Frühreifes Top-Talent

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mi, 22. August 2018

Badminton

Mark Obermeier aus Fischingen verblüfft schon in ganz jungen Jahren mit hohem Badminton-Niveau / Schon mit 13 Nummer eins der baden-württembergischen U 15.

BADMINTON. Der Fischinger Mark Obermeier gilt als eines der großen Badminton-Talente vom Hochrhein. Zuletzt bat ihn der Jugend-Bundestrainer zum Lehrgang, bei den deutschen Meisterschaften kämpfte er sich bis auf den fünften Platz. Über ein Talent, seinen großen Trainingseifer und seinen frühen Reifeprozess.

Manchmal da ist auch Lieven van der Hoofd noch ganz baff. Dabei hat der 45-Jährige in seiner mehr als drei Jahrzehnte dauernden Badminton-Zeit schon so einige Schmetterkünstler kommen und gehen sehen. Aber die Klasse seines jüngsten Schützlings verblüfft den Coach des BC Eimeldingen immer wieder. "Er kann viel erreichen", betont van der Hoofd. Nicht zuletzt Obermeiers Eifer sei signifikant ausgeprägt. "Mark hat einen positiven, gesunden Ehrgeiz, er ist trainingsfleißig und engagiert", sagt der Coach.

Mark Obermeier gilt in Expertenkreisen als ausgewiesenes Top-Talent. Ein Hochrheiner mit dem Zeug für weit oben. In der U-15-Landesrangliste ist er schon mit 13 Jahren als einer der jüngsten auf Platz eins gelandet.

"Gelernt habe ich es von meinem Onkel in Rumänien."

Seine Gegner vespert er oftmals im Viertelstundentakt ab. Der Lohn: Im vergangenen Herbst lud ihn Bundestrainer Dirk Nötzel erstmals zum Lehrgang des Talentteam Deutschlands U 15 ein – da war Obermeier noch zwölf. Das Turnier in Dänemark waren die ersten internationalen Schritte des Fischingers. Bei der deutschen Meisterschaft dieses Frühjahr war Obermeier bereits auf Halbfinalkurs, scheiterte im Viertelfinale dann aber im Tiebreak am späteren Vizemeister und Turnierfavoriten Simon Krax.

"Mark ist läuferisch extrem stark", betont Coach van der Hoofd, "über seine Schnelligkeit und Ausdauer macht er seine Gegner mürbe." Zwar müsse er körperlich nun im älteren Jahrgang nachlegen, findet der Trainer, der beim BC Eimeldingen auch seine talentierte Tochter Doreen van der Hoofd coacht. "Aber wenn er das macht, wird er auch dort erfolgreich sein."

Von ungefähr kommen die lobenden Worte nicht. Obermeiers Wochenprogramm ähnelt Profistrukturen. Montags trainiert der Rechtshänder in der Schweiz beim SC Uni Basel, dienstags mit van der Hoofd in Eimeldingen, mittwochs und freitags bekommt er Einzeltraining bei Christian Nyffenegger in Basel, donnerstags macht er beim Eimeldinger Jugendtraining mit. "Dazu kommen zweimal die Woche Physio und Krafttraining", sagt Mutter Tünde Obermeier, die den Jungspund regelmäßig nach Basel zu den Einheiten kutschiert. Nach Eimeldingen nimmt ihn van der Hoofd mit. Badminton als Familiensport, die Eltern des talentierten Rückschlagsportlers als personifiziertes Taxiunternehmen und Rundumsorglos-Paket.

Denn: Dem nicht genug, in den Ferien absolviert Obermeier regelmäßig ausgiebige Trainingslager in Südtirol. "Jedes Mal wenn wir ins Auto steigen und er fragt, wie lange wir fahren und es sind unter 500 Kilometer, dann ist das für ihn eine kurze Strecke", scherzt die 44-jährige Mutter. Im italienischen Norden hat Csaba Hamza, der einst Trainingseinheiten für die italienische und deutsche Nationalmannschaft leitete, seine Badminton-Schule. Mächtig Aufwand für die Eltern. Straffe Tage für den Sohnemann. Die Obermeiers machen Dampf. Was sich offenkundig lohnt.

"Gelernt habe ich es von meinem Onkel in Rumänien", erinnert sich der pfeilschnelle Gymnasiast an seine ersten Badminton-Schläge. Am Abend nach dem Training ist die Türe kaum ins Schloss gefallen, da sprudelt es aus Obermeier heraus. Onkel Zsolt Szilagyi erklärte dem Neffen einst die ersten Kniffe, vermittelte ihn später an die Badminton-Schule in Südtirol. Van der Hoofd, der etwa zeitgleich in Eimeldingen wegen seiner Tochter nach einer kurzen Pause wieder mit dem Jugendtraining begann, konnte so bei Obermeier auf einer soliden Basis aufbauen. "Und dann hat es schnell immer mehr Spaß gemacht", findet der Teenager, der oftmals gar nicht mehr so jugendlich wirkt. Weder auf dem Badmintonfeld, noch im Gespräch.

Obermeier ist seiner Zeit voraus. Badmintontechnisch ist er ein Frühreifer. Einer, der bald zu einer Nummer im schnellsten Rückschlagsport der Welt werden könnte. Bald. Denn auch für Pfeilschnelle gilt, wie es dem Volksmund nach heißt: Gut Ding will Weile haben.