Immer schön locker bleiben in der ersten Bundesliga

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Fr, 07. September 2018

Kegeln

Nach dem Aufstieg der ersten und zweiten Mannschaft stehen die Waldkircher Keglerinnen sportlich so gut da wie noch nie / Eliteklasse kein Neuland.

KEGELN. "Wir sind zurück", sagt Linda Lang. Wobei, genau genommen sagt die Mannschaftsführerin und Vereinsvorsitzende des DKC Waldkirch etwas anderes: "We are back." Englisch klingt irgendwie zeitgemäßer, hipper, frischer. Englisch ist eigentlich nicht so die Sprache des alteingesessenen deutschen Bahnensports Kegeln. Doch angesichts der vielen jungen Spielerinnen, die da unter dem Dach des DKC zusammengefunden haben, wirkt ein locker fallen gelassener Anglizismus, den auch jeder traditionsbewusste Elztäler versteht, gar nicht mal deplatziert.

Kein Fake: Im Kegeln sind die Waldkircherinnen on top und so was von up to date. Am Wochenende startet die Saison in der ersten Bundesliga des führenden nationalen Verbands DKBC – und Waldkirch ist fett dabei. Nach einer Saison in der zweiten Liga schafften Linda Lang und Co. als Meisterinnen und Zweite der Aufstiegsrunde unverzüglich die Rückkehr in die höchste Spielklasse. "Wir freuen uns auf altbekannte Gesichter und darauf, uns wieder mit der Elite messen zu können", sagt Linda Lang erwartungsfroh. Die Aussichten sind dabei die gleichen wie in den vorangegangenen beiden Erstliga-Spielzeiten 2015/16 und 2016/17. Der Klassenerhalt ist das Maß aller Dinge. "Wir versuchen ihn zu schaffen, gehen die Sache aber nicht verbissen an", erklärt Lang. Soll heißen: Wenn man es packt, zwei Teams der Zehnerliga hinter sich zu lassen, dann ist das prima. Wenn nicht, dann waren eben acht oder neun Mannschaften besser. Die Waldkircherinnen sehen es sportlich und versuchen, sich ihre Lockerheit nicht nehmen zu lassen. Bodenständigkeit ist Trumpf.

Lang prognostiziert eine Zweiteilung der Liga: Titelverteidiger Victoria Bamberg, der KV Liedolsheim, KC Schrezheim und SKK 98 Poing spielen um den Titel. Der Rest macht die Plätze im unteren Segment aus. Schwierig sei es, hier die Spielstärke der Mannschaften einzuschätzen. Beim Start am Sonntag geht’s zum Mitaufsteiger SV Pöllwitz. "Wir schauen nicht so stark auf die anderen", sagt Lang. "Wir schauen auf uns."

Und der Blick aufs Bundesligateam verrät Kontinuität: Katja Francz, Alexandra Kempf, Stephanie Scheer, Linda Sieger, Ann-Kathrin Walz und Lang bildeten bereits in der vergangenen Zweitligasaison den Stamm. Abgänge gab’s keine, Zugänge aber schon: Die Löffingerinnen Kathrin Keßler und Senta Hauschel stießen vom KSC Dittishausen zum Aufsteiger. Das Frauenteam der Schwarzwälderinnen löste sich auf. Mal wieder traf es eine Mannschaft in dieser vielerorts kränkelnden Sportart. Ob das Duo die Spielstärke hat für die erste Bundesliga, bleibt abzuwarten. In jedem Fall verstärkt es die zweite Mannschaft, die parallel den Aufstieg in die Verbandsliga Südbaden schaffte, der dritthöchsten Spielklasse.

Sportlich gesehen standen die Waldkircherinnen in ihrer 39-jährigen Geschichte noch nie so gut da. Gerne würden sie zum Vereinsjubiläum im kommenden Jahr mit beiden Mannschaften die Klasse halten. Den Zusammenhalt in der Kandelstadt dürfte aber auch ein Abstieg nicht gefährden. Viele Spielerinnen nehmen Anfahrtswege zwischen 70 und 100 Kilometern in Kauf, um im Keglertreff in die Vollen zu werfen. "Wir bewegen uns da auf einem schmalen Grat", räumt Linda Lang ein. Schließlich ist der Kegelsport reines Freizeitvergnügen, wenn auch ambitioniert und mit Leistungsgedanken.

Einige Spielerinnen sind dem Verein treu geblieben, obwohl sie weggezogen sind. Andere kamen hinzu, weil in Waldkirch gute Arbeit geleistet wird, das sportliche Niveau stimmt – und die Atmosphäre. Aus einem Pflänzchen erwuchs so eine farbenfrohe Blume. Linda Lang nennt es "Familiengewächs Waldkirch".