Ein Teil des Teams sein

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 21. November 2016

Volleyball

NACHSPIEL: Die Volleyballerinnen aus Offenburg finden mit den Fans zu einer Einheit.

VOLLEYBALL 2. Bundesliga Frauen: VC Offenburg – Nawaro Straubing 3:1 (21:25, 27:25, 27:25, 25:12). Schon die Vorzeichen deuteten auf Bedeutung hin. Es war nicht nur das vierte Heimspiel. Nein, es war ein Heimspiel, von dem mehr zu erwarten war: Aussagekraft für die weitere Spielzeit. Aber vor allem waren die Fans notwendig, die Mannschaft zu motivieren – eine gewisse Lethargie zu überwinden.

Trainerin Tanja Scheuer, die im März ihr zweites Kind erwartet, suchte nach Spielschluss erst einmal einen Stuhl. "Ich kann nicht mehr stehen." Sie soll damit fertig werden, dass sie manches gelassener von außen betrachten muss. So auch im ersten Durchgang eine Mannschaft, die träge auf dem Feld stand, sich selbst nicht in Schwung brachte und so in zahlreichen Elementen des Spiels hintendran war.

Der Platz Fritz Scheuers, Präsident des VCO, ist normalerweise auf der Tribüne. Dort unterhält er die wichtigen Gäste, erklärt ihnen das durchaus komplexe Geschehen auf dem Feld. Doch diesen Samstag stand er hinter der Offenburger Bank an der Wand und war mit lautem Anfeuern beschäftigt. "Ich war froh, dass Fritz hinter uns stand und gepowert hat", sagte seine Schwiegertochter.

Mit Stimmung könne so viel gesteuert werden, bekannte die Trainerin und stellte ihrer kritischen Grundhaltung über die Leistung des Teams selbst die Freude über den erspielten Erfolg gegenüber. Am Ende des Spiels war der Stimmungslevel berauschend, doch bis dahin war es ein langer Weg. Die Trainerin ließ das nicht los. Dass ihr Team diese Powerstimmung nicht aus dem Team heraus generierte, störte sie. Es brauchte deshalb die Fans und Unterstützer, die die Mannschaft auf den hohen Level pushten. Dabei spielten Akteurinnen in ihren Reihen, die keiner zu motivieren brauchte. Katrin Kreuzer zum Beispiel. Rund 14 Monate nach ihrem Kreuzbandriss stand die angehende Gymnasiallehrerin wieder auf dem Feld. "Ich hatte schon vergessen, welche Emotionen auf einen einprasseln, wie es sich anfühlt, Teil des Teams zu sein." Der Sportpsychologe Falko Rheinberg von der Universität Potsdam beschrieb Motivation als "die Orientierung des aktuellen Verhaltens auf ein bestimmtes, positiv bewertetes Ziel." Das kann ein wichtiger Wettkampf sein, auf den man sein Verhalten ausrichtet. "Bei der Realisierung dieser Absicht kommt der Wille ins Spiel. Für die erfolgreiche Ausübung eines Sports müssen sich Athletinnen und Athleten Ziele setzen und sich selbst regulieren können."

"Ich hatte schon vergessen, welche Emotionen

auf einen einprasseln."

Katrin Kreuzer
Das Spannungsfeld zwischen Erfolgszuversicht und Misserfolgsängstlichkeit lässt sich bei Katrin Kreuzer gut aufzeigen. Sie war darüber überrascht, so viele Einsatzzeit zu bekommen. Nach ihrer Verletzung spielt die Angst im Hinterkopf mit, erzählt sie. "Noch immer kann ich den Moment der Verletzung mental abrufen." Seit rund zwei Monaten trainiert sie wieder mit dem Team. Dort habe sie sich neue Sicherheit geholt. Die Arbeit mit Mentaltrainerin Anke Brecht, die der 28-Jährigen wieder zu der Sicherheit und Ausstrahlung verhalf, zeigte sich am Samstag nach erfolgreichen Aktionen: mitreißende Emotionalität.

Ihre Einstellung war ein wesentlicher Faktor in dem eine Stunde währenden Spiel, in den offenen Sätzen zwei und drei. 27:25 stand es gleich zweimal für den VCO. Dieses Ergebnis war auch das Resultat des Wechselspiels zwischen Fans und Akteurinnen.

Am Samstag stimmte das Gesamtpaket, das gerne als "Nordwest-Hölle" bezeichnet wird. Mit den Fans, die drei Spieltage brauchten, um richtig warm zu laufen, passen Anspruch und Resultat zusammen. In welche Richtung weist der 3:1-Erfolg gegen den Absteiger aus der Bundesliga nun? "Wer Konstanz in der Leistung erreicht", sagte Gästetrainer Andreas Urmann, "wird am Ende oben mit dabei sein."

Diesen Beweis muss die Offenburger Frauschaft nun in fremden Hallen antreten. Reicht dort die Motivation, welche das Team aus sich heraus aus generiert, um das Leistungsniveau des Ensembles zu konservieren?