Der Traum des Martin Fleig wird wahr

dpa

Von dpa

Sa, 17. März 2018

Behindertensport

Der 28-jährige Gundelfinger gewinnt bei den Paralympics die Goldmedaille im Biathlon-Wettbewerb über 15 Kilometer.

PYEONGCHANG (BZ/gg). 29 Mal in Folge waren es Frauen, die bei Paralympischen Winterspielen für Deutschland auf dem Siegerpodest standen, am Freitag beendete Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg) die männliche Durststrecke – und wie! Der Biathlon-Doppelweltmeister von 2017 in der sitzenden Konkurrenz hielt nach zwei für ihn schwächeren Rennen dem großen Druck stand und lief über die 15 Kilometer ganz nach vorne. Ein perfektes Schießen und eine starke Laufleistung brachten dem Gundelfinger in 49:57,2 Minuten den Sieg.

Im Ziel schrie Fleig seine Freude erst heraus, kurz darauf flossen Tränen – und nicht nur bei dem 28-Jährigen. Trainer, Betreuer und weitere Teammitglieder der Deutschen Paralympischen Mannschaft lagen sich in den Armen, alle gönnten sie Fleig diesen Erfolg. Auch der geschlagene Zweitplatzierte Daniel Cnossen gratulierte herzlich. Der US-Boy kam mit einer Strafminute auf eine Zeit von 50:42,7 Minuten. Bronze holte sich der Kanadier Collin Cameron (50:59,1/1 Fehler).

"Mir fehlen die Worte für das, was heute passiert ist. Ich habe Angst, gleich aufzuwachen und festzustellen, dass alles nur ein Traum war", sagte Fleig nach der Blumenzeremonie. Dass der Traum wahr war, hatte er nach eigenen Angaben "super Skiern" und dem fehlerfreien Schießen zu verdanken. "Das ist wegen der Strafminuten für jeden Fehlschuss natürlich sehr wichtig gewesen", sagte Martin Fleig, der seit meiner Geburt mit einer Behinderung, einer sogenannten Spina bifida (offener Rücken), lebt. Die Behinderung schränkt ihn in den Beinen und der Hüfte ein, zudem hatte sie eine verzögerte körperliche Entwicklung zur Folge.

Martin Fleigs Eltern, Regine und Bernd, die am Freitag daheim in Gundelfingen einen kleinen Medienmarathon absolvieren mussten, sahen sich den Erfolg des Sohnes nachts gegen 3 Uhr im Fernsehen an. "Wir haben den Wecker gestellt und sind aufgestanden. Die Anspannung war bei Martin groß, bei uns aber auch", sagte Bernd Fleig. Die Startphase bekamen die Fleigs gar nicht zu Gesicht, da wurde noch das Rennen der Frauen übertragen. Als dann alles vorbei war, "genehmigten wir uns ein Gläschen Sekt, natürlich alkoholfrei", berichtete der asketisch lebende deutsche Ex-Meister im Ringer, der mit seiner Frau auch vergangene Nacht wieder vor dem TV-Apparat saß, als Martin Fleig im Langlauf an den Start ging.

Zu den vielen Gratulanten konnte Martin Fleig auch Landrätin Dorothea Störr-Ritter zählen. "Ich freue mich riesig, dass es jetzt mit einer Medaille geklappt hat. Wir alle im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald haben ihm die Daumen gedrückt. Dass es jetzt sogar zu einer Goldmedaille gereicht hat, ist unbeschreiblich. Eine außerordentliche Leistung, die alle seine bisherigen Erfolge übertrifft", so Störr-Ritter in einer Pressemitteilung über ihren Mitarbeiter der Führerscheinstelle.

Wie wichtig ein gutes Schießresultat gewesen ist, das war nicht nur bei Martin Fleigs Wettkampf, sondern auch beim Rennen der Frauen zu sehen, in dem sich Andrea Eskau (USC Magdeburg) und Oksana Masters (USA) einen packenden Zweikampf lieferten. Beide blieben am Schießstand makellos, Eskau aber war etwas schneller unterwegs als ihre Konkurrentin. Ihre Zeit nach 12,5 Kilometern: 49:41,2 Minuten und damit 18,8 Sekunden schneller als Masters, die genau 50 Minuten benötigte.

Ihre zweite Bronzemedaille holte die sehbehinderte Clara Klug (PSV München) im Biathlon-Wettbewerb über 12,5 Kilometer.