Hungrige Dinkelberger

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 26. August 2018

Ringen

Der Sonntag Die Bundesliga-Ringer des TuS Adelhausen haben für die kommende Saison hohe Ziele.

Wenn Erinnerung zur Motivationshilfe wird. Die denkbar knapp im Halbfinale gescheiterten Griffkünstler des Ringen-Bundesligisten der TuS Adelhausen rüsten sich für die neue Runde. Die hochkarätigen Neuzugänge lassen aufhorchen. Ein Verein drängt nach oben.

Pause? Wozu braucht der Mensch überhaupt Pausen? Dachten sich wohl die beiden Bundesligatrainer des TuS Adelhausen, Bernd Reichenbach und Florian Philipp, als sie bereits auf der Rückfahrt vom dramatisch verlorenen Halbfinale bei der KSV Köllerbach die ersten Kaderpläne für die kommende Saison schmiedeten. "Wir konnten überhaupt gar nicht runterkommen", sagt Philipp rückblickend.

Der verpasste Finaleinzug diente als großer Ansporn. In doppelter Hinsicht. "So knapp zu scheitern nach großem Vorsprung, das tut richtig weh", betont der 32-Jährige gut acht Monate später, hebt aber hervor: "Andererseits war das Halbfinale für den Verein einzigartig." Mit mehreren Bussen und Fanclub tingelten die Hochrheiner ins Saarland. "Vor der Halle dort war das wie Fasching in Adelhausen." Badischer Karneval im Köllertal. Wiederholung erwünscht. "Wir haben Blut geleckt", sagt Philipp.

Wie sehr, zeigte sich spätestens bei der Präsentation des neuen Kaders im März. Da schritten die Neuzugänge über den Laufsteg und schossen dem Motto des Abends angepasst in Wildwest-Manier scharf. Mit den Neuverpflichtungen hat der Verein ins Schwarze getroffen. "Alle meine Nationalmannschaftskollegen finden, unserer Kader ist der stärkste", verrät TuS-Ringer Alexander Semisorow. In Bálint Korpási kommt ein Welt- und Europameister für die griechisch-römisch Sparte. Peter Öhler ist der beste deutsche Halbschwergewichtler. Der mehrfache deutsche Meister im 66-Kilo -Freistil Manuel Wofler kommt aus Freiburg zurück, Roland Schwarz aus Nürnberg.

Die Neuzugänge Beka Bujiashvilli (Georgien, 57 kg-Freistil), Ali Umarpashaev (Bulgarien, 75 kg-Freistil), Artem Gebekov (Russland, 61 kg-Freistil), und Zbigniew Baranowski (Polen, 86 kg-Freistil) sind internationale Spitzenklasse. Ebenso wie die beiden nachverpflichteten Hart-Brüder. Die Dinkelberger machen mächtig Dampf: Kommando Vorwärts, Angriff ist die beste Verteidigung. "Wir haben den Kader nochmals optimiert. Unser Ziel ist maximaler Erfolg", sagt ein selbstbewusster Trainer.

Das Loch kam dann aber doch irgendwann. "Im Juni, Juli musste ich vier Wochen Urlaub machen", gesteht Philipp. Der Halbfinaleinzug, größter Erfolg der Vereinsgeschichte, das dramatische Scheitern im Rückkampf und die kurzfristige Kaderplanung zerrten an den Kräften der Adelhausen-Verantwortlichen. "Wir mussten ja auch noch das neue Punktesystem beachten", erklärt Timo Zimmermann, neuer Vorstand in Adelhausen.

Bis zu 28 Punkte darf ein Team am Kampftag jetzt führen. Eigengewächse starten mit der Wertung -2, international dekorierte Ausländer können bis zu +8 Zähler in die Wertung bringen. "Es wird jetzt jeden Wettkampftag ein einziges Rechenspiel werden", vermutet Zimmermann, der bereits vor einigen Jahren für zwei Jahre die Abteilung geleitet hatte. Wichtig ist dem 30-Jährigen: "Auch unsere jungen Ringer sollen sich entwickeln."

Silber bei der Militär-WM

Vom Entwickeln kann Alexander Semisorow sein eigenes Lied singen. Der vierfache deutsche Meister gilt als besonders technikaffin. Und als größtes Talent im Freistil der mittleren Gewichtsklasse. Derzeit befindet sich der 25-Jährige nach langwierigen Verletzungen am Syndesmoseband und Jochbein wieder im Aufwind. Nachdem er bei der Europameisterschaft noch verletzt passen musste, holte er bei der Militär-Weltmeisterschaft die Silbermedaille.

Alles ist auf Tokio 2020 ausgerichtet. Olympia als Ansporn und Fernziel, die Weltmeisterschaft in Budapest im Oktober als Nahziel. Und Grund für viele Schweißperlen. Derzeit erlebt der Hochrheiner Sportsoldat daher einen Marathon-Sommer der besonderen Art. Trainingslager folgt auf Trainingslager. "Es ist schon viel", lacht Semisorow. Gerade ist er vom Leistungstest aus Leipzig zurückgekehrt. Die Wochen davor hatte er im Trainingslager in Aschaffenburg geschuftet.

Die Vorfreude auf die bald startende Bundesligasaison schmälert das dennoch nicht. "Ich habe klar gesagt, dass ich weg bin, wenn wir nicht Meister werden", scherzt der Ringer ironisch. Nur um im Anschluss trocken klarzumachen: "Wir sind heiß, dieses Jahr wollen wir ins Finale." Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte hat sie hungrig gemacht am Dinkelberg. Wiederholung erwünscht.