Auf den letzten Drücker

Christian Engel

Von Christian Engel

Do, 26. April 2018

Hockey

Die Hockeyteams von 1844 demonstrieren daheim, wie man zu spät aufwachen und sehr spät einen sicheren Sieg herschenken kann.

HOCKEY. Es ist heutzutage modern, alles auf den letzten Drücker zu machen: Kurz vor knapp auf eine Klausur zu lernen, im Ansatz eines Wutausbruchs der Partnerin doch den Biomüll runterzubringen, gegen 19.30 Uhr dem Gastgeber einer Party abzusagen, weil eine bessere Einladung reingeflattert ist. Und dann kann man noch etwas auf den letzten Drücker machen: einen Sieg herschenken oder zu spät aufwachen. Meister darin, gestatten: die Hockeyteams von 1844 Freiburg.

Regionalliga Männer: 1844 Freiburg – RW München 4:4. Die Rückrunde der Regionalliga hätte am Wochenende nicht besser beginnen können: Leon Martini jagte die erste Chance, eine Strafecke nach zwei Minuten, ins Netz. In diesem Rhythmus wäre die Partie nach 70 Minuten mit 35:0 ausgegangen. Hätte auch ungefähr so klappen können, wenn Freiburg mehr seiner gut rauskombinierten Chancen genutzt und zwischendurch nicht ein paar Mal zu passiv verteidigt hätte.

Vor allem in der ersten Halbzeit demonstrierte 1844 Freiburg seine Stärken in der Offensive. Immer wieder wirbelte Veit Wasserfuhr wild gegen die rot-weiße Wand. Er war es auch, der nach zwischenzeitlichem Rückstand am Ende eines 40-Meter-Solos einen Siebenmeter rausholte. Der eiskalte Martini schüttelte sich und verwandelte ungerührt.

Leon Martini erhöhte nach der Pause per Strafecke, den erneuten Ausgleich konterte Julian Beck fünf Minuten vor Ende – 4:3. Als die Fans schon mit Eis und Kuchen auf den Sieg anstoßen wollten, murmelten die Gäste den Ball doch noch mal ins Netz – auf den letzten Drücker.

1844 Freiburg – ASV München 1:3. Am Tag danach, bei der Partie gegen ASV München, waren es dann die Männer von 1844, die den Start verschliefen. Die Offensive war präsent wie ein Romanistikstudent bei einer Vorlesung im Sommersemester um 8.15 Uhr. Die Defensive bekam die gegnerischen Stürmer überhaupt nicht in den Griff. 0:2 stand es zur Pause und nach Wiederanpfiff gleich mal 0:3. 15 Minuten vor Schluss wollte Freiburg dann doch noch mitspielen. Justus Kleifeld gelang nach Kuddelmuddel im Münchner Schusskreis der Anschlusstreffer, die anschließenden Chancen schossen die Stürmer knapp neben das Tor oder spielten sie schlecht aus. Die Aufholjagd kam zu spät – geht halt nicht alles auf den letzten Drücker.

Oberliga Frauen: 1844 Freiburg – HC Heidelberg 1:3. Wie es den Männern am Sonntag erging, war es den Frauen bereits am Samstag ergangen: Sie verschliefen den Start. Gegen Heidelberg war die Offensive präsent wie ein Familienvater beim Kaffeekränzchen der Schwiegermutter. Die Defensive bekam die gegnerischen Stürmer so gut in den Griff wie eine inkonsequente Mutter ihr zuckersüchtiges Kleinkind vor dem Schokoriegelregal. Erst nach 50 Minuten gelang beim Stand von 0:2 mal ein gescheiter Angriff: Inga Bartels knallte eine Argentinische Rückhand ins kurze Eck. Sekunden vor dem Schlusspfiff machten die Gäste das Freiburger Aufbäumen zunichte – mit einer Strafecke auf den letzten Drücker.