Lauter verdorbene Pralinen

Christian Engel

Von Christian Engel

Di, 12. Dezember 2017

Hockey

Was die Niederlagen der Freiburger Hockey-Teams mit Straußenvögeln und Atemnot zu tun haben.

HOCKEY (chen). Das Leben ist bekanntlich wie eine Schachtel Pralinen. Mal kriegt man eine dunkle Zartbittere mit zärtlicher Nougatfüllung. Mal eine helle Süße, die Likör und feinen Marzipan umschlingt. Oder aber man erhält eine Schachtel, die einst hinter ein Regal geplumpst war, nach Jahrzehnten vom Supermarktleiter wiedergefunden und umgehend in der Kassen-Quengel-Zone zum Verkauf angeboten wurde. Die Hockeyteams von 1844 Freiburg erwischten am vergangenen Wochenende die verdorbene Schachtel.

Regionalliga Männer: RW München – 1844 Freiburg 12:6; TB Erlangen – 1844 Freiburg 6:4. Für den Aufstiegsaspiranten RW München begann die Partie ganz nach seinem Geschmack. Bereits nach einer Viertelstunde stand es 5:0. Das bisschen Selbstbewusstsein, das Freiburg nach bisher einem Punkt aus vier Saisonspielen geblieben war, schmolz dahin wie eine Schachtel Pralinen unter einem brütenden Straußenvogel, der in der afrikanischen Savanne hockt, bei 45 Grad Fieber und mit drei Decken aus Leopardenfell umhüllt.

Aber nach München gurken, um nach 15 Minuten aufzugeben, ist dann doch keine Option. Also pushten sich die Gäste, mit bissel Wut im Bauch, mit bissel Hoffnung in einer der Herzkammern. Und schlecht war’s nicht: Dreimal traf Tobias Wagner, einmal Veit Wasserfuhr. Freiburg agierte phasenweise auf Augenhöhe. Hätte München zwischendurch nicht noch zweimal genetzt, wäre die Ausgangslage zur Pause okay gewesen. Ein 4:7 hört sich dann aber eher nach abgelaufener Pfefferminz-Schokolade an.

Vor allem weil es noch fettiger kam: Nach dem Wechsel erhöhte München erneut das Tempo, war stocksicherer, überzeugte mit einstudierten Ballstafetten – gewann am Ende 12:6. Die Treffer von Wagner und Patrick Schütze brachten da auch nichts mehr.

Gegen Erlangen begann die Partie nach gleichem Rezept: frühe Gegentore in Serie. Drei an der Zahl erzielte der Gastgeber, erst am Ende des ersten Durchgangs gelang Freiburg ein Treffer durch Linus Ziegler. In der zweiten Hälfte rannte Freiburg dem Rückstand hinterher wie ein Straußenvogel einer gut genährten, aber wieselflinken Heuschrecke. Paul Schewe, Veit Wasserfuhr und Tobias Wagner brachten 1844 jeweils auf ein Tor heran, doch jedes Mal hüpfte Erlangen wieder ein Stück davon. Am Ende bedeutete das 4:6 die fünfte Niederlage in Folge – Freiburg steht auf einem Abstiegsplatz.

Verbandsliga Frauen: VfB Stuttgart – 1844 Freiburg 4:1. Auswärtsfahrten nach Stuttgart sind ja immer so ein Ding, da muss man höllisch aufpassen, dass einem vor lauter Feinstaub nicht die Lungen zukleistern. Aber am Sonntag waren es nicht die Mini-Partikelchen, die den Freiburgerinnen den Atem nahmen, dieses Mal waren es die Gastgeberinnen – und zwar von Beginn an. VfB Stuttgart schnürte Freiburg in den Anfangsminuten ein und führte prompt mit 2:0. 1844 war da noch gar nicht richtig im Spiel.

Der Anschlusstreffer von Friederike Jagau wirkte befreiend wie Schwarzwaldluft für die Atemwege – kam aber leider zu spät. In den letzten Minuten der Partie musste Freiburg mehr riskieren. Dadurch bekam Stuttgart mehr Platz zum Kontern – und traf so noch zwei Mal. Freiburg liegt nach fünf Spielen auf Platz vier.