Mission mehr Medaillen

dpa

Von dpa

Sa, 03. Dezember 2016

Sportpolitik

In Magdeburg wird über die umstrittene Spitzensportreform abgestimmt / Weniger Stützpunkte, mehr Erfolg lautet die Devise.

MAGDEBURG (dpa). Die Spitzensportreform hat in den vergangenen zwei Jahren für viel Gesprächsstoff gesorgt. Am Samstag soll der Sport auf der DOSB-Mitgliederversammlung das Projekt auf den Weg bringen. Die Tage in Magdeburg sind auch ein Stimmungstest für DOSB-Chef Alfons Hörmann.

Die Unterstützung von höchster Stelle bleibt Alfons Hörmann versagt. Wenn der umstrittene Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes am heutigen Samstag auf der 13. Mitgliederversammlung in Magdeburg die viel diskutierte Spitzensportreform auf den Weg bringen will, wird ihm Thomas de Maizière (CDU) nicht zur Seite stehen. Der Innenminister weilt im Rheinland bei der Beerdigung des verstorbenen Bundestags-Vizepräsidenten Peter Hintze und wird den DOSB-Delegierten nur per Videobotschaft zugeschaltet sein.

Überzeugungsarbeit muss de Maizière ohnehin nicht mehr leisten, die Reform wird mit großer Mehrheit abgesegnet. Das war bereits das einstimmige Ergebnis auf der DOSB-Präsidiumssitzung am Donnerstag, an der auch 15 Vertreter der Spitzenverbände teilgenommen hatten. Eine andere Wahl haben die Vertreter des Sports ohnehin nicht. Eine signifikante Erhöhung der Spitzensportförderung von derzeit 167 Millionen Euro gibt es ohnehin nur, wenn die Reform auch kommt.

Doch de Maizière hätte sich ganz sicher kritische Stimmen anhören müssen. Denn der Unmut über die Reform ist groß. Vom BMI und DOSB waren die Verbände quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Eine Rücksprache mit den Verbänden hatte es kaum gegeben. So lag am Donnerstag nicht einmal die Beschlussvorlage vor, über die Samstag in großer Runde abgestimmt werden soll. Es gehe noch um letzte Formulierungen, sagte Hörmann, wenngleich das Grundgerüst längst feststeht.

30 Prozent mehr Medaillen – in Rio waren es 42, davon 17 goldene – lautet der Wunsch von de Maizière. Dafür soll das System auf Erfolg getrimmt werden. Durch ein Potenzialanalysesystem (POTAS) werden Sportler und Disziplinen zukünftig in drei sogenannte Cluster eingeteilt und nach ihren Erfolgsaussichten in den nächsten vier bis acht Jahren bewertet. Außerdem wird die Zahl der Olympia- und Bundesstützpunkte reduziert, um eine stärkere Konzentrierung zu erzielen. "Ein wichtiger und richtiger Schritt in eine bessere Zukunft" sei das Modell, wirbt Hörmann, der seit seinem Amtsantritt im Jahre 2013 schon ruhigere Zeiten erlebt hat.

Denn nicht nur die Reform, auch Hörmann selbst steht in der Kritik. Erst in der vergangenen Woche hatte er den Unmut der Athleten auf sich gezogen, als er auf der Bundespressekonferenz aus einem sogenannten Manifest zitiert hatte, wonach eine Umfrage unter 500 Sportlern eine 95-prozentige Zustimmung zur Reform ergeben habe. Das sei falsch rübergekommen, betonte Hörmann nun und stellte klar, dass es eine Umfrage zur Reform unter den Athleten nicht gegeben habe. Er habe die Werte aus einer Marketingkampagne abgeleitet. Die Unstimmigkeiten ließen sich durch ein Telefonat klären, wie Christian Schreiber als Vorsitzender der Athletenkommission betonte.

Es war aber nicht der einzige Punkt, den Hörmann geraderücken musste. Auch in Sachen Trainerakademie sei die Kommunikation verbesserungswürdig. Der Beschluss, die Akademie neu aufzustellen, sei aber trotzdem das grundsätzliche Ziel. Der DOSB fordert den Rückzug von Thomas Weikert als Vorsitzenden der Trainerakademie und will diesen durch DOSB-Sportchef Dirk Schimmelpfennig ersetzen. Der Vorgang hatte für einige Nebengeräusche gesorgt und Kritik an Hörmanns Führungsstil aufkommen lassen. Der witterte unlängst eine Kampagne gegen sich.

Über Hörmann wird aber am Samstag nicht abgestimmt. Vielmehr soll der Startschuss für die Spitzensportreform erfolgen. Nach der zu erwartenden Zustimmung befasst sich im Februar das Bundeskabinett mit dem Projekt und im Frühjahr soll es im Bundestag präsentiert werden. 2017 und 2018 dienen dann als Übergangsjahre, ehe 2019 die Reform greifen und spätestens bei den Sommerspielen 2024 erste Erfolge bringen soll.