Finaltraum geplatzt, schon wieder

Michael Buchholz

Von Michael Buchholz

Mo, 14. Januar 2019

Ringen

Die Adelhauser Bundesligaringer scheiden nach 11:17-Niederlage im Rückkampf wie im Vorjahr im Playoff-Halbfinale aus – Titelverteidiger Burghausen pokert besser.

RINGEN. Der Traum vom Finale bleibt erneut unerfüllt: Wie im Vorjahr ist für den TuS Adelhausen im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft Schluss. Titelverteidiger SV Wacker Burghausen steht nach dem 17:11 im Rückkampf im Finale und trifft dort auf die Red Devils Heilbronn, die sich gegen den ASV Mainz durchgesetzt haben.

"Die bessere Mannschaft hat gewonnen." TuS-Freistil-Trainer Bernd Reichenbach suchte keine Ausreden, zerknirscht räumte er die Verdientheit der Niederlage ein, klammerte sich nach Kampfende in der mit rund 1200 Zuschauern ausverkauften Sportparkhalle aber an den juristischen Strohhalm: "Wenn die Gerechtigkeit siegt, schaut alles anders aus." Die Beschwerde gegen den Verwaltungsentscheid, mit der die Adelhauser eine 40:0-Wertung des Vorkampfes (13:13) hatten erwirken wollen, wurde allerdings vom Bundesrechtsausschuss am Sonntag abgelehnt und damit die vage Hoffnung auf den größten Erfolg der Vereinsgeschichte zerstört. Ob weitere Rechtsmittel eingelegt werden, ist noch offen.

"Letzte Woche ist alles falsch gelaufen, was falsch laufen kann", blickte Reichenbach kritisch auf den Hinkampf zurück, und auch einige der mitgereisten rund 100 Fans machten das Ausscheiden an den Leistungen der Vorwoche fest, als der TuS nach einer 13:0-Führung alle Schlüsselkämpfe verloren hatte und so ohne Polster nach Burghausen reisen musste.

Adelhausen lässt früh die entscheidenden Punkte liegen

Wie im Hinkampf gelangen auch im zweiten Duell nur vier Einzelerfolge, auf der Waage wurde klar, dass Burghausen bei der Aufstellung hoch pokerte und sich damit Vorteile fürs Kampfgeschehen verschaffen wollte. Wacker-Trainer Eugen Ponomartschuk hatte mit der Nominierung von Dominik Ratz und Anton Losowik in Klassen, in denen ohnehin nichts zu holen war, bewusst zwei klare Niederlagen in Kauf genommen und damit reichlich Punkte gespart, um vier ausländische Spitzenringer einsetzen zu können. Es zahlte sich aus.

Jörn Schubert kam im Freistil-Bantam gegen Vladimir Egorov ebenso wenig über die Zeit wie Stephan Brunner gegen Cengizhan Erdogan (71 Kilogramm Freistil). Und auch Georg Harth musste im Freistil-Mittelgewicht mit dem Schlussgong ein 0:16 gegen Kakhaber Khubezhty hinnehmen. Lediglich Alexander Semisorow schlug sich im abschließenden Freistil-Welter gegen Magumedmurat Gadzhiev mehr als beachtlich, hatte den Burghauser für Sekundenbruchteile auf der Schulter und unterlag am Ende nur knapp mit 4:5. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind aber längst in den Brunnen gefallen, ein Überraschungssieg von Semisorow hätte den TuS nur noch auf 15:16 herangebracht. Zur Pause stand es 8:5 für Wacker, das die Führung bis auf 16:5 ausbauen konnte, so benötigte Roland Schwarz im achten Kampf mindestens einen Dreier – nach seinem 2:0-Sieg stand der Burghauser Finaleinzug fest. "Die sportliche Leitung und die Trainer haben eine Aufstellung gewählt, die äußerst riskant, aber absolut erfolgreich war. Das ist voll aufgegangen", sagte Burghausens Ringerboss Jürgen Löblein. Enttäuschung dagegen beim TuS.

Die entscheidenden Punkte hatten sie früh liegengelassen: So gab Ibrahim Fallacara in der Eingangsklasse gegen Fabian Schmitt beim 0:4 zwei Mannschaftspunkte ab, und als Ivo Angelov im Greco-Leicht gegen Witalis Lazovski – der Deutsche Meister bestritt nach langer Verletzung den ersten Kampf seit Wochen – nicht über ein 3:1 hinauskam, war schon zur Halbzeit absehbar, dass Adelhausen den Kürzeren ziehen würde. Da war längst Makulatur, dass der TuS nach dem 16:0 von Nick Matuhin im Schwergewicht gegen Anton Losowik nach dem zweiten Kampf mit 4:2 in Führung gegangen war. Unterm Strich wog für Adelhausen die Verletzung von Halbschwergewichtler Peter Öhler doch schwerer als die Sperre von Matthias Maasch für Burghausen, denn mit Bozo Starcevic nominierten die TuS-Trainer Reichenbach und Florian Philipp einen Fünf-Punkte-Mann im Greco-Halbschwer, der es gerade mal auf 82 Kilo brachte: Zu wenig um gegen Ramsin Azizsir (94,8 Kilo) etwas zu holen – der Burghauser brach zwar in Runde zwei etwas ein, brachte aber mit dem 6:2 zwei Mannschaftspunkte aufs Konto des aktuellen Titelträgers, der wie der Gegner die 28 möglichen Punkte bei der Aufstellung ausgeschöpft hatte.

Die mitgereisten Adelhauser Fans sorgten für prächtige Stimmung und feuerten ihr Team unermüdlich an. Am Support lag es jedenfalls nicht, dass zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale Endstation war.