Rudern

EM-Gold für Jakob Schneider aus Ihringen mit dem Deutschland-Achter

dpa, gg

Von dpa & Georg Gulde

So, 05. August 2018 um 22:05 Uhr

Rudern und Kanu

Jakob Schneider, aus Ihringen stammender Sportler, gewinnt mit dem Deutschland-Achter bei der Europameisterschaft in Glasgow Gold.

Auf das Paradeboot ist Verlass. Nach einer bis dahin enttäuschenden Vorstellung der deutschen Ruderer bei der Europameisterschaft in Glasgow sorgte der Deutschland-Achter mit dem aus Ihringen stammenden Jakob Schneider für einen umjubelten Abschluss. Die Crew um Schlagmann Hannes Ocik setzte sich am Sonntag im Finale der kontinentalen Titelkämpfe letztendlich deutlich vor den Niederlanden und Rumänien durch.
"Wir waren echt am Limit, aber das Resultat am Ende war gut", kommentierte der Schweriner Ocik den bereits sechsten EM-Triumph in Serie. Bundestrainer Uwe Bender war sichtlich erleichtert: "Kompliment an die Mannschaft. Sie hat das souverän herausgefahren." Sein seit 2016 bei allen Finalrennen ungeschlagenes Team geht damit als Favorit in die Weltmeisterschaft vom 9. bis 16. September im bulgarischen Plowdiw.

Auf dem Rudersee im Strathclyde Country Park erwischte der Achter keinen guten Start, steigerte sich dann aber. Nach der 1000-Meter-Marke zog das Boot an den zuvor führenden Niederländern vorbei. 500 Meter weiter betrug der Vorsprung bereits eine halbe Bootslänge, die Führung gab Deutschland nicht mehr her. "Heute hat man gemerkt, dass wir die Gejagten sind", sagte Torben Johannesen, "vor allem die Niederländer haben richtig Druck gemacht." Es spricht für die mentale Stärke der Crew, dass sie selbst unter Druck die Ruhe bewahrt. "Sie können sich auf den Punkt konzentrieren, das ist nicht selbstverständlich", lobte DRV-Cheftrainer Ralf Holtmeyer.

Wird nun der WM-Titel verteidigt?

Die nächste Zukunft heißt nun aber erst einmal Weltmeisterschaft. "Bei der WM kommen die USA hinzu, die noch nirgendwo aufgetreten sind in dieser Saison. Und Australien. Aus Übersee kommt große Konkurrenz", sagte Bender. Bei der WM 2017 in Sarasota (US-Bundesstaat Florida), als Jakob Schneider ebenfalls schon im deutschen Weltmeister-Achter saß, hatte der deutsche Achter vor Gastgeber USA und Italien gewonnen. Er hatte damit ein sensationelles Jahr gekrönt, in dem er unter anderem ungeschlagen geblieben war, den EM-Titel errudert hatte und beim Weltcup in Poznan (Polen) eine Weltbestzeit über die klassische Distanz von 2000 Metern aufstellen konnte (5:18,68 Minuten). Zum Vergleich: Bei den European Championships in Glasgow kam die Crew nach 5:27,48 Minuten ins Ziel – und lag damit 2,03 Sekunden vor den Niederlanden, 2,23 vor Rumänien, 4,27 vor Italien und 4,47 vor Olympiasieger Großbritannien.

Die Athleten des Deutschland-Achters mussten nach der Siegerehrung noch ein zweites Mal an diesem Tag mächtig Gas geben: Lediglich knapp drei Stunden, nachdem Ocik, Johannesen, Schneider, Johannes Weißenfeld, Felix Wimberger, Maximilian Planer, Malte Jakschik, Richard Schmidt und Steuermann Martin Sauer voller Inbrunst die Nationalhymne mitgesungen hatten, ging ihr Flieger vom Glasgower Flughafen Richtung Heimat.

Anders als im Achter-Rennen ging die deutsche Flotte in den weiteren 13 olympischen Wettkampfklassen leer aus. Überraschend kam das jedoch nicht. Schließlich war der Deutsche Ruder-Verband (DRV) mit einer B-Mannschaft nach Schottland gereist und hatte nur sieben Boote gemeldet, um die Vorbereitung der Top-Athleten auf die nahe Weltmeisterschaft nicht zu stören. Neben dem Achter gelang nur dem Vierer ohne Steuerfrau der Finaleinzug. Doch das Team um Schlagfrau Alexandra Höffgen (Neuss) musste sich am Samstag mit Rang sechs begnügen.

Die Chance, das neue EM-Format mit sieben Sportarten für mehr Medienresonanz zu nutzen, wurde damit verspielt. "Wir haben die Europameisterschaft nicht konsequent genug ins Programm genommen", sagte Holtmeyer. Das habe allerdings auch daran gelegen, dass die Finanzsituation im Winter durch die späte Regierungsbildung ungeklärt gewesen sei. "Mit dem zweiten Anzug ist man hier chancenlos", sagte Holtmeyer. "Wir hatten uns nach den ersten Weltcups, die sehr gut waren, ein bisschen überschätzt. Das reicht nicht." Daraus müsse man in Zukunft lernen.