Konstante mit Köpfchen

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Fr, 06. Juli 2018

Tennis

Tennisspielerin Dorothea Saar ist drauf und dran, nach acht Jahren mit dem Freiburger TC in die Badenliga zurückzukehren.

TENNIS. Dass vieles im Tennis Kopfsache ist, gilt als Allgemeinplatz. Und doch staunte Dorothea Saar, als ihr im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zum Thema "Mentales Training im Tennis" bewusst wurde, an wie vielen Stellschrauben man hier drehen kann. "Man kann sich auch zu viele Gedanken machen", hat die Sportstudentin festgestellt. Sich keinen Kopf zu machen über die Kopfsache – das ist Saar und ihren Teamkolleginnen vom Freiburger TC in der Oberliga vorzüglich gelungen. Vor dem vorletzten Saisonspiel am Sonntag, 11 Uhr, gegen den TC BW Oberweier II, liegen die FTC-Spielerinnen ohne Niederlage an der Tabellenspitze.

Mental waren die Freiburgerinnen in dieser Runde immer dann voll da, als es darauf ankam. Gegen den TC Freiburg-Schönberg II machten Dorothea Saar und Anja Fimpel im Match-Tiebreak mit 10:5 den entscheidenden Punkt zum 5:4-Erfolg. Und gegen Nicolai Konstanz holte der FTC einen 2:4-Rückstand nach den Einzeln auf und gewann alle drei Doppel.

Das Team funktioniert und benötigte keine lange Anlaufzeit, obwohl aus der Vorsaison lediglich Saar und Fimpel übrig sind. "Als Mannschaft haben wir uns von Anfang an gut verstanden und machen auch außerhalb des Platzes viel miteinander", erklärt Saar den Zusammenhalt der altersmäßig (zwischen 18 und 24 Jahren) homogenen Truppe. Bis auf die ausländischen Spielerinnen Berta Celeste Bonardi (Argentinien) und Laura Maluniakova (Slowakei) studieren alle in Freiburg. Kopf des Teams ist die 40-jährige Trainerin Eva Birkle-Belbl, die bislang nur einmal selbst zum Schläger griff, als gegen den TC Mengen die Personalnot groß war.

Nach dem überraschend deutlichen 7:2-Erfolg im Spitzenspiel am vergangenen Sonntag gegen den TC BW Donaueschingen scheint der Weg in die Badenliga frei. Doch Saar hätte sich nicht intensiv mit der psychologischen Komponente ihres Sports auseinandergesetzt, wenn sie Glückwünsche zum Aufstieg bereits jetzt annehmen würde: "Wir müssen weiter alles geben und dürfen die Spiele gegen Oberweier und Tiengen nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnt sie.

Spiele gegen vermeintliche Außenseiter sind oftmals schwerer als Matches, in denen man gegen eine Topkraft nichts zu verlieren hat. Das weiß auch Saar, die bei der baden-württembergischen Meisterschaft Anfang Juni in Pauline Ernstberger (Sindelfingen) erst die Nummer 133 der deutschen Rangliste schlug, um dann im Achtelfinale gegen die Karlsruherin Maja Jekauc (DTB 302) auszuscheiden. "Dabei hab’ ich sie schon ein paar Mal geschlagen", sagt Saar, die am kommenden Montag 24 Jahre wird und als 173. im deutschen Ranking noch Potenzial hat. "Meine Trainer sind der Ansicht, ich kann es unter die Top 100 schaffen", sagt Saar.

Ein Wechsel zum TC Schönberg kam nie in Frage

Doch was will sie selbst? "In erster Linie soll der Spaß im Vordergrund stehen", sagt die gebürtige Herbolzheimerin, die als 14-Jährige ihrer zehn Jahre älteren Schwester Franziska sportlich zum FTC folgte und hier Stück für Stück ihren Weg gegangen ist – von der Jugend erst auf die hinteren Positionen der ersten Mannschaft und seit dem vergangenen Jahr auf den Spitzenplatz (3:2 Einzelbilanz in diesem Jahr). Natürlich ist ihr die Aufbruchstimmung nicht entgangen, die das seit Oktober 2017 wirkende Trainer-Ehepaar Birkle-Belbl beim Traditionsclub an der Schwarzwaldstraße entfacht hat. "Doch mir hat es schon immer hier gefallen", sagt Saar, für die ein Wechsel zum Konkurrenzverein TC Schönberg nie ein Thema war. "Dafür ist doch schon ein bisschen Rivalität da", gibt sie zu.

Vor acht Jahren spielte der FTC bei den Frauen das letzte Mal in der Badenliga. Dorothea Saar ist die Einzige, die aus dem damaligen Team übrig ist. "Früher kam mir das Niveau gewaltig vor", sagt sie. Doch früher war sie auch noch jünger und weniger durchschlagskräftig als heute. Es sei deshalb schwer zu sagen, ob das Niveau parallel zum allgemeinen Mitgliederschwund im Tennis gesunken sei. Darüber sollen andere debattieren. Saar will sich lieber auf ihr Ding konzentrieren, auf den Platz gehen und mit ihrer starken Vorhand den Gegner übers Feld treiben.

Wenn sie sich dabei mit dem Schläger auf die Waden klopft, sollte man sich nicht wundern und an jene schrägen Marotten denken, die Rafael Nadal der Weltöffentlichkeit präsentiert. Dorothea Saar hat viel über die mentale Dimension dieses Sports gelesen. Sie weiß: Rituale stärken Konzentration und Rhythmus.

Kompakt: Im zweiten Oberligaduell des Wochenendes steigt ein Derby: Für die Frauen des Tabellenletzten TC Mengen ist die Partie gegen den TC Schönberg II die letzte Chance, das Blatt im Abstiegskampf zu wenden.