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29. März 2009 21:05 Uhr

11.000 Starter in Freiburg

Freiburg-Marathon: Heiße Rennen und kalte Füße

Dieter Baumann hat dem 6. Freiburg-Marathon das Gesicht gegeben. Der Olympiasieger spielte erst Kabarett und entschied dann noch den Halbmarathon für sich. Schnellste Frau über die Halbdistanz war die Freiburgerin Anja Schnabel.

FREIBURG. Das Rennen über die volle Distanz von 42,195 Kilometern gewannen Annette Götz aus Freiburg und Steffen Häntzschel aus Esslingen. Erstmals durften auch Handbiker in einem Testrennen starten. Die Teilnehmerzahlen sanken.

10.55 Uhr, Messegelände: Es ist kalt in Freiburg, eher Winterausklang als Frühlingsanfang, 6 Grad Celsius, am Nachmittag werden es 8. Zuschauer bekommen schnell kalte Füße. Es bleibt aber trocken und nahezu windstill, das ist die Hauptsache für die 11 019 gemeldeten Läuferinnen und Läufer (vor einem Jahr hatten noch 11 646 gemeldet).

Zunächst einmal wird allerdings nicht gelaufen, sondern gefahren. 14 Handbiker machen am Sonntag den Anfang. Sie starten in ihren Rennrollstühlen, Liegerädern, die praktisch auf dem Asphalt kleben und dem Wind fast keinen Widerstand bieten. Die Augenhöhe beträgt 60 Zentimeter über dem Boden. Die Biker kurbeln mit den Händen und gehen ab wie der Teufel. Die Spitzengruppe um Reinhard Berner aus Schliengen und Peter Müller aus Ihringen erreicht schon auf der Berliner Allee Tempo 40, vielleicht 50. Keiner misst es, weil keiner folgen kann. Berner, ein ehemaliger Leichtathlet, fährt einen Start-Ziel-Sieg heraus. Er bewältigt die 19,7 Kilometer lange Strecke in 41,34 Minuten, erreicht also einen 30er-Schnitt, "dabei haben wir zwischendrin verhältnismäßig piano gemacht". Das Kopfsteinpflaster in der Kaiser-Joseph-Straße stört ihn nicht sonderlich, "die Strecke war ja nicht lang", und auch die Sturzgefahr wegen der Straßenbahnschienen kann ihn nicht schrecken: "Da bin ich schon Schlimmeres gefahren." Dass die Wege manchmal eng sind und die Kurven problematisch, haben die Biker einkalkuliert. "Richtig blöd ist nur der Zieleinlauf, wo es scharf nach rechts geht", sagt Berner: "Wir haben deshalb schon vorher ausgemacht, dass wir dort nicht überholen."

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Michael Baier aus Lenzkirch und Frank Gruf vom Ringsport Freiburg fahren auf die Plätze zwei und drei. Rollstuhlfahrer Peter Müller, früher im Nordischen Skisport aktiv, wird Vierter und ist wie seine Rennkollegen davon überzeugt, "dass der Testlauf ein Erfolg war". Gernot Weigl, der Chef der Runabout GmbH und Organisator des Freiburg-Marathons, spricht von einem "wunderbar gelungenen Debüt. Alles hat geklappt." Aus Weigls Worten ist zu schließen, dass das Rennen der Handicapsportler künftig fester Bestandteil des Programms werden könnte.

Um 11.05 Uhr gehen die 1936 Läuferinnen und Läufer über die volle Distanz auf die Strecke (vor einem Jahr waren es 1983). Ihnen folgen 1407 Schüler und Lehrer beim S’cool Run, einem Staffellauf, bei dem sich sieben Teilnehmer einen Halbmarathon teilen. Nur hier kann Runabout noch ein Plus vermelden. 2008 liefen 1190 Kinder, Jugendliche und Lehrer beim S’cool Run-Debüt. Vor allem beim Halbmarathon gehen die Teilnehmerzahlen deutlich zurück. 7676 haben gestern gemeldet, 8473 waren es vor einem Jahr. Der Halbmarathon bleibt aber die sportlich hochkarätigste Veranstaltung des Tages. Sie beginnt um 14 Uhr und scheint um 14.05 Uhr schon entschieden zu sein, denn da setzt sich Fabien Brunner an die Spitze, ein 28 Jahre alter Elsässer aus Colmar. "Ich bin einfach meinen Rhythmus gelaufen", erklärt der Verkäufer für Designmöbel später. Sein Rhythmus verschafft ihm auf Höhe des Faulerbads schon 100 Meter Vorsprung auf die Verfolger, an der Sport-Uni sind es dann 200 und auf dem Rückweg zur Messe in Herdern werden es sogar geschätzte 300 sein.

Dieter Baumann, der Olympiasieger des Jahres 1992 über 5000 Meter in Barcelona, führt die Verfolgergruppe an, wobei er nicht immer führt, sondern manchmal auch herumkaspert, hier und da Shakehands macht und – einmalig in der Geschichte des Freiburg-Marathons! – schließlich in Herdern sogar einen Zwischenstopp einlegt. Er hat es versprochen am Freitagabend bei seinem Debüt als Kabarettist im Rahmen seines Kleinkunstprogramms "Körner – Currywurst – Kenia". "Ich habe gesagt, in Herdern halte ich an." Er tut es, umarmt jubelnde Zuschauer und lässt sich dann sogar noch ein Glas Sekt reichen. "Das konnte ich aber nicht trinken", erklärt er später. Stattdessen rennt er wieder los, ruft theatralisch "Sch..., mein Vorsprung ist dahin" und macht sich nun daran, den Colmarer Brunner einzuholen. Es glückt, kurz vor dem Ziel zieht Baumann noch vorbei und siegt in 1:09,26 Stunden. Brunner muss es geschehen lassen, er braucht sieben Sekunden länger: "Ich wahrte meinen Rhythmus, aber Baumann kam schneller und schneller und schneller und ich konnte am Ende nichts machen."

Auf Platz drei schafft es im Halbmarathon Michael "Michi" Schramm, ein 18 Jahre junges Lauftalent vom TuS Lörrach-Stetten, in 1:10,35 Stunden. "Ich habe gar nicht mehr geglaubt, dass ich hier Dritter werden kann." Schramm überholt auf dem Schlussstück noch Andreas Böcherer, den Freiburger Top-Triathleten, der bei seinem Halbmarathon-Debüt in Freiburg von einer Erkältung geschwächt an den Start ging. "Auf den letzten Kilometern bekam ich auch noch tierische Schmerzen in den Oberschenkeln", sagt Böcherer.

Im Halbmarathonrennen der Frauen könnte die Entscheidung klarer nicht sein: Anja Schnabel, Freiburger Medizinstudentin, siegt mit neuem Streckenrekord in 1:14,03 Stunden. Die Läuferin vom LAZ Salamander Kornwestheim rennt praktisch ohne Konkurrenz, auf den ersten fünf Kilometern liegt sie sogar noch vor Dieter Baumann ("ich wollte immer mal vor ihm her laufen"). Schnabel ist in bestechender Form. Sonja von Opel aus München und Bettina Maurer vom LC Basel folgen ihr mehr als sieben Minuten später auf die Plätze zwei und drei.

Autor: Andreas Strepenick