Djokovic kehrt auf den Thron zurück

dpa

Von dpa

Mo, 16. Juli 2018

Tennis

Klarer Erfolg im Wimbledon-Finale gegen Kevin Anderson / In der Vorschlussrunde war’s deutlich spannender.

LONDON (dpa). Dank eines klar überlegenen Auftritts wurde Rückkehrer Novak Djokovic zum vierten Mal Wimbledon-Sieger. Er stoppte dabei im Endspiel Marathon-Mann Kevin Anderson. Der serbische Tennisprofi Djokovic setzte sich im Endspiel am Sonntag mit 6:2, 6:2, 7:6 (7:3) durch und ließ dem südafrikanischen Roger-Federer-Schreck bei dessen Endspiel-Premiere beim bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt keine Chance.

Als er seinen dreijährigen Sohn Stefan nach seinem Wimbledon-Triumph auf der Tribüne sitzen sah, wurde Novak Djokovic noch emotionaler. "Es fühlt sich unglaublich an. Denn zum ersten Mal habe ich jemanden, der Papa, Papa schreit. Ich kann nicht glücklicher sein", sagte der 31-Jährige gerührt und scherzte: "Er war der beste Trainingspartner, den ich in den vergangenen zwei Wochen hatte."

Nach den Endlos-Halbfinals über zwei Tage hatte es der Serbe eilig und feierte nach 2:19 Stunden den nächsten Wimbledon-Triumph (zuvor 2011, 2014, 2015). Dank eines Returnfehlers von Anderson verwandelte Djokovic seinen zweiten Matchball zu seinem insgesamt 13. Grand-Slam-Titel.

Beide Finalisten hatten anstrengende Halbfinals wegstecken müssen. Erst 24 Stunden zuvor und nach einer Gesamtspielzeit von 5:15 Stunden hatte Djokovic seinen Final-Einzug perfekt gemacht. Er hatte den an Nummer zwei gesetzten Spanier Rafael Nadal 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 3:6, 10:8 geschlagen. Auf den gewohnten freien Tag vor dem Schlussakt hatte der 31-jährige Djokovic verzichten müssen. Grund war das zweitlängste Match der Wimbledon-Geschichte, das sich am Freitag US-Open-Finalist Anderson mit John Isner (USA) in 6:36 Stunden geliefert hatte (7:6, 6:7, 6:7, 6:4, 26:24). Das zweite Halbfinale hatte im Anschluss am Freitagabend nicht mehr beendet werden können.

Anderson spürte offenbar die Nachwirkungen seines Marathonmatches vom Freitag. Schon Ende des ersten Satzes ließ sich der Weltranglisten-Achte am Arm behandeln. Nach seiner Vorschlussrundenpartie berichtete der 32-Jährige von geschwollenen, schmerzenden Füßen" und "Beinen wie Wackelpudding".

Anders als im Viertelfinale gegen den Schweizer Federer, in dem er einen 0:2-Satz-Rückstand noch in einen Fünf-Satz-Sieg (13:11 im letzten Durchgang) wendete, konnte Außenseiter Anderson den nächsten Starspieler am letzten Tag des zweiwöchigen Rasenspektakels lange nicht gefährden. Die ersten beiden Sätze entwickelten sich zu einer klaren Angelegenheit für den Serben, Anderson erlaubte sich in seinem zweiten Grand-Slam-Finale zu viele vermeidbare Fehler. Dennoch rackerte der 2,03 Meter große Hüne auch im dritten Satz weiter. Zum 5:5 und 6:6 musste Djokovic insgesamt fünf Satzbälle abwehren. Im Tiebreak ging der Favorit dann mit einem Vorhand-Passierball 3:1 in Führung und behauptete sich.

Nach zwei problematischen Jahren ohne Grand-Slam-Titel, nach einer langwierigen Ellbogenverletzung und Motivationsproblemen präsentierte sich Djokovic rechtzeitig für Wimbledon so stark wie seit seinen Glanzzeiten im Jahr 2016 nicht mehr. Teilweise schwebte der 31-Jährige durch das Turnier, er beendete den Traum von Nadal, zum dritten Mal in einem Jahr die French Open und Wimbledon zu gewinnen und zerstörte im Finale die Hoffnung von Anderson auf den ersten Grand-Slam-Titel.

Djokovic hatte vor zwei Jahren nach seinem French-Open-Coup noch alle Grand-Slam-Titel in seinem Besitz. Nach seiner Rückkehr nach seiner Ellbogen-Operation im Februar hatte er zunächst nicht die Form vergangener Tage gehabt. Der Weg zu seinem vierten Wimbledon-Titel war jetzt auch durch das überraschende Scheitern von Federer ermöglicht worden. Der Publikumsliebling hatte in der Runde der besten Acht gegen Anderson mit zwei Sätzen vorn gelegen und einen Matchball vergeben.