DTB-Führung scheitert

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Von dpa

Fr, 17. August 2018

Tennis

Der Tennis-Weltverband reformiert wie geplant den Davis-Cup.

ORLANDO (dpa). 118 Jahre nach seiner Einführung wird der Davis-Cup einer Radikalreform unterzogen. Vom kommenden Jahr an wird der traditionsreiche Team-Wettbewerb im Tennis nicht mehr über die ganze Saison verteilt in vier K.o.-Runden mit Heim- und Auswärtsspielen ausgetragen. Stattdessen gibt es nach einer Qualifikationsrunde im Februar eine große Finalwoche an einem neutralen Ort im November.

Insgesamt 18 Mannschaften sollen zunächst in sechs Dreier-Gruppen und danach im K.o.-System mit Viertelfinale, Halbfinale und Finale den neuen Champion ausspielen. Zudem wird statt über drei Gewinnsätze nur noch über zwei Gewinnsätze gespielt. Statt vier Einzeln und einem Doppel soll es nur noch zwei Einzel und ein Doppel geben. Die erste Auflage des neugestalteten Wettbewerbs ist vom 18. bis 24. November 2019 in Madrid oder Lille geplant. Der umstrittene Vorschlag von ITF-Boss David Haggerty erhielt auf der Generalversammlung in Orlando/Florida von den 147 Mitgliedsnationen 71,4 Prozent der Stimmen und schaffte damit die Zwei-Drittel-Mehrheit. Hinter den Plänen steckt die von Spaniens Fußballstar Gerard Piqué geführte Investmentfirma Kosmos, die der ITF für 25 Jahre drei Milliarden Dollar versprochen hat. Zwar blieben Details des Deals auch nach der Abstimmung unklar, dennoch stimmten wohl vor allem die kleineren Verbände wegen des Geldes für die Reformpläne. "Das neue Event wird ein richtiges Festival von Tennis und Unterhaltung", sagte Haggerty.

Der Deutsche Tennis-Bund hatte sich dagegen vehement gegen die Pläne gewehrt. Zwar sah auch der DTB die Notwendigkeit, den Davis-Cup zu reformieren. Die Radikalität der Haggerty-Pläne geht den deutschen Tennis-Bossen aber zu weit. Deshalb stimmten sie wie auch die großen Tennis-Nationen England und Australien gegen die Totalveränderung des Wettbewerbes – am Ende vergeblich. "Wir waren leider nicht erfolgreich. Gestern waren wir noch zuversichtlich und hatten genügend Stimmen", sagte DTB-Boss Ulrich Klaus. "Das ist jetzt schon eine große Enttäuschung. Es wurde nur über Geld, aber nicht über Sport geredet", sagte Klaus. Vor allem die Tatsache, dass nun nur noch einmal im Jahr die Möglichkeit auf ein Heimspiel besteht, stieß beim DTB auf heftige Kritik. "Diese Entscheidung bedeutet, dass man möglicherweise über Jahre hinweg kein Heimspiel mehr austragen wird. Das ist ein falscher und viel zu radikaler Ansatz", sagte Klaus. Deutschland konnte den Davis- Cup bislang drei Mal gewinnen. Vor allem zu den Zeiten von Boris Becker hatte es unvergessliche Partien im Mannschaftswettbewerb gegeben.