Mister Zuverlässig

Nationalspieler Marzio Vanina glänzt beim RSV Weil als Vorbild

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 02. Dezember 2016

Rollhockey

Er mag vielleicht nicht spektakulär spielen, doch für den RSV Weil ist Marzio Vanina ungemein wichtig: Der Schweizer Rollhockey-Nationalspieler glänzt auf konstant hohem Niveau.

ROLLHOCKEY Nationalliga A: RSV Weil – RHC Uri, Samstag, 15.30 Uhr. Der RSV Weil will in der Schweizer Nationalliga A oben mitspielen. Die bisherige Bilanz der Rollhockey-Spieler lässt sich sehen. Garant in Weil ist Mister Zuverlässig: der Tessiner Marzio Vanina.

"Dafür brauche ich aber Zeit", antwortet Vanina in seinem unvergleichlichen Schweizer Dialekt auf die Frage, wie das nun war mit seiner Karriere. Vanina bittet um eine Minute, um eine ruhige Ecke zu finden. Die Mittagspause ist gerade rum. Der 27-Jährige arbeitet in einer Basler Versicherungsfirma. Eigentlich bleibt da keine Zeit für einen Mittagsplausch. Aber Termin ist Termin und Vaninas Markenzeichen ist die Zuverlässigkeit. Versetzen würde er einen Gesprächspartner nie.

"Ein absoluter Vorbildtyp", schwärmt Trainer Reiner Brinker über den Stürmer, der dieses Jahr auch defensiver agiert. "Er ist jetzt nicht der Wow-Wow-Wow-Typ", erklärt Brinker, "aber er spielt konstant auf hohem Niveau." Der gebürtige Schweizer sei dabei pflegeleicht und auch ein Garant für den guten Start des RSV – nach vier Spielen steht Weil auf Platz drei. Doch das soll nur der Anfang sein: "Unser Ziel muss sein, uns stetig zu steigern", findet Vanina.

RSV-Coach Brinker: "Solche Spieler wünscht man sich"

"Solche Spieler wünscht man sich", lobt Brinker den Stürmer und gibt zur Verdeutlichung einen Vergleich. Sein flinker Flügelflitzer aus Spanien, Jorge Novoa Villamil, schlage flotte Haken. Seine Tricks sorgen für Raunen auf den Rängen. "Der ist wahnsinnig schnell", sagt der Chefcoach über den 22-Jährigen. "Aber er ist noch jung und zudem zu temperamentvoll, da hat er ständig Ausreißer nach und unten." Einer wie Vanina, der mehrfache Nationalspieler der Schweiz, sei da zuverlässiger.

Apropos zuverlässig, Vanina hat ein ruhiges Plätzchen gefunden. "Kennen Sie das Tessin, kennen Sie Biasca?" Vanina beginnt seine Erzählung mit Fragen. Im beschaulichen 6000-Seelendorf im Kreis Riviera, wo sich das malerische Bleniotal und der Fluss Brenno treffen, dort hat Vanina seine Jugendjahre verbracht. Er ist Herzblut-Tessiner: "Ich bin nur viel zu selten dort." Die Stadt auf der Gotthard-Linie ist nicht nur für ihre charmante Altstadt, sondern auch für ihre Rollhockey-Tradition bekannt. Seit 1985 jagen sie dort dem schnellen, kleinen, runden Ball hinterher. Mit 16 schaffte Vanina den Sprung ins Nationalliga-Team. Mit 18 war allerdings Schluss. "Im Tessin kann man nämlich nicht studieren", sagt er.

In Bern nahm Vanina 2009 ein Mathematik-Studium auf. Die Rollschuhe schnürte er in der Folge im nahegelegenen Uttigen. "Die Europacup-Spiele dort waren ein Highlight", erinnert sich der Wahl-Basler an die Spiele in Portugal und Spanien. Höhepunkte hat er in seiner Rollhockey-Karriere ohnehin viele erlebt. Mit 17 schaffte er den Sprung in die Jugendnationalmannschaft. Es folgten zwei U-17-Europameisterschaften sowie die U-20-WM in Chile.

Die Akklimatisierung im Aktivbereich bereitete ihm keine Probleme. "Seit fünf Jahren spiele ich in der Elite-Nati", erklärt Vanina. Die Elite-Nati – das ist das Schweizer A-Nationalteam. Höhepunkt seiner dortigen Karriere war die Weltmeisterschaft 2013 in Angola: "Das war ein Riesen-Event."

Die Geschichte hinter dem Wechsel über die Grenze nach Weil ist indes eine banale. Vor zwei Jahren nahm Vanina ein Jobangebot in Basel an. Der Wechsel zum RSV lag nahe. Vanina hat ihn nicht bereut. "Die Stimmung hier ist familiärer als in den anderen Teams, in denen ich bis jetzt gespielt habe."

Zurück zur Zuverlässigkeit. "Immer dabei zu sein, ist für mich ja nicht anstrengend", relativiert Vanina. Rollhockey sei schließlich seine Leidenschaft. Am Samstag kommt Tabellennachbar Uri. Vaninas Konstanz wird gefragt sein. Und wenn aber doch bald mal wieder frei ist, dann freut sich Vanina aufs Tessin – sein Herz hängt immer noch an den bewaldeten Hängen seiner Heimat.