Kessler belohnt sich mit EM-Ticket

Ottmar Heiler

Von Ottmar Heiler

Fr, 27. Juli 2018

Leichtathletik (regional)

800-Meter-Läufer aus Donaueschingen DM-Zweiter / Anna-Lena Gamp kämpft über 400 Meter Hürden mit den Spezialistinnen.

LEICHTATHLETIK. Es hat für den Donaueschinger Christoph Kessler nicht ganz gereicht. Nach einem taktisch nicht ganz optimalen Rennen über 800 Meter wurde er bei der DM knapp hinter dem Regensburger Titelverteidiger Benedikt Huber Zweiter. Dafür kann er mit einem Schuss Optimismus in zwei Wochen die Europameisterschaft in Berlin in Angriff nehmen.

Die Saison lief für Kessler recht erfolgreich. In drei größeren Rennen mit internationaler Beteiligung bewies er sein Können. Höhepunkt war für ihn die Sparkassengala in Regensburg, bei der er in 1:46,11 Minuten über die 800 Meter nicht nur persönliche Bestzeit lief, sondern auch frühzeitig die EM-Norm für Berlin erfüllte. Nach seinem deutlichen Sieg im Vorlauf in 1:49,40 Minuten war eine Medaille zum Greifen nah. Im Finale konnte sich Kessler auf der letzten Geraden bis auf Rang zwei vorarbeiten. Den Sieger konnte er aber trotz eines energischen Endspurts nicht mehr erreichen. Nach 1:40,60 Minuten betrug sein Rückstand nicht ganz drei Zehntelsekunden.

An diesem Freitag steht für Kessler noch einmal eine Klausur in Karlsruhe an, ehe er am Wochenende sein Team von der LG Regio Karlsruhe verstärkt, das bei der deutschen Staffelmeisterschaft über 3x100 Meter in Rostock an den Start geht. An der Ostsee wird er noch einige Tage intensiv trainieren, bevor es dann ab nach Kienbaum in der Nähe von Berlin geht. Wie fast alle deutschen Teilnehmer der Europameisterschaft holt er sich dort den letzten Schliff für diesen Jahreshöhepunkt. Mit seiner in Regensburg gelaufenen Zeit belegt Kessler aktuell Rang zehn unter allen für Berlin gemeldeten 800-Meter-Läufern. Dabei werden vermutlich die Polen und Briten auf der blauen Bahn des Olympiastadions die heißesten Anwärter auf den Titel stellen.

Mit ganz anderer Motivation hat die Lenzkircherin Anna-Lena Gamp die DM in Nürnberg erlebt. Sie hatte die Norm über 400 Meter Hürden knapp geschafft und ging, mitten aus dem Training für die deutschen Siebenkampf-Meisterschaften heraus, an den Start. Allerdings steckte ihr der Mehrkampf der Landesmeisterschaft in Weingarten noch in den Knochen. Bis 250 Meter lief nach ihrer Einschätzung alles prima. Doch dann machten sich die schweren Beine bemerkbar als Zeichen, dass die Vorbelastung durch die beiden harten Wettkampftage noch nicht ganz verdaut war. Mit einer Woche mehr Regeneration wäre sicherlich noch mehr drin gewesen als der zwölfte Platz unter den besten deutschen Langhürdlerinnen.

Auf breites Unverstädnis stieß bei der DM die Haltung der Funktionäre des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), die nur zehn anstatt der sonst üblichen zwölf Leistungsbesten aus der Bundesrepublik zur Speerwurf-DM eingeladen hatten. Betroffen von diesem Faux pas war die Lenzkircher Werferin Janice Waldvogel, die trotz einer Bestmarke von 49,20 Metern als Elfte dieser Rangliste keine Startberechtigung erhielt.