Ein Weltmeister, zwei Geher und zwei Läufer

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 04. August 2018

Leichtathletik

Neben Marie-Laurence Jungfleisch wollen bei der Europameisterschaft fünf weitere Südbadener glänzen – oder wenigstens starten.

Carl Dohmann (28)

» Geher, 50 Kilometer
Den Gehern bieten die EM-Macher die ganz große Bühne: Der Rundkurs führt durch die Berliner Innenstadt, über 50 Kilometer werden zudem die ersten Titel dieser EM vergeben. Am Dienstag geht’s um 8.35 Uhr los, erstmals kämpfen auch Frauen über diese Distanz um die Medaillen. Carl Dohmann, in Freiburg lebender Student der Volkswirtschaftslehre, weiß die Aufmerksamkeit zu schätzen, die das Gehen in Berlin erfährt. Und er will angreifen. 2017 etablierte sich der 28-Jährige als WM-Zehnter in der Weltelite. Nun konnte er sich ohne Verletzung oder Krankheit gezielt vorbereiten auf die Heim-EM – unter anderem mit einem vierwöchigen Trainingslager im Rila-Gebirge (Bulgarien) auf 2000 Metern Höhe.

Nathaniel Seiler (22)

Geher, 50 Kilometer
Was für ein Zufall: Drei deutsche Geher starten in Berlin über den langen Kanten, die 50 Kilometer, und zwei davon sind am selben Tag zur Welt gekommen. Am 6. April 1996 erblickten Carl Junghanß (Erfurt) und der inzwischen in Freiburg lebende Baden-Badener Nathaniel Seiler das Licht der Welt. Seiler, der ebenso wie Carl Dohmann von Robert Ihly (Offenburg) gecoacht wird, hat ein vorrangiges Ziel für seinen ersten Start bei einer großen internationalen Meisterschaft: Er will seine persönliche Bestzeit um fast zwei Minuten steigern und damit die (voraussichtliche) Norm für die WM 2019 gehen: 3:53 Stunden.

Christoph Kessler (23)

» 800-Meter-Läufer
34 Jahre nach dem Furtwanger Axel Harries, der bei Olympia in Los Angeles dabei war, kommt wieder ein hoffnungsvoller 800-Meter-Läufer aus dem Schwarzwald: Christoph Kessler aus Donaueschingen. Am Donnerstag (11.30 Uhr) wird er schon im Vorlauf kämpfen müssen, um das Halbfinale am Freitag zu erreichen. Kessler wurde vor zwei Wochen in Nürnberg deutscher Vizemeister. Er studiert in Karlsruhe Chemieingenieurwesen.

Johannes Vetter (25)

Speerwerfer
Gold, Silber, Bronze – wenn es nach der Weltjahresbestenliste ging, würden die deutschen Speerwerfer alle drei Medaillen gewinnen. Johannes Vetter von der LG Offenburg ist der amtierende Weltmeister, vor einem Jahr in London ließ er alle hinter sich. Nach einer Oberschenkelverletzung, durch die er rund sechs Wochen keine Wettkämpfe bestritt, kam der kräftige Werfer bei der deutschen Meisterschaft zurück – zwar wurde er nur Dritter, aber die Weite von 87,83 Metern war sehr beachtlich. Vetter ist am Mittwoch, von 13 Uhr an, in der Qualifikation gefordert. Das Finale findet am Donnerstag statt. Um 20.22 Uhr beginnt’s.

Sophia Sommer (23)

400-Meter-Staffelläuferin
Die Studentin der Sozialen Arbeit kann ihr Glück kaum fassen. Eigentlich wollte sie mit einer Freundin nur für einen Abend zur EM nach Berlin – als Zuschauerin. Doch ihr schneidiger 400-Meter-Endlauf bei der deutschen Meisterschaft, bei dem sie die persönliche Bestzeit um fast eine Sekunde auf 53,17 Sekunden drückte, bescherte der Athletin des TV Bahlingen das EM-Ticket – als Athletin. Vielleicht springt als Staffelläuferin ja ein Start im Vorlauf am Freitag (13.40 Uhr) oder im Finale am Samstag (21.50 Uhr) heraus.