Die Spezialisten ärgern

dpa

Von dpa

Fr, 18. November 2016

Reitsport

Vielseitigkeitsreiter Jung tritt in Stuttgart gegen Springexperten an – und lässt viele hinter sich.

STUTTGART (dpa). In der Vielseitigkeit ist Michael Jung kaum zu schlagen. Niemand sammelt so viele Goldmedaillen wie der dreimalige Olympiasieger. Doch der 34-Jährige kann noch mehr.

Mit einem weiteren Rekord ist Michael Jung in das Weltcup-Reitturnier von Stuttgart gestartet. Als bisher jüngsten Pferdesportler zeichnete der deutsche Reitverband (FN) den 34 Jahre alten Rekordreiter mit dem Titel "Reitmeister" aus. Diese Ehrung war für den dreimaligen Olympiasieger aber nur der angenehme Auftakt eines strammen Programms. Der Vielseitigkeitsreiter geht gewissermaßen fremd und misst sich mit den Springspezialisten, die er mit seinen Erfolgen schon häufiger geärgert hat.

"Das ist eine große Leidenschaft", sagt Jung über das Springreiten, das in der Vielseitigkeit nur eine der drei Teildisziplinen ist. "Es macht einfach Spaß." Die Springprüfungen sind für Jung aber nicht nur Hobby, er reitet sie mit dem gleichen Ehrgeiz wie die Vielseitigkeit. "Mal sehen, wie weit ich kommen kann", sagt er.

Bisher erstaunlich weit. 13 Siege bei internationalen Springen hat er in den vergangenen drei Jahren gefeiert – mehr als manch ein Springspezialist aus dem deutschen B-Kader. Die bedeutendste Platzierung war bislang der zweite Platz beim Großen Preis von München 2015. Beim Höhepunkt des Vier-Sterne-Turniers ließ er sogar Cracks wie Marcus Ehning und Christian Ahlmann hinter sich.

In den Hauptprüfungen von Stuttgart wird das diesmal nicht passieren. Jung hat nur zwei Nachwuchspferde und Sportsmann mitgebracht, der zuletzt verletzt war und wohl noch nicht bei 100 Prozent ist. Bei den ganz großen Springen ist Jung dieses Mal nicht dabei.

Während andere Vielseitigkeitsreiter während der Hallensaison von Mitte Oktober an fast keine Wettbewerbe bestreiten, tritt Jung häufiger bei Springturnieren an. Schwerpunkt der Arbeit ist im Winter gleichwohl das Training. Nicht nur mit Sam, mit dem er in Rio seine dritte olympische Goldmedaille gewann. "Sam ist ein Sportler, der braucht immer ein bisschen Training", berichtet Jung. "Wir galoppieren über die Wiesen und springen über Bäume und andere Hindernisse", berichtet Jung. Das Motto lautet: "Alles, was ihm Spaß macht." Fünf- oder sechsmal in der Woche wird das Goldpferd geritten. "Ab Januar wird das Training dann wieder gezielter." Das gilt auch für die anderen Pferde in Jungs Stall.

Wichtiges Ziel für das kommende Jahr ist die Europameisterschaft, bei denen er als bisher einziger Reiter dreimal hintereinander Doppel-Gold gewann. Zu seinem Programm 2017 gehören auch die Klassiker der Vielseitigkeit in Kentucky, Badminton und Burghley. Als erster Reiter könnte Jung zum zweiten Mal den Grand Slam gewinnen und einen weiteren Rekord aufstellen. Beim Auftaktspringen am Donnerstag in Stuttgart war Jung, der mit Sportsmann (59,35) auf Rang vier ritt, zweitbester Deutscher hinter dem zweitplatzierten Felix Haßmann aus Münster mit Brazonado (58,65).

Es siegte der Brite John Whitaker, der mit Argento fehlerfrei blieb und in 58,52 Sekunden die beste Zeit ritt. Einen schlechten Tag erwischte der Weltranglistenerste Christian Ahlmann, der mit seinen Pferden Aragon und Taloubet auf den Plätzen 84 und 85 landete – unter 85 Paaren. Hans-Dieter Dreher (Eimeldingen) wurde auf Quiwi Dream mit vier Strafpunkten in 66,44 Sekunden 58.