Neustart nach Katastrophenrunde

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Di, 28. August 2018

Ringen

RINGER-OBERLIGIST IM 12-PUNKTE-CHECK: Der KSV Rheinfelden greift nach dem Abstieg mit erhöhter Flexibilität an.

RINGEN. Nach einem Jahr war das Abenteuer auch schon wieder rum. Der souveräne Oberligameister von 2017 stieg aus der Regionalliga direkt ab – in der alten Klasse wollen die Ringer des KSV Rheinfelden nun neu angreifen.

1. Wie ist die Lage?
"Die letzte Saison war eine Katastrophenrunde", gesteht Trainer Sascha Oswald, er findet: "Mehr Pech geht nicht." Lange kämpfte der KSV um den Klassenerhalt in der zweiten Liga, dann aber kam die Aufstiegsangst bei der Konkurrenz. Die Spitzenclubs Sulgen und Tennenbronn verloren gegen die Rheinfelder Abstiegskonkurrenten Schriesheim und Reilingen. Fertig war der Salat. Doch das sind olle Kamellen, "unser Ziel sind jetzt die ersten drei Plätze", bläst Oswalds Trainerkollege Siegfried Knauer zur Attacke.

2. Kommen & Gehen
Sulejman Ajeti, Punktegarant und Trainer in Personalunion, ist weg. "Das ist schmerzhaft", findet Knauer, der wie Vojtech Benedek zum KSV zurückgekehrt ist. Vom württembergischen Landesliga-Meister AC Röhlingen kam Greco-Schwergewichtler Ferenc Almasi, der Ungar gilt als große Verstärkung. Zudem will der KSV auf die eigene Jugend setzen. In den Brüdern Patrick und Sasha Hinderer sowie Alin-Andrei Suciu plant Oswald mit drei Eigengewächsen.

3. Was ist neu?
Rheinfelden goes Adelhausen. Seit diesem Sommer hat der KSV eine Trainingskooperation mit Bundesligist TuS. Jeden Donnerstag und Freitag wird gemeinsam trainiert. "So können doppelt so viele ringen und wir sind viel flexibler", freut sich Oswald. Zudem hat die Vorstandschaft komplett gewechselt, das Jugendtrainerteam ist neu aufgestellt.

4. Die Trainer
Oswald, 34, ist Betriebswirt und stammt ursprünglich aus Inzlingen, hat auch in Adelhausen, Hausen-Zell und Triberg gerungen und geht in sein zweites Trainerjahr. Knauer, 39, ist nach zehnjähriger Pause zurück. Zuvor hat der Zollbeamte in Adelhausen und Rheinfelden seine Kontrahenten übers Knie gelegt.

5. Positionskämpfe
In der Oberliga darf nur ein Ausländer ran. Der venezolanische WM-Teilnehmer Luillys Perez und Almasi werden sich wohl um die Position streiten. Überhaupt: "Es wird personell wohl unser bisher flexibelstes Jahr", vermutet Oswald.

6. Die Infrastruktur
Die in die Jahre gekommene Turnhalle der Schillerschule bleibt das Dorn im Auge. "Da wird nichts gemacht", ärgert sich Oswald. Trotzdem kommen punktuell reichlich Zuschauer. Die Derbys letzte Saison wollten 800 Fans sehen.

7. Welcher Ringer fällt auf?
Almasi ist bockstark unterwegs, gewann Bronze bei der U-23-Europameisterschaft in Istanbul. Andrius Reisch ist immer für spektakuläre Würfe gut. Und Fabian Wepfer, dem einst in der Bezirksliga niemand eine große Zukunft zutraute, war in der Regionalliga die 66-Kilo-Spitzenkraft.
8. Befreundeter Club?
Ganz klar: Adelhausen, mit denen mehrmals die Woche trainiert wird.

9. Das Training
"Jahrelang haben wir nur zweimal die Woche trainiert, jetzt haben wir noch eine Einheit draufgepackt", so Oswald. Und: Schon im April baten die Trainer zum Koordinations- und Krafttraining.
10. Döner am Kampftag?
Oswald ist kein Schleifer, aber: "Am Tag vor dem Kampf wegzugehen, ist ein Unding." "Alkohol sollte man vor dem Kampftag schon vermeiden", findet Knauer, ergänzt aber auch: "Die Spieler sind verantwortungsvoll, keiner kommt mit einer Vollschelle."

11. Prognose in Phrasen-Kurzform
Nach Regen kommt Sonne. Der KSV schafft den Wiederaufstieg.

12. Und sonst?
Schwitzen für die Saison und den Blick auf Havanna genießen? Vincent von Czenstkowski hat’s vorgemacht. Auf dem Kreuzfahrtschiff gönnte sich der KSV-Ringer eine Runde auf dem Laufband und blickte tiefenentspannt auf Kubas Hauptstadt.

Auftakt: 8. September, KSV Appenweier (H).