe.