Die Lawine kommt ins Rollen

Hannes Selz

Von Hannes Selz

Di, 22. Mai 2018

Inline-Skaterhockey

Der HC Merdingen bezwingt die Breisgau Beasts im Skaterhockey-Derby deutlich / Eishockeycrack Niko Linsenmaier bekommt Spieldauerdisziplinarstrafe.

INLINESKATERHOCKEY. Zweite Bundesliga Süd: RSC Breisgau Beasts – HC Merdingen 6:15 (1:3, 3:9, 3:3). Die Rollen waren vor Spielbeginn klar verteilt: Auf der einen Seite der favorisierte Tabellenführer aus Merdingen. Auf der anderen Seite der RSC Breisgau Beasts, der in seiner Vereinsgeschichte erst einmal das Derby gewinnen konnte. In einem unterhaltsamen Spiel vor 270 Zuschauern in der Freiburger Jahnhalle wurde der HC seiner Favoritenrolle mehr als gerecht.

Die Taktik der Breisgau Beasts schien im ersten Drittel aufzugehen. Das Team von Trainer Dirk Müller spielte diszipliniert, setzte immer wieder Nadelstiche nach vorne und ging in der 13. Minute im eigenen Powerplay durch einen Fernschuss von Frank Trenkle mit 1:0 in Führung. Merdingen konterte den Treffer jedoch prompt und erzielte noch vor der ersten Pause innerhalb von drei Minuten drei Treffer. "Wir hatten einen Plan, der 15 Minuten lang gut aufgegangen ist. Nach den drei schnellen Gegentoren geht man aber natürlich mit einem schlechten Gefühl in das zweite Drittel", beschrieb Müller nach Spielende, weshalb die Beasts völlig den Faden verloren.

Trotz Freiburger Überzahl dauerte es im zweiten Spielabschnitt nur 17 Sekunden: Nikolas Linsenmaier, der neben seiner Haupttätigkeit beim Eishockey-Zweitligisten EHC Freiburg im Sommer beim HC Merdingen auf Inlinern aufläuft, erhöhte auf 4:1. Auch wenn die Gastgeber kurzzeitig auf 2:4 verkürzten, wurden die Merdinger Panthers immer stärker und schraubten das Ergebnis, unter anderem durch vier Tore des ebenfalls beim EHC spielenden Youngsters Fabio Frick, bis zur 36. Minute auf 10:2. Vier Gegentore in fünf Minuten – "wir wussten, dass es immer schwer ist gegen Merdingen, wenn man hinten liegt. Die Lawine fängt dann an zu Rollen", analysierte Müller.

Das letzte Drittel wurde von einer Spieldauerdisziplinarstrafe für Linsenmaier überschattet (48.). Ein Beasts-Akteur checkte einen Merdinger Spieler unnötig hart, es folgte ein Wortgefecht, an dessen Ende Linsenmaier von den Schiedsrichtern des Feldes verwiesen wurde. "Bei einem solch deutlichen Spielstand so reinzugehen, ist unnötig", erklärte Linsenmaier nach Spielende seine Wortwahl. Sein Trainer Anton Bauer war erbost über die Entscheidung der Referees und wollte sich nicht äußern.

Linsenmaier geht auch auf Inlinern hochmotiviert zu Werke. Mit drei Treffern trug der 24-Jährige vor seiner Strafe wesentlich zum Auswärtssieg der Tuniberger bei. "Ich spiele im Sommer Inlinehockey für Merdingen, weil es mir Spaß macht. Geld lässt sich damit nicht verdienen", erklärte Linsenmaier und erklärte die Unterschiede zum Eishockey: "Das Bremsen ist schwieriger als auf Schlittschuhen. Außerdem ist der Spielball nicht so schnell wie der Puck."

Trotz der durchaus einkalkulierten Niederlage gegen die hochfavorisierten Panthers war der Freiburger Trainer Müller bedient: "Man rechnet sich schon etwas aus, auch wenn Merdingen natürlich Klasse in den eigenen Reihen hat. Wir müssen uns unterm Strich für unseren Auftritt nicht schämen, die Niederlage ist zwar ein kleiner Rückschlag, aber wirft uns nicht aus der Bahn. Enttäuscht bin ich darüber, dass wir uns im zweiten Drittel neun Gegentore eingefangen haben."

Am 3. Juni geht es für die Beasts in Deggendorf weiter. Der vierte Tabellenplatz, der für die Playoffs berechtigt, bleibt das erklärte Ziel der Freiburger. "Wir wollen so lange wie möglich oben dran bleiben. Wenn es am Ende nicht klappt, wäre es aber auch kein Weltuntergang", so Müller. "Ich bin gespannt auf die Reaktion meiner Mannschaft in Deggendorf."

Für den HC Merdingen wäre alles andere als die Playoffs eine Enttäuschung. Die Panthers belegen nach sechs Siegen aus sieben Spielen den ersten Platz einer jedoch noch nicht wirklich aussagekräftigen Tabelle. Dieses Jahr sind die Aufstiegsspiele für die erste Bundesliga sehr wahrscheinlich, nachdem die Panthers in der vergangenen Saison noch knapp an der letzten Hürde gescheitert waren.