Eine Silbe, zwei Tore, drei Punkte

Christian Engel

Von Christian Engel

Mi, 06. Juni 2018

Hockey

Die Hockeyfrauen von 1844 Freiburg beenden die Saison mit einem Heimsieg gegen Stuttgart.

HOCKEY (chen). Oberliga Frauen: 1844 Freiburg – VfB Stuttgart 3:0. Es hat eine ganze Saison gedauert, bis das Geheimnis gelüftet wurde, weshalb 1844-Spielerin Inga Bartels auf dem Spielfeld "Inge" und nicht "Inga" gerufen werden will. Der Grund ist absolut vernünftig. Und hätte Inga nicht so vehement auf "Inge" bestanden, wäre das letzte Saisonspiel wohl nicht so hoch ausgefallen.

Zu Beginn der Partie jedenfalls spielten Inga-Inge und ihr Namenswirrwarr noch keine Rolle. Da lauerte Ada Haas wie ein Fuchs im gegnerischen Schusskreis. Und wer lauert wie ein Fuchs, kriegt irgendwann was zu fressen. Nach einem Abpraller war Haas hellwach, als wolle sie sich bei einem Energydrinkhersteller als Werbeträgerin anbieten. Als die Gegner realisierten, dass ihr Keeper eben einen Ball hatte abprallen lassen, hatte ihn Ada Haas schon versenkt, gejubelt, die Stutzen zurechtgerückt, sich wieder aufgestellt. Dann kam Stuttgart zur Besinnung.

Und in der Tat waren die Gäste nach zehn Minuten besser im Spiel, weil Freiburg schlechter im Spiel war. Freiburg wollte es kompliziert, Stuttgart drückte ein wenig auf die Tube, 1844-Torhüterin Carlita Stauber hielt. Und dann tauchte Alltag-Inga alias Spielfeld-Inge auf.

Gegen Ende der ersten Hälfte drosch die Freiburger Innenverteidigung einen langen Ball nach vorn und rief "Inge". Die Gerufene reagierte, nahm den Ball lässig an, spielte der gegnerischen Torhüterin einen Doppelknoten in die Waden, haute das Ding ins leere Tor. In der zweiten Hälfte kombinierte sich Freiburg über rechts an den Schusskreisrand, Haas spielte den Ball quer, rief "Inge"; die Gerufene reagierte, nahm den Ball lässig an, nötigte die gegnerische Torhüterin mit Doppelknoten in den Waden zu einem Hechtsprung, der allerdings ins Leere ging – 3:0.

Jetzt zur Erklärung, wieso "Inge" und nicht "Inga" und wieso das spielentscheidend war: "Inge", sagt Inga Bartels, sei kürzer als "Inga" – fast nur eine Silbe und nicht ganze zwei. Wenn die Innenverteidigung kurz vor dem 2:0 statt kurz und knackig "Inge" zu rufen das mehrsilbige Wortmonster "Inga" artikulieren muss, ist der Ball wohl längst über die Grundlinie gerollt, bevor Inga Bartels überhaupt reagieren kann. Auch beim exakt getimten Querpass von Haas auf Bartels bleibt keine Zeit für Zurufe aus der Kategorie "Bundesausbildungsförderungsgesetz" oder "Inga". Da entscheiden Millisekunden über Tor oder Nicht-Tor.

"Inge" also: (fast) eine Silbe, zwei Tore, drei Punkte. Besser hätte die Saison nicht enden können. "Unglaublich", findet Annabelle Bruns, die Seele der Mannschaft. Saisonplatz drei sei ein ganz fantastisches Ergebnis. "Wir wollen nächstes Jahr wieder oben mitspielen", sagt Bruns, die von ihren Mitspielerinnen "Robby" genannt werden will – dieses Namenrätsel versucht die BZ-Redaktion investigativ in der kommenden Saison aufzuklären.