"Ein Kindheitstraum wird wahr"

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 18. September 2017

Volleyball

Hans-Dieter Dreher aus Eimeldingen gewinnt auf seiner Stute Berlinda überraschend den Großen Preis von Donaueschingen.

DONAUESCHINGEN. Jahrelang ist Hans-Dieter Dreher dem Sieg im Fürst zu Fürstenberg-Gedächtnispreis beim Donaueschinger CHI hinterher geritten. Mit mäßigem Erfolg. Ein dritter Rang auf Magnus Romeo 2011 war das beste Ergebnis. Doch bei der 61. Auflage des Traditions-CHI ist für den Springreiter aus Eimeldingen "ein Kindheitstraum wahr geworden". In einem spannenden Stechen triumphierte der sportliche Leiter des Gestüts Grenzland im Sattel der Stute Berlinda am Sonntag und wurde von den 15 000 Zuschauern (total 44 000) begeistert gefeiert.

Als letzter von sechs Startern bewältigte Dreher mit seiner neunjährigen Stute nach dem Umlauf auch den mit neun Hindernissen bestückten Stechparcours souverän als Schnellster. Unter dem Jubel des Publikums unterbot er in 40,79 Sekunden noch die führende 23-jährige Laura Klaphake (Mühlen), die 41,27 Sekunden mit ihrem EM-Pferd Catch me if you can vorgelegt hatte. Dritte wurde die Österreicherin Julia Houtzager-Kayser auf Cayetano (42,58). Nur diesem Trio gelangen Nullrunden. Mit je einem Abwurf folgten der Niederländer Gert-Jan Bruggink auf Charmeur (39,81) und Christy unter Marcus Ehning (Borken/42,80), der Drehers Sieg vorausgesagt hatte. "Ich kenne Hansi und die gute Form seines Pferdes", sagte Ehning über "einen guten Freund".

Zuvor hatte Dreher im Schlosspark wenig Glück gehabt. "Das war leider meine einzige Platzierung, aber die reicht ja auch", kommentierte der 45-jährige Profi einen seiner bislang größten Erfolge und schwang sich in seine Siegprämie, eine rote Limousine aus Bad Cannstadt. Von Berlinda, die erst seit drei Monaten in seinem Stall steht, schwärmt Dreher geradezu euphorisch: "Ihr Potenzial ist gewaltig, sie ist einfach zu reiten, absolviert jedes Springen locker, besitzt stets volle Übersicht und lässt auch mich dabei gut aussehen – ein Traumpferd."

Entdeckt hat den sprunggewaltigen Vierbeiner, mit dem Dreher auf Anhieb den Großen Preis von Ascona gewann und zuletzt in Paderborn Zweiter wurde, der Schweizer Pferdehändler Ruedi Stüssi in der Slowakei. Dort wurde die braune Stute nur in kleineren Prüfungen eingesetzt. Drehers neuer Sponsor Roland Zanotelli aus Basel kaufte Berlinda und stellte sie dem Eimeldinger zur Verfügung. "Er unterstützt mich auch mit weiteren hoffnungsvollen Pferden", erläuterte Dreher.

Tags zuvor entschied Janne Friederike Meyer-Zimmermann das Championat der Stadt Donaueschingen für sich. Die Hamburgerin war im Stechen auf ihrem erst acht Jahre alten Hannoveraner Minimax fehlerfrei und in 32,70 Sekunden fixer als Rolf Moormann (Großenkneten) mit Samba de Janeiro (34,19) und der Niederländer Marc Houtzager mit Edinus (34,65). Den Preis der Freunde und Förderer sicherte sich der in Baden-Württemberg lebende Schweizer Adrian Schmid auf Camilla vor seinem Landsmann Pius Schwizer mit Balou Rubin und Tina Deuerer aus Bretten, die das Finale der Mittleren Tour gewann, mit dem Holsteiner Hengst CT.

Dominierende Dressurreiterin mit drei Siegen war wieder einmal Isabell Werth. Die dreifache Europameisterin von Göteborg war auf ihrem neunjährigen Flamboyant sowohl in der Qualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal mit starken 78,31 Prozentpunkten als auch auf Don Johnson FRH im Grand Prix das Maß der Dinge. Der 16-jährige Hannoveraner erhielt für seine Vorstellung 77,94 Prozent und verwies Jessica von Bredow-Werndl mit Unee (76,64) und deren Bruder Benjamin Werndl mit Daily Mirror (72,00) auf die Plätze. "Er ist ein Charakterpferd, macht häufig auf dem Abreiteplatz Eskapaden, ist dann aber bei der Prüfung konzentriert – man muss ihn so nehmen wie er ist, und dafür liebe ich ihn", beschrieb Werth die Launen ihres Wallachs.

Mithin störte es die Rheinbergerin kaum, dass sie im Grand Prix Special das Nachsehen hatte. Hier zeigte sich Don Johnson (72,509) erst im Viereck widerspenstig. "So hält er mich wach und demütig", sagte Isabell Werth. Dafür freute sich ihre Schülerin Jessica von Bredow-Werndl (Tuntenhausen/77,156) wenige Wochen nach ihrer Babypause über ein "unerwartet erfolgreiches" Comeback mit ihrem 16-jährigen Rapphengst. "Ubee ist in der Form seines Lebens."

Beim Gespannfahren der Viererzüge behauptete sich Chester Weber (USA) in der dreiteiligen Kombination mit 140,19 Strafpunkten vor dem Franzosen Benjamin Allaud (144,25) sowie Georg von Stein (Modautal/145,43). Bei den Pony-Vierspännern ging die Goldschleife an Dieter Höfs aus Weil der Stadt (143,57). Es folgten die Niederländerin Marijke Hammink (144,71) und der deutsche Meister Steffen Brauchle aus Ludwigsburg (145,51). Glimpflicher als befürchtet verlief ein spektakulärer Unfall auf der Gelände- und Streckenfahrt, Herzstück des dreiteiligen Wettbewerbs. Der Schwede Axel Odin prallte mit seiner Kutsche gegen einen Hindernispfosten. Während Odin und seine Beifahrer vom sich mehrfach überschlagenden Wagen katapultiert wurden, galoppierten die Pferde davon, konnten aber unverletzt eingefangen werden. Auch Odin blieb ohne Blessuren, seine beiden Grooms, darunter eine Frau, wurden ins Krankenhaus gebracht, kamen aber entgegen ersten Mitteilungen mit Prellungen davon.

Turnierchef Kaspar Funke, der seinen Vertrag mit der Stadt bis 2023 verlängert hat, zog ein positives Fazit. 2018 und 2019 mit der Viererzug-DM sowie -EM soll das Turnier bereits am dritten Augustwochenende stattfinden. Für 2021 bewarb man sich um die Dressur-EM.

Weitere Infos und Ergebnisse unter http://www.chi-donaueschingen.de