Bundesliga-Ringer

Die Adelhauser Pole

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 18. November 2016

Ringen

Florian Philipp und Thomas Weber trainieren die Adelhauser Ringer in der Bundesliga respektive Regionalliga.

RINGEN. Für den TuS Adelhausen geht es am Samstag um viel: Die Bundesliga-Ringer schielen gegen Köllerbach Richtung Playoffs, die Regionalliga-Truppe kämpft gegen Taisersdorf um den Ligaerhalt. In den Ecken werden wie immer zwei Sportverrückte dafür sorgen, dass ihren Athleten nicht die Körner ausgehen: die Trainer Florian Philipp und Thomas Weber.

Philipp ist ein Berg von einem Mann. Unter der Woche ist der 30-Jährige als Zollbeamter tätig, dort kümmert er sich um die sportliche Ausbildung seiner Kollegen. Am Wochenende und bei abendlichen Einheiten coacht er Weltklasse-Ringer. Philipp ist ein Dauerbrenner, den nichts umwirft. Doch wenn er vom Ende seiner Laufbahn spricht, ist er nachdenklich. "Ich hatte schon auch Schiss", sagt Philipp. Man wisse nicht, "wie man das wegsteckt", sagt er auf dem Weg zum Training. Doch er hat es offensichtlich gut weggesteckt. Philipp ist ein gestandener Trainer. In der Bundesliga.

Sein Vater, ebenfalls ehemaliger Bundesligaringer, nahm den fünfjährigen Sohnemann einst mit auf die Matte. "Danach hieß es 22 Jahre RG Hausen-Zell", berichtet Philipp. Auf neun Jahre zweite Liga und ein Jahr höchste Kampfklasse hat er es gebracht. Mit 26 Jahren war Schluss, der Körper zwickte zunehmend. Und von Adelhausen kam das Angebot, die Bundesliga-Truppe zusammen mit Thomas Weber zu übernehmen.

Weber ist auch so eine Berg-Mann-Erscheinung. Der 45-jährige arbeitet ebenfalls beim Zoll, ist dort für die Ausbildung zuständig. Seine Ringer-Karriere begann er mit zwölf Jahren in Rheinfelden. "Mit 18 bin ich nach Freiburg-Haslach gewechselt", erzählt der Übungsleiter. Dort rang er sieben Jahre, auch in der ersten Liga. Danach wechselte er für zwei Jahre nach Haslach im Kinzigtal, bevor er sechs Jahre in Adelhausen in den beiden höchsten Kampfligen antrat. "Mit 32 war Schluss", sagt Weber, der danach drei Jahre in seiner Heimat Rheinfelden als Coach arbeitete. 2013 ging es zurück zum TuS.

Die beiden Zollbeamten haben damals nicht lange überlegt, und das Experiment ist aufgegangen. Gemeinsam steuerten sie Adelhausen durch drei erfolgreiche wie schwierige Jahre. "Sie passen gut zusammen", sagt Geschäftsführer Ingo Kohler. Sie sehen sich fast jeden Tag: tagsüber als Grenzhüter, abends in der Halle. "Manchmal öfter als die Partnerinnen", scherzt Philipp. Diesen Sommer erfolgte zumindest auf dem Papier eine Trennung. Philipp gibt nun den Einschreier für die Bundesliga-Truppe, Weber coacht das Farmteam in der Regionalliga. "Dadurch wollten wir eine Lücke schließen", so Philipp. Die Konstellation mit einem Erst- und Drittliga-Team ist in Deutschland einmalig. "Bundesligist Nendingen ringt auch dritte Liga, aber da kämpfen nur Profis, bei uns sind es unsere eigenen Jungs", sagt Kohler. "Da ist es wichtig, dass die Trainer die gleiche Sprache sprechen", ergänzt Philipp.

Die Rechnung ging zumindest halb auf. Weber trainiert mit Johannes Voegele, Tizian Gottstein und Mirco Kuder die Talente, die er schon als Jugendtrainer förderte. Einzig die Erfolge wollen sich noch nicht recht einstellen. Die Zweite kämpft gegen den Abstieg. Am Samstag (18 Uhr) kommt der direkte Konkurrent KSV Taisersdorf. "Wir müssen gewinnen", macht Weber klar. Im Gespann mit Philipp gibt er den leiseren Part. "Er ist der Ruhepol, Florian der Verrückte, im positiven Sinn", sagt Abteilungsleiter Hannes Voegele.

Philipp gilt als nahbarer Trainer und als Motivator. "In der Bundesliga ist die Leistungsdichte so eng, da muss man durch Teamgeist und Motivation die letzten Prozente rauskitzeln." Dafür kleistert er die Kabine mit Siegesposen seiner Ringer voll, zeigt heroische Videos und lässt epische Musik laufen. "Die Zündschnur legen", nennt er das. "Wir brennen dann", bestätigt TuS-Ringer Osman-Kubilay Cakici. Am Samstag (19.30 Uhr) kommt mit dem Sechsten Köllerbach ein Tabellennachbar. Auf einen Playoff-Rang fehlen Adelhausen (5.) vier Punkte. "Nicht unmöglich bei fünf ausstehenden Kämpfen", findet Philipp. Er wird die Zündschnur für seine Jungs schon legen.